Mittwoch, 28. Mai 2008

Freuen wir uns?

Geht euch das "EM-Vorgeplänkel" auch so auf den Geist? Uns auch! Und Bänz Friedli erst!

Mir wäre an dieser Stelle auch am liebsten eine fussballfreie Kolumne – da geht es mir wie Ihnen: Man hat das Vorgeplänkel satt, sieht rot vor lauter Rot-Weiss, findet die Fähnchen auf den Vierradantriebkarossen läppisch und all die Produkte überflüssig. Meinen die wirklich, wir Hausfrauen kauften all die Pappteller mit Köbis Konterfei und die Pfannenblätze mit Schweizer Kreuz? Der Kommerz kann mir gestohlen bleiben. Also, ich trink grad extra ein anderes Bier als das offizielle, mir muss die Uefa nichts vorschreiben! Es genügt schon, dass wir Steuerzahler die Stadien bezahlt haben – und die Uefa schöpft nun 1,1 Milliarden Franken Gewinn ab. Unverschämt.

Aber ich muss aufpassen. Trinke ich mein unstatthaftes Nichtsponsorenbier bei uns im Garten, werde ich womöglich sur place verhaftet, so nah wohnen wir am Letzigrund. In Stadionnähe wird jedes falsche Logo geahndet. Herrgott, ja: Wir haben die EM vor der Haustür. Und was habe ich davon? Ein Ticket vielleicht, damit ich meine geliebten Azzurri live anfeuern könnte? Vergiss es! Die hat alle der Herr Ledergerber gekriegt, die Tickets. Der Rest wird unter den Sponsorenbiertrinkern verlost. Und was hat Zürich davon? Ein Verkehrspuff, Abfall, Kampfjets über den Dächern, falsch parkierte Rumänen. Mir muss doch keiner mit «nachhaltigem Fremdenverkehr» kommen! Bin ja selber an die letzten Endrunden fremdverkehrt: In Coimbra, Portugal, hab ich einen einzigen Becher getrunken (vom Sponsor), in Stuttgart ein Sandwich gekauft, drei öffentliche Toiletten benutzt, und weg. Nicht besonders nachhaltig. Und jetzt, da der Anlass hier stattfindet, bin ich verdrossen, ehe er beginnt. Wenns nach mir geht, ist diese EM ein Ärgernis.

Aber zum Glück gehts ja nicht nach mir. