Donnerstag, 20. März 2008

Keine Gnade für Schrei-Babies!

Dein Baby hat wieder die ganze Nacht durchgeweint und dein Kleiner spielt heute morgen zum x-ten lautstark "wir greifen die Burg an"? Tja, wenn du in einer Mietwohnung lebst, musst du dich vielleicht schon bald nach einen Zuhause umsehen: Schrei-Babies und laute Kleinkinder sind im Schweizer Mietrecht nicht willkommen. Ganz zu schweigen von einem Kündigungsschutz für Familien. Ist das gerecht? Nein, aber rechtens, findet das Gesetz. Wir nicht!



Von Daniela Palumbo für den Beobachter

Wenn die Nachbarn sich beschweren, weil die Kinder zu viel Lärm machen, kanns schnell schwierig werden. Denn das Mietrecht kennt dazu keine klare Regelung.

Einmal pro Woche klingelten die beiden Nachbarinnen entnervt an der Tür der einzigen Familie im Altbauhaus. Der 35-jährige Gil Lordong, der mit seiner Frau Elena Madrid, 37, und Kleinkind Samir direkt unter der Frauen-WG lebte, hörte sich jeweils die immergleichen Klagen an: Seine Familie sei zu laut, der sechs Monate alte Sohn schreie zu oft.

Ein Spielteppich im Kinderzimmer und neue Filzgleiter unter den Möbeln brachten nicht die ersehnte Nachbarsruhe. Die Eltern fühlten sich nicht verstanden, die zwei Frauen im oberen Stock nicht ernst genommen. Nach einigen Monaten klagten sie bei der Verwaltung schriftlich über «Gerumpel, Gepolter, Geklopfe» sowie «Spielgeräusche» und «Kindergeschrei».

Der Informatikberater und die Illustratorin bekamen Angst. Sie fürchteten, die beiden Frauen würden sie am Ende gar wegen Kindsmisshandlung verdächtigen und die Polizei einschalten. Sie fühlten sich als normale Eltern mit einem Sohn, der ihrer Ansicht nach nicht übermässig schrie. Die Verwaltung lud zur Aussprache. Die Familie erschien, die Frauen blieben fern. Als die Verwaltung klarstellte, dass «Kinderlärm kein Kündigungsgrund» sei, war das Ehepaar erleichtert.

Der Konflikt eskalierte aber doch noch, als Elena Madrid zwei Monate später einen zweiten Sohn gebar. Yuri war ein Schreibaby. Täglich hämmerten nun die Nachbarinnen auf die Heizung. Diesmal beschwerte sich die Familie bei der Verwaltung. Doch diese drohte im Fall von weiteren Reklamationen beiden Parteien mit der Kündigung. Obschon die WG schliesslich freiwillig auszog, flatterte bei der vierköpfigen Familie der Kündigungsbrief ins Haus. Grund: «wegen Streitereien mit anderen Mietern sowie Lärmbelästigung (wiederholt auch nachts), die schon über Monate andauern». Unangekündigt hatten andere Nachbarn ebenfalls bei der Verwaltung reklamiert wegen «Lärmbelästigung durch die Familie», genauer «stundenlanges Weinen der Kinder ohne grosse Reaktion der Eltern».

Familien mit Kindern dürfen nicht auf uneingeschränktes Verständnis ihrer Nachbarn zählen. In der Schweiz gibt es für sie im Gegensatz zu anderen Ländern wie Deutschland auch keinen Kündigungsschutz. Die einzige Möglichkeit ist, die Kündigung innerhalb von 30 Tagen bei der Mietschlichtungsbehörde anzufechten und eine Mieterstreckung zu verlangen.

Wie viele Familien wegen ihres Nachwuchses auf der Strasse landen, ist nicht bekannt. Indes weiss man, dass jedem dritten Nachbarschaftskrach Kinderlärm und Spielplatznutzung zugrunde liegen - das hat eine grossangelegte Umfrage des Vereins Nachbarschaftsmediation im Jahr 2005 ergeben. Damit Eltern über ihre Rechte im Bild sind und sich wehren können, hat der Mieterverband für sie das Merkblatt «Wohnraum für Kinder - Familien haben Rechte!» verfasst.

Das Lärmproblem wird sich noch verschärfen
In den meisten Mehrfamilienhäusern regeln Hausordnungen das Zusammenleben. Dort sind Ruhezeiten angegeben, in der Regel sind dies die Stunden über Mittag und nach 22 Uhr. Danach müssen sich alle Hausbewohner richten. «Ganz strikt lässt sich mit Kindern aber weder die Mittags- noch die Nachtruhe einhalten», so der Mieterverband. «Babys und Kleinkinder können auch einmal morgens um vier nach Leibeskräften schreien. Damit müssen sich Vermieterschaft und Nachbarn abfinden.»

Dass das Wohnen in einem Mehrfamilienhaus gegenseitige Rücksicht bedingt, schreibt auch das Mietrecht vor. Demnach gibt es kein Recht auf absolut ruhiges Wohnen. Lärmgeplagte Mieter können beim Vermieter zwar übermässigen, stundenlangen Kinderlärm als Mangel geltend machen und auf Mietzinsreduktion pochen. Aber wo Rücksicht verlangt wird, besteht auch ein Anspruch auf Toleranz - beides Ansprüche, die sehr unterschiedlich interpretiert werden können.

Mit Konflikten zwischen Nachbarn beschäftigt sich auch Jachen C. Nett. Der Dozent im Fachbereich Soziale Arbeit der Berner Fachhochschule sagt: «Der Nachbarstreit ist ein gesellschaftliches Problem, das sich mit der Überalterung noch verschärfen wird.» In einer aktuellen Studie analysierte er rund 2000 Mieterdossiers von zwei Liegenschaftenverwaltungen. «Je heterogener Mietshäuser bewohnt sind, desto wahrscheinlicher sind Konflikte.» Familien, kinderlose Paare und Senioren stellen unterschiedliche Erwartungen an ihre Nachbarn. «Trotz der Gefahr einer Gettoisierung könnten separate Wohnblöcke für Familien und Kinderlose Konflikte mindern», sagt Nett. Der Mieterverband seinerseits fordert vermehrt kinder- und familienfreundliche Neubauten, die auf eine Weise gebaut sind, dass sie sich den Kindern anpassen und nicht umgekehrt.

Das Ehepaar Keller (Namen geändert) hat zwei Söhne im Alter von vier und sechs Jahren. Seit Monaten gibt es Streit mit dem kinderlosen Paar, das in der Wohnung unter ihnen lebt. Das alte Haus ist ringhörig. Die Verwaltung stellte sich - ohne vorher vermittelnd einzugreifen - auf die Seite des kinderlosen Paars und schickte der Familie eine Kündigungsandrohung mit der Aufforderung, sie sollen sich an die Regeln halten: «Eine Wohnung ist kein Spielplatz.» Der Streit hat bei der angeprangerten Familie tiefe Spuren hinterlassen. Nina Keller: «Das ständige Beobachtet-Werden in den eigenen vier Wänden macht mich allmählich krank.»

Bösartigkeit steckt selten dahinter
«Dabei lässt sich ein Nachbarschaftskonflikt durchaus entschärfen», sagt Helena Heuberger von der Zürcher Stiftung Domicil, die Beratung in Nachbarschaftsstreitigkeiten anbietet. Die Sozialarbeiterin Heuberger besucht jeweils beide Parteien und versucht diese zu einem gemeinsamen Gespräch einzuladen. Zuerst klärt sie, welche Geräusche wann als störend empfunden werden. «Wichtig ist, gegenseitige Empathie herzustellen und beiden Seiten die Bedürfnisse des anderen klarzumachen», sagt Heuberger. Oft seien sich die Familien gar nicht bewusst, dass sie lärmig sind. Springe etwa ein Kind vom Sofa auf den Boden, zittern die Decke und die Lampe des unteren Mieters. «Meist führen Angst und Missverständnisse zur Eskalation, selten Bösartigkeit», sagt Heuberger.

Bei der Familie Lordong Madrid endete der Konflikt mit einem Rauswurf. Die Schlichtungsbehörde gab der Verwaltung recht, trotz Unterstützung des Mieterverbands. Die Kündigung blieb gültig, obschon einige Nachbarn schriftlich aussagten, sie fühlten sich durch die Familie nicht belästigt, und obwohl die Leiterin der Kinderkrippe bestätigte, dass Samir ein normales Kind sei.

Die Schlichtungsbehörde akzeptierte das Argument der Verwaltung, dass diese den Verlust weiterer Mieter fürchtete. Immerhin erhielt die Familie eine Fristerstreckung von 21 Monaten, und es kam nach dem zermürbenden Kampf ums traute Heim schliesslich doch zum Happy End: Bald fand das Ehepaar mit Samir und Yuri im Quartier ein günstiges Reiheneinfamilienhaus mit Garten. Und in der Nachbarschaft leben etliche Familien mit Kindern.

Empfehlenswert: Mediation unter Nachbarn
Mediation ist nicht nur bei Streit unter Ehegatten eine bewährte Alternative zur herkömmlichen Streiterledigung durch Anwälte und Gerichte, sondern auch unter Nachbarn. Voraussetzung ist, dass die Konfliktparteien wünschen, ihren Streit einvernehmlich zu lösen. Das Beobachter-Beratungszentrum vermittelt den Mitgliedern des Beobachters auf Anfrage vertrauenswürdige Mediationsfachleute. Mehr dazu unter www.beobachter.ch/mediation

Das Buch über uns

Eine Rabenmutter schreibt ein Plädoyer für andere Rabenmütter: Aufstand der Rabenmütter. Jutta Hoffritz fordert fordert ein Ende der Mütterbeschäftigungsindustrie und zeigt auf, wie man ohne Baby-Yoga, PEKIP und musikalische Früherziehung eine glückliche Mutter wird. Wussten wir schon? Ist aber trotzdem schön, es gedruckt zu sehen!
Das Buch



Baby-Yoga, PEKIP, Early-English - diese Modeerscheinungen sind uns nicht unbekannt, einige haben wir sogar ausprobiert. Viele von uns haben das Gefühl, sich mit allem möglichen beschäftigen zu müssen, um eine gute Mutter zu sein. Vor allem berufstätige Mütter fühlen sich zunehmend unter Druck gesetzt, denn ihnen fehlt allein schon die Zeit, all diese neuen Trends auszuprobieren. Und schon schnappt die Gewissensfalle wieder zu. Jutta Hoffritz aktuelles, provokantens Buch macht dem ein Ende und plädiert für ein neues, ganz entspanntes Rabenmüttertum.

Die Autorin
Jutta Hoffritz ist studierte Volkswirtin, gelernte Journalistin und arbeitet seit fast zehn Jahren für die ZEIT. Sie hat einen Mann mit zwei Töchtern geheiratet und einen Sohn geboren. Nachdem die großen Mädchen gut erzogen in ihr Leben traten, machte sie nach der Geburt des Sohnes erstmals Bekanntschaft mit Pekip, STEP und anderen zeit- und nervenraubenden Pädagogiktrends. Sie ist bekennende Rabenmutter und schreibt dieses Buch, um anderen Frauen Mut zu machen, sich für Kinder zu entscheiden und für den Beruf - und gegen das Baby-Yoga.

Das Buch erscheint September 2008 und ist kann über amazon vorbestellt werden.

Eine Frage der Hormone

Von Beatrice Schlag für die Weltwoche: Mädchen sind in der Schule besser als Buben und später besser im Studium. Die kanadische Psychologin Susan Pinker beschreibt, warum Männer im Berufsleben trotzdem das tonangebende Geschlecht bleiben. Ihr Bestseller löst heftige Debatten aus.




Kim kann sich nicht erinnern, während ihrer Karriere je diskriminiert worden zu sein. Als eine von 40 Studentinnen begann sie 1977 mit 400 Studenten ein Ingenieurstudium. Dozenten und Professoren schildert sie als durchgehend ermutigend, ihr Abschluss war einer der besten ihres Jahrgangs. Nach dem MBA arbeitete die Petro-Ingenieurin in Raffinerien und auf Ölplattformen, manchmal als einzige Frau im Team. «Die Männer haben starke Netzwerke in solchen Betrieben», sagt sie, «aber ich habe nie so etwas wie eine gläserne Decke gespürt. Wer bereit war, etwas zu leisten, wurde befördert. Und die Männer behandelten mich sehr gut. Das Arbeitsklima war äusserst kompetitiv, aber erfreulich.»

Nach zwanzig Jahren gab sie ihre Karriere auf und wurde Fitnesstrainerin. «Ich war es leid, Petro-Chemikalien zu mixen und Software von Viren zu befreien. Ich wollte mehr mit meiner Familie zusammen sein. Jetzt kann ich mir die Zeit selber einteilen und geniesse es.»

Die Ingenieurin ist eine von vielen hochqualifizierten Naturwissenschaftlerinnen, Anwältinnen und Ökonominnen mit abrupten Karriereumschwüngen, die die kanadische Psychologin und Autorin Susan Pinker für «The Sexual Paradox» aufsuchte. Das eben erschienene Buch mit dem Untertitel «Männer, Frauen und der wahre Graben zwischen den Geschlechtern» sucht Antworten auf die Frage, warum die wenigsten Frauen im Beruf langfristig die in sie gesetzten Karriere-Erwartungen erfüllen. Dazu sichtete die Kanadierin eine beeindruckende Anzahl von Studien – die Bibliografie umfasst 60 Seiten –, berücksichtigte neue Entwicklungen in der Hormonforschung und präsentiert Kurzporträts von Männern und Frauen, deren Karrieren ihren Schulleistungen scheinbar widersprechen.

Das Thema erregte unmittelbares Aufsehen: Die britische Sunday Times veröffentlichte einen ausführlichen Vorabdruck, die New York Times brachte eine wohlwollende Besprechung, bereits sind weltweit Übersetzungslizenzen verkauft: Das Buch ist als Debattenauslöser programmiert.

Wie die ehemalige Petro-Ingenieurin Kim machte auf Susan Pinkers Nachfrage auch keine der andern Befragten das Verhalten männlicher Kollegen oder Vorgesetzter für ihren Entscheid verantwortlich oder fühlte sich als Frau im Job benachteiligt. Dennoch wechselten sie irgendwann in einen schlechter bezahl ten Job mit weniger hohen akademischen Ansprüchen, der sich in den meisten Fällen durch zwei Dinge auszeichnete: mehr Umgang mit Menschen und mehr Freizeit.

Das ist nicht das, was Ökologen, Pädagogen und Soziologen vorausgesehen hatten. Sie gingen von einem allmählichen Aufstieg der Frauen zur vollen Gleichheit mit den Männern in allen Berufssparten und auf allen Ebenen aus. Doch nun das: In fast allen Ländern der Welt erschienen in den letzten Jahren Berichte über das immer schlechtere Abschneiden von Buben in der Schule. Die wachsende Anzahl von Hochschulstudentinnen bewog zahlreiche US-Universitäten, Quotenstudenten mit niedrigerem Notendurchschnitt als demjenigen weiblicher Studienbewerber aufzunehmen, um den Frauenüberschuss auszugleichen. Alles schien nahezulegen, dass der Durchmarsch der Frauen im Beruf nicht aufzuhalten ist. «Würde man die Zukunft allein aufgrund schulischer Leistungen voraussagen», sagt Susan Pinker, «wäre die Welt ein Matriarchat.»

Aber Noten, stellte sie bei genauem Hinsehen fest, sagen vor allem eines: Mädchen im Schulalter sind durchschnittlich lernwilliger und disziplinierter als Buben. Allerdings hält der Vorsprung nicht an, wie die Autorin mit Untersuchungen belegt. Die männliche Selbstdisziplin setzt lediglich mit Verzug ein. In den späten Teenagerjahren gleichen sich die Leistungen von Schülerinnen und Schülern allmählich an. Die jungen Männer holen auf, während ihre Mitschülerinnen sehr viel stärker durch die Pubertät absorbiert sind.

Biologischer Zusammenhang

Eine US-Studie, die ab 2001 11 000 männliche und weibliche Teenager mit Lernschwierigkeiten begleitete, stellte erwartungsgemäss fest, dass die meisten frühen Schulabgänger männlich und die meisten Schüler, die nach der High School auch noch eine College-Ausbildung absolvierten, weiblich waren. Das überraschende Ergebnis war ein anderes: 2006 hatten 85 Prozent der jungen Männer einen Vollzeitjob, während von den Frauen viele nur Teilzeit arbeiteten oder Mütter und Hausfrauen geworden waren. Selbst von den jungen Männern, die vorzeitig von der Schule abgegangen waren, hatten doppelt so viele einen Job wie ihre ehemaligen Mitschülerinnen, und sie verdienten nicht nur mehr als diese, sondern auch mehr als gleichaltrige Frauen, die nie mit Lernschwierigkeiten zu kämpfen hatten. Die Studie stimmte mit Pinkers 20-jähri-ger Erfahrung als Kinderpsychologin überein: Viele der jungen Patienten, die wegen Lernschwierigkeiten, asozialen oder aggressiven Verhaltens zu ihr geschickt wurden, hatten später deutlich erfolgreichere Karrieren gemacht als ihre Mitschülerinnen. «Ich vermutete oft einen biologischen Zusammenhang.»
Nicht nur unter Feministinnen hatte jahrelang die Überzeugung geherrscht, dass Gleichberechtigung, gleiche Bildung und Frauen-förderung über kurz oder lang ebenso viele Frauen in berufliche Spitzenpositionen katapultieren würden wie Männer. Der öde Männerspruch, dass die Weltgeschichte nur männliche Genies hervorgebracht habe, werde für die Zukunft hinfällig, weil mit der Chancengleichheit kein weibliches Talent mehr zwischen Kochtöpfen und Waschmaschine verkümmern müsse. Die Annahme, dass Frauen dank ihrer höheren Sozialkompetenz mindestens ebenso gute, womöglich auch bessere und teamfähigere Chefs sein würden, wurde von niemandem vernehmlich bezweifelt. Der weiblichen Eroberung der Teppichetagen schienen Tür und Tor geöffnet.

Was wollen Frauen wirklich?

Die Frage, ob Frauen im Beruf tatsächlich dasselbe wollen wie Männer, wenn sie die freie Wahl haben, stellte niemand. Betty Friedan hatte in «Der Weiblichkeitswahn» einer ganzen Frauengeneration die Augen für die krankmachende Isolation des Hausfrauendaseins geöffnet. Es schien selbstverständlich, dass Frauen am Arbeitsplatz die gleichen Ziele haben würden wie Männer: zeigen können, was in ihnen steckt, und dafür die verdiente Anerkennung und einen angemessenen Lohn bekommen. Tatsache ist, dass, rund vierzig Jahre nachdem die Emanzipationswelle die westliche Welt überrollte, Frauen in Spitzenpositionen noch immer rar sind.

Die prominentesten weiblichen CEOs der Schweiz? Den meisten fällt höchstens Ingrid Deltenre ein, Chefin des gebührenfinanzierten Schweizer Fernsehens.

«Viele von uns sind sich noch immer nicht bewusst, dass in unseren Köpfen der Mann als Standard verankert ist», sagt Pinker. «Wir betrachten Frauen als Variante des Basismodells mit ein paar Zusatzeigenschaften. Aber im Grunde erwarten wir, dass es zwischen den beiden Geschlechtern keine grundlegenden Unterschiede gibt. Dabei macht die Wissenschaft zusehends die Vorstellung zunichte, dass männlich und weiblich auswechselbar, symmetrisch oder gar dasselbe seien.»

Damit begibt sich die Autorin auf ein gefährliches Terrain: Dass es Geschlechterunterschiede gibt, die da sind, bevor die Umweltprägung einsetzt, wissen zwar alle, die je ein Kind grossgezogen haben. Aber die Festschreibung biologischer Unterschiede, in der Vergangenheit häufig eine Rechtfertigung für Diskriminierung, ist noch immer ein ideologisches Minenfeld.

Was Männer und Frauen von ihrem Beruf erwarten und was sie dafür zu leisten bereit sind, driftet entsprechend auseinander. Je gebildeter und privilegierter eine Frau ist, desto klarer sucht sie nach einer Arbeit, die sie befriedigt und in der sie einen Sinn sieht. Geld und Aufstiegsmöglichkeiten sind im Unterschied zu Männern zweitrangig für ihre Motivation. Ebenfalls im Unterschied zu Männern sind Frauen, vor allem Mütter, nicht bereit, für ihre Karriere mehr als ein bestimmtes Mass an Arbeitszeit zu investieren.

Es passiert im Hirn Beim Quervergleich internationaler Studien stellte Pinker fest, dass die Divergenz zwischen weiblicher und männlicher Berufswahl umso grösser ist, je reicher und stabiler das Land ist: «Wären Frauen eine Version von Männern, würde man das Gegenteil erwarten: dass sie sich bei mehr Auswahlmöglichkeiten in grösserer Zahl für männliche Berufe und männliche Arbeitszeiten entscheiden. Aber nirgends ist der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Karrieren unterschiedlicher als in Ländern wie Kanada, Grossbritannien, Deutschland, der Schweiz, Norwegen und Japan, die Frauen ein Höchstmass an Optionen bieten.»

Physikerinnen und Ingenieurinnen erwartet nach dem Studienabgang im Durchschnitt ein Lohn, der 30 bis 50 Prozent über dem Anfangssalär für Absolventen anderer Fachrichtungen liegt. Dennoch studieren in reichen Ländern nur knapp 5 Prozent der Frauen Physik, wie für 2005 belegt ist. Ganz anders sah es in ärmeren Ländern mit hoher Emigrationsrate aus: Auf den Philippinen,in Russland, Thailand, Polen und der Türkei lag der Anteil der Physikstudentinnen bei über 30 Prozent.

Finanzieller Druck, die Familie zu ernähren, war nach Pinkers Ansicht häufiger ausschlaggebend für die Fachwahl als ein echter Berufswunsch. So gerne Wissenschaftlerinnen angewandte Forschung betreiben, so wenig fühlen sie sich zu rein akademischer Forschung hingezogen: Die Isolation empfinden die meisten als zu gross. «Wenn begabte Frauen lieber Ärztinnen als Physikerinnen, lieber Lehrerinnen als Ingenieurinnen werden wollen, ist das eine Option, mit Menschen zusammen zu sein statt mit Dingen», sagt Pinker. «Es ist eine Neigung mit einer langen Geschichte.»

Und eine, sagen Biologen, die entscheidend von Hormonen geprägt sei (siehe Kasten links). In ihrem Buch «Das weibliche Gehirn» legte die Neuropsychologin Louann Brizendine vor zwei Jahren dar, wie entscheidend Männer und Frauen in ihrem Verhalten und ihren Entscheidungen von Hormonen geprägt sind. Die amerikanische Forscherin hatte lange gezögert, ehe sie die Ergebnisse ihrer Untersuchungen veröffentlichte. «Ich wusste, dass das, was ich zu sagen habe, politisch nicht korrekt ist, denn ich glaube, dass Frauen die Welt tatsächlich anders wahrnehmen als Männer. Aber wenn Frauen von diesen Unterschieden wissen, können sie besser entscheiden, wie sie ihr Leben leben wollen», sagte die Forscherin.

Kommunikatives Mädchenhirn

Nach Brizendines Erkenntnissen zerstört die bei männlichen Embryos in der achten Schwangerschaftswoche einsetzende Testosteronproduktion Zellen im Kommunikationszentrum des Gehirns und baut diejenigen des Aggressions- und Sexualitätszentrums aus, während der für die Kommunikation zuständige Bereich bei weiblichen Embryos sich ungehindert weiterentwickelt. Bei der Geburt hat ein Mädchen durchschnittlich elfmal mehr Gehirnmasse für Kommunikation und Verarbeitung von Emotionen zur Verfügung als ein Bub. In den ersten drei Monaten nimmt die Fähigkeit von Mädchen, Augenkontakt herzustellen, um 400 Prozent, die von Buben um 0 Prozent zu. Der Unterschied wird beide ein Leben lang prägen: Mädchen beziehen ihr Selbstwertgefühl aus Umweltreaktionen und sind entsprechend einfühlsam, während das Wohlwollen der Umgebung für Buben nicht annähernd so wichtig ist. Zweck der angeborenen weiblichen Einfühlungsgabe: Beziehungen herstellen und Harmonie aufrechterhalten. Für den offenen Schlagabtausch ist die weibliche Biologie schlecht gerüstet.

Das bedeutet nicht, dass Frauen nicht konkurrieren mit Geschlechtsgenossinnen und mit Männern. Aber sie tun es mit kleinen Signalen: ignorieren, verspotten, Gerüchte streuen. Was ihnen abgeht, ist die unverhohlene Lust, sich von klein auf überall und jederzeit mit andern zu messen, in Ringkämpfen, Wortgefechten und beruflichen Leistungen.

Für eine von Pinker zitierte Studie wurden Laufzeiten elfjähriger Mädchen und Buben gemessen. Die Mädchen rannten am schnellsten allein, etwas weniger schnell im Wettkampf mit Buben und am langsamsten gegen Mädchen. Die Buben rannten am langsamsten allein und legten sowohl gegen Buben wie gegen Mädchen an Tempo deutlich zu.

Jede Form von Wettbewerb erzeugt im männlichen Körper einen beflügelnden Adrenalinausstoss, während der Adrenalinspiegel im weiblichen Körper auch unter ausserordentlichem Druck kaum steigt. Die unterschiedlichen Auswirkungen auf Karrieren hält Pinker für offensichtlich: «Mehr Männer als Frauen sind bereit, 80 bis 100 Stunden pro Woche zu arbeiten, um den Jackpot zu gewinnen oder der Platzhirsch zu sein. Es gibt viele konkurrenzorientierte Frauen und viele Männer, die Konkurrenz hassen. Aber im Durchschnitt bedeutet der unterschiedliche Umgang mit aggressivem Wettbewerb, dass jedes Geschlecht nach seinen eigenen Regeln spielt.»

Kommt hinzu, dass viele aussergewöhnlich erfolgreiche Frauen vom Impostor Syndrome geschlagen sind: Sie halten ihre Leistungen für Schwindel, für glückliche Zufälle statt für Verdienste, auf die sie stolz sein können, und leben in ständiger Furcht, als Versagerinnen aufzufliegen. Als die amerikanischen Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes das Syndrom in den siebziger Jahren erstmals in einem Artikel darstellten, war das Leserinnen-Echo erdrückend. Unzählige weibliche Berufstätige fühlten sich beschrieben. «Ich wünschte, das Thema wäre nicht mehr relevant», sagt Clance im Gespräch mit Susan Pinker fast 30 Jahre später. Aber die Nachfrage nach Workshops zum Thema halte an.

So unwahrscheinlich das Syndrom aus Männersicht anmuten mag, so real seine Auswirkungen. «Manchmal wache ich morgens auf, bevor ich zum Set gehe», sagte Kate Winslet, bereits fünf Mal für einen Oscar nominiert, in einem Interview, «und denke, ich kann das nicht tun. Ich bin ein Betrug.»

Beförderung verweigert

Etwa 60 Prozent der berufstätigen Frauen, schätzt Susan Pinker, lehnen Beförderungen ab oder nehmen einen schlechter bezahlten Job an, um beruflich ausgefüllter oder zeitlich flexibler zu sein. Die Autorin zweifelt, ob die Ablehnung des traditionellen männlichen Erfolgsmodells tatsächlich ein Verlust ist: «Der Kollege mit dem Power-Job ist möglicherweise ein Genie, aber er hat keine Freunde, keine Frau. Ist das so grossartig?»

Nein, ist es nicht. Und die meisten Frauen sind über ihre Vorlieben und Fähigkeiten, die sie von den meisten Männern unterscheiden, alles andere als unglücklich.

Freitag, 14. März 2008

Reisespass


Ich bin gerade von den Ferien zurückgekommen. Auf die Frage, ob es schön war und ich mich auch schön brav erholt hätte, muss ich mich immer ein wenig zusammen reissen. Es folgt als Antwort meist ein verbissenes Lächeln mit einem zerquetschtem „Ja, war ganz o.k.,…danke“.



Mein Mann konnte die ersten 3 Tage mit uns verbringen, bevor er dann wieder zurück musste. Diese Zeit war das, was einer Art der Erholung am nächsten kam. Die Kinder hatten noch eine zweite Bezugsperson und ich hatte einen Erwachsenen, mit dem ich mich austauschen konnte. Wir haben uns gegenseitig entlastet und funktionierten als eingespieltes Team.

Dann kam der Abschied. Ich hab auf dem Weg zum Flughafen mein Mittagessen wieder von mir gegeben und kämpfte mit tiefem Blutdruck und Magenkrämpfen. Ich wollte meinen Mann nicht beunruhigen, aber der Gedanke, alleine mit den Mädels ins Haus zurückzufahren, kam mir schier unmöglich vor. Schliesslich hat sich mein Zustand aber doch noch rechtzeitig verbessert und wir fuhren (meine Töchter und ich) dann heulend vom Flughafen in unser Ferienhaus zurück. Ich wollte nicht weinen, aber ich bin was Abschied von meinem Mann angeht ein Weichei. Die Tatsache, dass meine Älteste noch über eine halbe Stunde lang unter Tränen, ihrer Liebe zum „aller beschte Papi uf däre ganze Wääääääält!!!!“ kundtat, hat meinen Versuch, stark zu bleiben, auch nicht gerade unterstützte. Die Kleine sagte dazu ununterbrochen „tschüüüüüss Pa-pi“, einfach um sicher zu gehen, dass wir nicht etwa noch vergessen, dass er jetzt weg war. Ein Mietwagen voller Traurigkeit unterwegs auf den Landstrassen Mallorcas. Es wurde dunkel und ich hab mich verfahren...

Nicht mehr alleine
Am nächsten Tag sah alles schon viel besser aus. Meine Mutter, die mit dem Auto via Fähre von Barcelona ankam, weckte mich mit lautem Geklopfe am Fenster neben meinem Bett. Ich wäre zwar fast an einem Herzinfarkt gestorben, aber der Instinkt, möglichst schnell die Ursache für diesen Krach zu finden und ihn auszuschalten, um die Kinderlein nicht zu wecken war grösser. Zu spät, kaum hatte ich die Tür geöffnet, immer noch nicht ganz sicher was da vor sich geht, stürzten ihre zwei Hunde ins Zimmer und alle waren wach.

Später an diesem Tag fuhr ich nochmals zum Flughafen, um meine Freundin und ihren fast dreijährigen Sohn abzuholen. Die Freude war goss und das Auto voll mit Kinder und Kinderzubehör.
Wieder im Haus angekommen, wurde klar, dass es schwierig sein würde für den Kleinen meiner Freundin: er hat panische Angst vor Hunden. Wir wussten dies schon im Voraus, aber irgendwie schien es so, als würde meine Mutter immer dann mit den beiden auftauchen, wenn der Kleine endlich friedlich irgendwo draussen spielte.
Abends beim Essen, an einem unmöglich kleinen Tisch, waren die Hunde natürlich auch dabei, meist sogar neben oder unter dem Tisch, und der Kleine reagierte mit herzzerreissendem Kreischen und klettete sich an seine Mutter.
Ich wurde zunehmend gereizter, da ich, selber Hundebesitzerin, nicht verstand warum meine Mutter einfach nicht begreifen konnte oder wollte, dass die Hunde nicht unbedingt zum Essen beim Tisch sein sollten, ganz besonders dann wenn sich ein Kind so vor ihnen fürchtet.

Kindergeschrei und Klosterbesuch
Tagsüber versuchten wir dem Hundeproblem ein bisschen aus dem Weg zu gehen, in dem wir etwas unternahmen, etwas Kindergerechtes.
Aber schon kam das nächste Problem: Im Auto fingen der Kleine und meine Älteste immer mehr miteinander zu streiten an. Entweder Streit, oder sie schaukelten sich gegenseitig immer höher in einen Zustand, der nur noch als „irr“ bezeichnet werden kann.
Es schien, so als würde uns eine grosse dunkle Wolke verfolgen, und immer dann Halt machen, wenn wir uns entschieden, irgendwo mit den Kindern auszusteigen. Ich wollte ein altes Kloster besichtigen, aber es reichte gerade noch um einen verdreckten windigen Strand aufzusuchen. Ich bin eben nicht so kindergerecht eingestellt, und wäre ich alleine mit den Mädels unterwegs gewesen wären wir auch zu diesem Kloster gefahren. Ich bin einfach nicht der Meinung, dass ich schlotternd an einem Strand sitzen muss, den Kindern zuliebe. Manchmal, aber nicht jeden Tag.
Jedenfalls, nach einem bescheidenen Imbiss im „Cafe de Mallorca“ ( das einzige armselige „Ding“, das offen war), einem missglückten Strandbesuch und viel Geschrei, entschieden wir uns wieder ins Auto zu steigen und nach Hause zu fahren. Alle Kinder waren übermüdet, aber niemand wollte schlafen, das heisst, bis etwa fünf Minuten bevor wir ankamen.

Ich bin ja sooo erholt!
Ich fühlte mich jeden Tag ein wenig müder und fader, den mir wurde klar, dass die verbleibende Zeit nicht im geringsten mir gehören würde sondern nur noch den Kindern. Ich will Ferien mit den Kindern, aber nicht nur als deren Aufpasserin, sondern als Gleichberechtigte. Einmal Strand und Glacé da, einmal Klosterbesichtigung dort. Die Kinder profitieren schliesslich auch von Erlebnissen, die nicht im klassischen Sinn „kindergerecht“ sind. Ich weigere mich einfach, mich immer nur nach den Kindern zu richten.

Alles ändert aber nichts daran, dass ich mich jetzt schon auf den nächsten Urlaub mit den Kindern freue….auch zusammen mit meiner Freundin. Was wir aber beide als erstes unseren Männer sagten, als sie uns am Flughafen abholten: Das nächste Mal gehen wir ohne Hunde und ohne meine Mutter sondern mit ihnen in die Ferien. Ich bin schon so oft alleine mit den Kindern verreist, und obwohl ich diese mir zur Verfügung stehende Möglichkeit zu schätzen weiss, ist es verdammt anstrengend.

Notiz an meinen Mann: Ich wünsche dir, mein Liebster, dass auch du einmal in den Genuss kommst, mindestens eine Woche alleine mit den Kindern zu verreisen. Das ganze Gepäck, Kinderwagen und Gepäckwagen irgendwie durch einen unbekannten Flughafen zu lenken. Mit einem Kind auf dem Arm, das nach Scheisse riecht und langsam anfängt durchzunässen während du auf der Suche nach einem WC, geschweige den Wickelraum, bist. Und die Frage, was mache ich mit dem ganzen Gepäck das man ja bekanntlich nicht unbeaufsichtigt stehen lassen soll…… und das zweite Kind, wo verdammt noch mal ist das zweite Kind!?!?


Also meine Lieben, ich wünsche euch schöne Ferien,….und das ihr euch auch ja schön brav erholt.

Bag sweet bag...


Wundert ihr euch über diesen Titel? Die, die mich kennen wohl kaum. Meine Handtasche ist mein Zuhause. Man könnte mir jetzt vorwerfen, dass ich viel umziehe. Stimmt. Aber lasst mir doch die Abwechslung, schliesslich bin ich meinen Mann seit 11 Jahren treu!




Handtaschen waren schon immer meine kleine Affäre. Frust, Freude, ein neues Kind, ein verlorener Job, sogar eine neue Handtasche: Alles wird mit einer neuen Handtasche gefeiert. Wo sich andere betrinken (zugegeben, das eine schliesst das andere nicht aus) oder gar fremd gehen (ich weiss, auch der One-Night-Stand übersteht sich mit neuer Handtasche leichter), kaufe ich mir eine neue Tasche. Was ich damit sagen will, ist, dass ich mein relativ stabiles Leben eben ab und zu mit einer neuen Handtasche aufpeppe. Freundinnen von mir haben einen Schuhfetisch, bei mir sind's eben Clutche's, Hobo's, Shopper's oder Tote's.

Und da ich mir die teuren Designer-Dinger genausowenig wie ihr leisten kann, weiche ich aus auf günstigere Varianten oder Imitationen. Hier ein paar Tipps dazu:

Auf net-a-porter.com checkt ihr erst einmal die Frühlings-Trends aus.

Und dann versucht ihr, die Imitationen oder ähnlich aussehende, gebrauchte, aber viiiiiel günstigeren Taschen hier zu ergattern:

ricardo.ch oder ebay.ch: Oft günstig, meist gebraucht, aber nicht immer. Hier findet ihr alles vom scheusslichen Esprit-Stoff-Lumpen aus den Achtzigern bis hin zur top-aktuellen Designertasche, die leider auch hier horrend teuer werden kann. Generell empfiehlt sich, keine allzu teuren Sachen per Auktion zu kaufen, da Vorauskasse verlangt wird. Oder man holt die Ware direkt beim Verkäufer ab.

secondbag.ch verkauft, na was wohl? Secondhand Handtaschen zu vernünftigen Preisen. Kein Online-Shop, reinschauen lohnt sich aber: Freyastrasse 21, 8004 Zürich.

secondhandbag.ch klingt ähnlich, sind aber in Obermeilen am Zürichsee. Gleiches Prinzip wie das Zürcher Pendant: Seestrasse 901, 8706 Obermeilen. Haben auch einen Rossi-Second-Season-Store, den ihr jedoch möglichst vermeiden solltet. Rossi-Taschen sind total out!

klangundkleid.ch bietet orignelle Taschen von Marken, von denen auch ich noch nie was gehört habe. Lasst euch davon aber nicht entmutigen, ein Besuch im Online-Shop lohnt sich! Medusa hat dort beispielsweise den alten Mädchenschulthek aufleben lassen. Für die glücklichen Mädchen-Mütter unter euch! Mein Sohn wünscht sich nämlich ein Spiderman-Chindsgi-Täschli...

Bei hochrot.ch findet ihr kleine, feine Taschen für den Nachmittag ohne Kids. Da passt nämlich nicht viel rein, sind aber extrem süss.

Das wär's erst einmal. Mir fallen bestimmt noch weitere Shops ein und eure Tipps sind wie immer auch gefragt. Also macht schon mal Platz für eure neuen Liebhaber! Ich räum jetzt erstmal den Schrank meines Mannes aus, meiner ist schon besetzt...






Frühlings-Action für Kids

Den ganzen Winter über haben wir uns auf den Frühling gefreut. Endlich wiedermal was mit den Kindern unternehmen. Abgesehen von den üblichen Jucker Farmart und Duttipark, hier ein paar Vorschläge für kurzweilige Kindernachtmittage.





Gespensterzeit auf Schloss Kyburg
, 21. März bis 4. Mai 2008. Diesen Gespensterrundgang erkundet man auf eigene Faust. Das kleine Gespenst und das Kyburger Schlossgespenst lassen es gruseln für Kinder ab 4 Jahren. Vom 26. März bis 3. Mai 2008 findet Mittwoch- und Samstagnachmittags ausserdem ein Figurentheater mit anschliessendem Rundgang statt.

Das Kinderzelt bietet 2008 in der ganzen Schweiz ein Kinderprogramm der Extraklasse. Das Musical "s'Dschungelbuech", Kinderkonzerte "Leierchischte" und Ueli Schmelzer lassen es krachen.

Obwohl wir uns geschworen hatten, nicht nur in kinderfreundliche Restaurants zu speisen, bloss weil wir jetzt eine Familie sind: Die Märlipinte zelebriert verträumte Gastronomie. Es ist ein einzigartiges Erlebnisrestaurant für Gross und Klein zum Schlemmen und Träumen. Das darf ja auch mal sein.

Im Abenteuerland Walter Zoo in Gossau SG leben über 130 Tier-Arten in artgerechten Freigehegen und grosszügigen Anlagen. Ein Tag reicht kaum, um alles zu entdecken: Streichelzoo, Kamel- und Ponyreiten, Verkehrsgarten, Urwald-Tropenhaus, Gartenrestaurant, die grösste und modernste Schimpansenanlage der Schweiz etc.. Ausserdem bietet der nicht alltägliche Zoo zahlreiche Events und Attraktionen - z.B. Nachtschwärmer-Programm oder ein mehrstündiges Kameltrekking...

Der ZVV und Pro Juventute bieten Kindern von 6 bis 16 Jahren mit dem Ferienpass für CHF 20.00 kostenlose ÖV, unbeschränkte Besuche in den Zürcher Zoo, ins Technorama Winterthur, ins Sauriermuseum Aathal und in die Winterthurer Trendsportanlage Block.

Schreibt uns eure Frühlings-Tipps in die Kommentare oder schickt sie uns auf comments@rabenmutter.ch. Danke!




Donnerstag, 6. März 2008

Feindbild Buben: Puppen und Pistolen

Überall lese ich, Buben werden benachteiligt und gelten als Störfaktor. Jetzt geht mein Kleiner noch nicht mal in den Kindergarten, weshalb ich noch nichts derartiges erlebt habe. Aber nach dem Artikel von Milena Moser bin ich auf alles gefasst. Elternabende speziell für Bubenmütter? Die Schriftstellerin und zweifache Mutter fordert in der aktuellen Weltwoche Gleichberechtigung für Buben.


Bild: astridlindgren.de

Vätertreff in einem Zürcher Gemeinschaftszentrum — es könnte allerdings irgendwo in der Schweiz sein: Mark und Markus trinken doppelte Espressi, klönen. Ihre Blicke schweifen routiniert über die spielende Kinderschar. Plötzlich springt Mark auf. «Ist das etwa...?» Er läuft in die Gruppe, die sich hinter ein Sofa verzogen hat. Tatsächlich: Eines der Mädchen hat eine Puppe mitgebracht. Und zwar nicht irgendeine, sondern die schlimmste aller Puppen: die Barbie. Und noch nicht mal die mit dem politisch korrekten Bauchumfang!

«Ja, kennt ihr denn die Regeln immer noch nicht?» Mark setzt seinen «Papa ist nicht wütend, Papa ist enttäuscht»-Blick auf. Die Wände des Gemeinschaftzentrums sind schliesslich mit Klebern tapeziert, auf denen ein Puppenkopf schräg durchgestrichen ist. Welcher der Väter hat die Regeln gebrochen? Vielleicht einer der Ausländer, die die kulturelle Bedeutung geschlechtsspezifischer Spielsachen nicht verstehen? Markus tritt hinzu, schüttelt den Kopf.

«Ihr wisst, was jetzt kommt?»

Die Mädchen nicken ergeben. Sie müssen zum Sensibilisierungstraining antreten. Wieder einmal. Wer dreimal mit einer Puppe erwischt wird, kriegt ausserdem Hausverbot.

«Aber meine Mama hat sie mir gegeben!», verteidigt sich die Schuldige.

Die Männer wechseln einen Blick. Typisch! Bestimmt eine Geschiedene. Sieht die Tochter nur einmal im Monat, erfüllt ihr jeden Wunsch. Und das soll ein Rollenvorbild sein?

Die grösseren Kinder kommen aus dem Kletterkurs. Markus’ Tochter Sam hat die Unterlippe schmollend vorgeschoben. «Sie ist so ein Mädchen!», seufzt der Vater.

Der Trainer winkt ihn zu sich. «Wir müssen über Sam reden. Sie hat Mühe, die meiteligen Verhaltensweisen abzulegen. Ist ihre Mutter eigentlich...?»

«Wir teilen uns die Erziehungsarbeit», behauptet Markus trotzig, obwohl das nur theoretisch stimmt. «Meine Frau ist mit ihren männlichen Anteilen total im Reinen. Echt, ich weiss nicht, wo Sam das herhat, sie spielt sonst nur mit Buben!»

Markus erzählt nicht, dass er seine Tochter kürzlich dabei erwischt hat, wie sie MatchboxAutos in bunte Taschentücher wickelte und zur Teeparty versammelte.

Bald würde sie in die Schule kommen. Schon beim Einführungsabend war auf die Mädchenproblematik hingewiesen und klargestellt worden, dass typisch mädchenhaftes Verhalten im Klassenzimmer nicht toleriert würde. Man könne schliesslich nicht zulassen, dass der Unterricht durch ewigen Zickenalarm aufgehalten werde.

Aber Sam will gar nicht zur Schule gehen. «Schon wieder ein Mann», hat sie gesagt. «In der Krippe, im Kindsgi, im Hort, im Klettern: überall nur Männer!»

«Sorry, Kumpel.» Mark klopft Markus gönnerhaft auf die Schulter. Innerlich gratuliert er sich dazu, dass er zwei Buben hat. Mit Buben kann man nichts falsch machen. Buben können nichts falsch machen.

Klingt absurd? Dann drehen Sie die Geschichte doch einfach um. Machen Sie aus Vätern Mütter, aus Mädchen Buben, aus Puppen Plastikpistolen, aus männlichen Bezugspersonen weibliche.

Na?

Eben.

Mein erstes Kind sollte Lola heissen, nach einem Song, den ich damals ständig hörte. L-O-L-A-Lola! Allerdings konnte ich nicht genug Englisch, um den Text zu verstehen: Girls will be boys and boys will be girls, heisst es da nämlich, und Lola stellt sich am Ende als Junge heraus, ebenso wie mein Baby. Und das war mir auch recht. Was ist der Unterschied, dachte ich. Hauptsache, gesund, dachte ich.

Ha!

In der Schule wurde es noch schlimmer

Ich war jung, ich hatte keine Ahnung. Auf die Bubenfeindlichkeit, die in unserem Wohnquartier voller Mädchen und militanter Mädchenmütter herrschte, war ich nicht gefasst. Ja, ich wusste nicht einmal, dass sich Mütter in solcherlei Lager spalteten.

Mein älterer Sohn, der rückblickend eigentlich ganz «normal» war, sogar lackierte Fingernägel und rosa Strickpullover mochte, war ständig in trouble – einfach weil er ein Junge war. «Er macht ‹Bum!› Das macht den Mädchen Angst! Er hat zwei Ölkreiden zur Pistole zusammengeklemmt! Die Mädchen haben geweint!»

In der Schule wurde es nur noch schlimmer: «Die Buben stören», hiess es. «Sie sind laut. Sie raufen auf dem Pausenplatz. Die Mädchen haben geweint! Was ist eigentlich zu Hause los?»

Der heute Zwanzigjährige findet es immer noch «unfair»: «Die Mädchen waren einfach nie schuld. Auch wenn sie angefangen hatten. Und die konnten also echt brutal sein, die Mädchen!» Im letzten Satz schwingt ein beinah bewundernder Unterton mit.

Ich nicke. Ich weiss. Ich war selber mal eines.

«Mädchen?[...] haben ein tieferes und genaueres Verständnis von sozialer Intrige als Grundlage der Macht als jeder Politiker oder Diplomat», sagt Rosalind Wiseman, die die selbstgemachten sozialen Strukturen der Mädchen studiert hat – auf ihrer Arbeit beruht der Film «Mean Girls». Dagegen nehmen sich die «Friedenskämpfli» der Buben doch recht harmlos aus. Doch das scheint hierzulande noch kein Thema zu sein. Jedenfalls habe ich noch nie von einem Elternabend speziell für Mädchenmütter gehört.

Regelmässig wurden hingegen die Bubenmütter aufgeboten (Bubenväter? Waren offenbar nicht vorgesehen). Da wurde dann bubenspezifisches Verhalten diskutiert und wie damit umzugehen beziehungsweise wie es abzutrainieren wäre. Ein Ansinnen, an das mich Jahre später ein militanter Yogi erinnerte, der seine Katze zur Vegetarierin erziehen wollte. Jedenfalls war klar, dass diese Aufgabe unsere war. Die der Mütter. Denen das «Bubige» unserer Buben oft selber herzlich fremd war. Erschöpft sassen wir nach so einer Veranstaltung in der Kneipe, und nach einem Glas Wein regte sich manchmal auch so etwas wie Widerstand. Jede von uns hatte Anekdoten zu erzählen, in denen Mädchen recht bekommen hatten, einfach weil sie Mädchen waren.

«Die Mädchen können nie etwas dafür.»

«Das ist doch nicht wirklich Feminismus!», sprach eine schliesslich aus, was wir alle dachten.

Tatsächlich liesse sich wohl ein grosser Teil dieser grundsätzlichen Ungeduld Buben gegenüber unter «falsch verstandenem Feminismus» ablegen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Selbstverständlich bin ich Feministin. Ehrensache, wie Pipilotti Rist sagen würde. Doch der Grundsatz «Als Frau bin ich definitionsgemäss ein Opfer» ist kein feministischer. Mädchen kleiner, schwächer, dümmer zu machen, als sie sind, ist definitiv keine feministische Haltung. An kleinen Buben auszulassen, was man den ausgewachsenen Exemplaren übelnimmt, aber nicht zu sagen wagt: auch nicht.

Was natürlich nicht heisst, dass die Mütter schuld sind an dem Geschlechterkrieg im Sandkasten und auf dem Pausenplatz. Natürlich nicht. Mütter sind nicht schuld, sie sind nur oft – zu oft – allein. Nicht offiziell, nicht auf dem Papier, sondern im Alltag. Allein.

Denn solange es zwei Geschlechter gibt, müssen auch beide vorkommen. In der Erziehung, in der Betreuung, als Identifikationsfiguren, als Vorbilder.

Meine Kinder, zum Beispiel, haben Väter. Wunderbare, präsente, sowohl fürsorgliche wie auch beruflich engagierte Männer, die das «Bubige» ganz normal finden. Weil sie selber einmal Buben waren. Weil sie wissen, dass eine aus Toastbrot zurechtgebissene Pistole noch keinen zukünftigen Terroristen macht. Väter, mit denen ich nicht unbedingt immer zusammenlebe. Das hindert sie nicht daran, da zu sein. Und da einzuspringen und zu übernehmen, wo ich als Ex-Mädchen nicht mehr mitkomme.

Dass meinem jüngeren Sohn diese ganze Problematik weitgehend erspart blieb, liegt nicht etwa daran, dass sich die Zeiten geändert hätten, sondern daran, dass er den grössten Teil seiner Kindheit in San Francisco verbracht hat. Einer Stadt, in der die Grenzen zwischen den Geschlechtern gelinde gesagt verwischt sind. In der die Rollenverteilung höchst spielerisch angegangen wird – wie es sich für Rollen eigentlich ja auch gehört.

Meine Söhne erlebten Mädchen und Buben, Männer und Frauen in allen denkbaren Rollen und Lebensentwürfen. Sie nahmen das ganz selbstverständlich hin. Weil es selbstverständlich war. Und eigentlich überall selbstverständlich sein sollte.

Girls will be boys and boys will be girls?... Anders gesagt: Mächen sind super. Buben sind super. Und alles, was dazwischenliegt, auch. Was ist daran so schwer zu verstehen?

«Tja», sagt Mark zu Markus. «Dann träum mal weiter?...»

Dienstag, 4. März 2008

Sind Krippenkinder schlauer?

Die Bildungschancen von Kindern steigen deutlich, wenn sie in eine Krippe gehen. Gerade benachteiligte Familien profitieren, zeigt eine neue Studie. Die klare Botschaft: Schluss mit den "Rabenmütter"-Schmähungen, gute Kinderbetreuung lohnt sich - auch für den Staat.

Von Katrin Schmiedekampf für Spiegel Online

"Was? Dein Kind ist nicht mal zwei Jahre alt und geht schon in die Krippe?" Diesen Satz muss die Osnabrücker Studentin Yasmin* sich immer wieder anhören. Viele ihrer Freunde und Bekannten können einfach nicht verstehen, dass die 23-Jährige ihren kleinen Sohn schon so früh in fremde Hände gibt - nur weil sie studieren will. Und schon gilt Yasmin als Rabenmutter: Es schade doch dem Kind, für mehrere Stunden am Tag von seiner Mama getrennt sein.

Wirklich? Eine neue Untersuchung zeigt: Es schadet nicht, es nützt. Denn Kinder, die eine Krippe besuchen, haben später deutlich höhere Bildungschancen. Das ergab eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Schweizer Forscher untersuchten die Bildungskarrieren von über tausend Kindern, die zwischen 1990 und 1995 in Deutschland geboren wurden. Sie waren alle zwischen wenigen Monaten und drei Jahren alt. In diesen Jahrgängen besuchten lediglich 16 Prozent der Kinder Krippen, die meisten erst ab dem Alter von zwei Jahren.

"Es kommt natürlich immer sehr auf das Kind an. Aber grundsätzlich ist es für einen Zweijährigen gut, mehrmals in der Woche in eine Krippe zu gehen, wenn die Betreuer erfahren sind und nicht überlastet", sagte Tobias Fritschi SPIEGEL ONLINE. Er ist überzeugt: Durch das Spiel mit Gleichaltrigen lernen Kinder viel. Fritschi hat zusammen mit seinem Kollegen Tom Oetsch vom Schweizer Büro für Arbeits- und sozialpolitische Studien die Studie "Volkswirtschaftlicher Nutzen von frühkindlicher Bildung in Deutschland" geschrieben.

Der Bildungsstand wird "weitervererbt"

Die Ergebnisse: Die Erziehung von Kleinkindern hat einen hohen Einfluss auf den späteren Bildungsweg. Es zeigte sich, dass gut die Hälfte der Krippenkinder den Sprung aufs Gymnasium schafft, von den Nicht-Krippenkindern gelang das nur etwas mehr als einem Drittel.

Vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien profitieren demnach von einer Krippenerziehung. So liegen bei in Deutschland geborenen Migrantenkindern der sogenannten "zweiten Generation" die Chancen auf einen Platz auf dem Gymnasium ohne Krippenbesuch bei etwa 17 Prozent, mit Krippenbesuch bei knapp 27 Prozent - eine beachtliche Kluft. Noch deutlicher ist der Unterschied bei Kindern, deren Eltern auf der Hauptschule waren: Der Krippenbesuch erhöhte die Wahrscheinlichkeit, den Sprung aufs Gymnasium zu schaffen, von 11 auf 20 Prozent.

Positive Effekte zeigten sich allerdings in allen Gruppen. So haben die Eltern der meisten Kinder, die aufs Gymnasium kommen, früher ebenfalls das Gymnasium besucht. Klare Sache: Die Bildung der Eltern hat den größten Einfluss auf die Schulkarriere. Der Bildungsstand werde "vererbt", sagen die Schweizer Forscher, und das zeigen auch andere Studien. Aber auch hier spielt der Krippenbesuch offenbar eine Rolle - um immerhin ein Viertel (von 61 auf 76 Prozent) stieg die Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder den höheren Bildungsweg einschlagen.

Die Bereitschaft, ein Kind betreuen zu lassen, ist bei bildungsfernen Familien schwächer. Von den tausend untersuchten Kindern stammte nur jedes 20. aus einem Elternhaus, in dem beide Eltern einen Haupt- oder überhaupt keinen Schulabschluss haben. Tobias Fritschi: "Es kann viele Gründe dafür geben, dass sie ihre Kinder nicht in die Krippe schicken. Vielleicht fehlt das Geld, vielleicht liegt es aber auch an der höheren Arbeitslosigkeit - die Eltern kümmern sich um ihre Kinder, weil sie selbst zuhause viel Zeit verbringen."

Rabenmütterdebatten als Glaubenskrieg

Fritschi kündigte an, dass "wir werden noch eine weitere Studie machen werden, in der wir herausfinden wollen, wie viel Zeit die Kinder jeweils in einer Krippe verbringen - und welchen Effekt Kindergartenbesuche auf die spätere Schullaufbahn haben".

Die Untersuchung fügt sich ein in eine intensive gesellschaftliche Debatte über die richtige Betreuung von Kindern und Ursula von der Leyens Krippenausbau, über "Herdprämien", "Wickelvolontäre" und die "Verstaatlichung" von Kindern, über die angebliche Degradierung von Frauen zu "Gebärmaschinen" durch Krippenerziehung (so der katholische Bischof Walter Mixa) und über Eva Hermans ewiges Lob der Hausfrau und Mutter.

Die "Rabenmutterdiskussionen" hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem veritablen Glaubenskrieg entwickelt (mehr...). Die Erkenntnisse der Wissenschaft sind eindeutig: Zwerge werden keineswegs zu Seelenkrüppeln, wenn Fremde sie betreuen.

So sieht es auch Bertelsmann-Vorstand Johannes Meier, der den von der Bundesregierung geplanten weiteren Ausbau der Krippenplätze begrüßte: "Der gezielte Ausbau frühkindlicher Bildung erhöht die Chancengleichheit und ermöglicht mehr Teilhabe bildungsferner Schichten", sagte er.

Viele Milliarden Euro perdu

Die Errechnung volkswirtschaftlicher Effekte zählt zu den Bertelsmannschen Spezialdisziplinen. Und so betont die Stiftung auch die Auswirkungen eines Krippenbesuchs auf die Wirtschaft: Das spätere Lebenseinkommen eines Gymnasiasten liege deutlich über dem eines schlechter Ausgebildeten, heißt es in der Veröffentlichung.

Steige durch den Krippenausbau die Zahl der Gymnasiasten, entstehe ein volkswirtschaftlicher Nutzen von fast 22.000 Euro pro Krippenkind. Die Kosten eines Krippenplatzes in Höhe von durchschnittlich etwa 8000 Euro, die überwiegend der Staat trage, würden dadurch leicht ausgeglichen.

Laut Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung hätte es zudem einen volkswirtschaftlichen Nutzen von 2,1 Milliarden Euro je Geburtsjahrgang bedeutet, wenn 35 Prozent der Kinder eines Jahrgangs eine Krippe besucht hätten. Für die sechs untersuchten Jahrgänge entgehe der deutschen Volkswirtschaft damit von 2009 an ein Nettonutzen von insgesamt 12,6 Milliarden Euro. Ganz ähnliche Schlussfolgerungen legen auch US-Studien nahe: Teure Programme für postpubertäre Bildungsnieten sind rausgeschmissenes Geld, das besser in gute Krippenplätze investiert gewesen wäre. Denn langfristig verdient auch der Staat daran.

Mit Material von AP und dpa

* Name von der Redaktion geändert
http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,539032,00.html

Der Hausmann in ihm...


Wollte mal nachfragen: Wieviel und was machen eure Männer eigentlich im Haushalt? Alles redet von den neuen Vätern, Männern die Teilzeit arbeiten und überhaupt, alles wird anders. In meinem Umfeld macht das aber keiner. Nicht aus Überzeugung zumindest.

Ich durfte letzte Woche den Bänz Friedli interviewen. Ihr wisst ja, wer das ist oder? Die berühmteste männliche Hausfrau der Schweiz. Er ist wirklich überzeugt von dem, was er tut. Sprich: zu Hause sein, seine Kinder erziehen und seine Frau den Grossteil der Brötchen zu verdienen. Weichei? Überhaupt nicht! Er kommt ziemlich cool daher, weder Birkenstöckig noch rot bebrillt oder gar Tragetuch-Look (o.k. seine Kinder wären auch etwas gross dafür...).

Ich war dann auch fast etwas beschämt, als er mir erzählt, wie er für seine Kinder Bio kocht (für ihn war eben nicht Alltag, dass er sich beeilen musste, um noch schnell ein paar Fischstäbli in die Pfanne zu hauen) und den Telefonalarm seiner Tochter laminiert. Macht ihr euch ein Bild? Eben!

Nichts zu meckern
Natürlich kommt da früher oder später die Frage: wie sieht es denn bei uns aus? Also bei uns zu Hause ganz o.k. Mein Grosser (im Gegensatz zu meinem Kleinen) übernimmt ungefragt haushaltliche Pflichten, räumt den Geschirrspühler aus, nimmt mal den Besen zur Hand oder trägt die Wäsche runter. Nichts zu meckern soweit. Ausser wenn ich zum x-ten Mal den Geschirrspühler wieder umräumen muss, weil Mr. Big (das ist doch ein schöner Kosename für meinen Grossen) ihn so einräumt, dass gerade mal zwei Teller und drei Tassen Platz finden.

In meinem Umfeld jedoch beobachte ich beängstigende Geschichten. Was passiert beispielweise, wenn sie mal ein paar Tage weg ist? Richtig, Gaaaar nichts! Die Bude ist ein Chaos, der Abfalleimer quillt über und die Kinder waren die meiste Zeit beim Grosi. Oder nicht?

Da weigert sich ein Freund von mir schlicht, im Haushalt überhaupt was zu übernehmen. Echt! Und zwar sagt er, er habe schliesslich den ganzen Tag gearbeitet. (Und seine Frauhat sich nur am Fudi gekratzt oder wie?). Er gibt sich gerade mal noch ein paar Minuten mit seinem Sohn ab, danach ist aber Sendepause und er will in Ruhe gelassen werden.

SMS versus Putzfrau
Nicht, dass ihr jetzt denkt, ich meckere nur über andere. Auch bei uns gab es schon Krisen deswegen. Aber irgendwie hat sich das so eingependelt, dass keiner sich benachteiligt fühlt. Lustig wird es für mich jedoch vor allem dann, wenn ich weg bin. Sagen wir, im Urlaub mit einer Freundin. Wir haben natürlich die Kinder dabei, denn die Papis müssen ja arbeiten. Und weil Mr. Big eben unaufgefordert die Hütte putzt, während ich weg bin, kriege ich doch tatsächlich eine SMS "habe gerade das Badezimmer geputzt"... Was kann ich dazu sagen? Die gesamte Wohnung kosteteten ihn CHF 2.40 an SMS-Gebühren. Billiger als eine Putzfrau oder?

Wie gesagt: Nichts zu meckern!

Sonntag, 2. März 2008

TV macht doof!

Kennt ihr Miss Universum? Michele Rothens Kolumne im Magazin hat mich einmal mehr dazu veranlasst, über unser Leben nachzudenken. Genauer gesagt, unser Fernsehverhalten. Nun ist es ja so, dass zwischen unseren Vorsätzen in Sachen TV-Konsum unserer Kinder und ihrer tatsächlichen KIKA-Sucht Welten liegen.

Natürlich sagten wir alle "Vor 5 brauchen meine Kinder keinen verblödenden Sponge-Bob!" oder "Ich werde nur pädagogisch wertvolles Fernseh-Material an meinen Sohn lassen. Sandmännli ist o.k. Teletubbies kommen mir nicht ins Haus." Oder ähnliches Gelaber, an das wir uns schon nicht mehr gehalten haben, als wir entdeckten, dass Teletubbies schon für Einjährige produziert werden und wir uns nach 12 Monaten auch Wochentags wiedermal eine lange, heisse Dusche genehmigen wollten. Denn genau das war der Moment, als ich DVDs zum ersten Mal als Geheimwaffe einsetzte.

Pingu versus Schulfernsehen
Und wenn mir heute jemand kommt und sagt, sie hätten halt keinen Fernseher, dann geht es mir ähnlich wie Michele Rothen. Solche Aussagen haben nämlich ganz andere Hintergründe. Im Klartext heisst das nämlich: "Während du «Ich bin ein Star – holt mich hier raus» oder sonst irgendeinen Blödsinn guckst, beschäftige ich mich eben mit dem byzantinischen Bilderstreit. Beziehungsweise: Ich bin eben nicht so ein Prolet wie du. Beziehungsweise: Ich bin eben viel gebildeter als du. Beziehungsweise: Du bist doof, und ich bin voll schlau. " Miss Universum hat sowas von Recht!

Und in unserer Welt heisst es eben auch: "Du wirst es noch bereuen, dass dein Kind so früh in die Glotze schauen durfte." Oder: "Kein Wunder ist er manchmal verhaltensauffällig. Bei seinem TV-Konsum!" Oder auch: "Tja, Pingu ist eben doch kein Schulfernsehen."

TV als Babysitter
Ja, ich gebe es zu. Der Fernseher dient mir (und einigen meiner Mütter-Freundinnen, die sich wiedererkennen werden) manchmal als Babysitter. Beispielweise, wenn wir krank sind. Oder die Kinder. Aber auch, wenn wir Sonntag morgens in Ruhe Zeitung lesen wollen. Oder eine Zigarette rauchen. Aber auch, wenn uns die Kinder einfach auf den Keks gehen, weil sie nur noch streiten und wir gerne eine Diskussion zu Ende führen würden. Ach ja, und das Abendessen unter Erwachsenen hätte ich noch fast vergessen.

So, das hätte jetzt auch in den Beichtstuhl gehört, nicht? Und nun fordere ich die Mütter auf, die keine der oben genannten Sünden schon mal begangen haben, hier ihre empörte Meinung abzugeben. Aber die lesen diesen Blog wahrscheinlich gar nicht erst, oder?

Allen anderen, denen es so geht wie uns: wofür setzt ihr den TV ein? Vielleicht habe ich ja noch was übersehen!

Jörg Schneider sei dank!
Wenn ihr jedoch das Gefühl habt, eure Sprösslinge schauen tatsächlich zu viel Fernsehen: Seit mein Kleiner den Kasperli (oder schreibt man den jetzt mit Ch?) entdeckt hat, ist die Glotze nur noch halb so spannend. Und er spielt erst noch Lego beim zuhören! Und ich kann trotzdem in Ruhe Zeitung lesen...






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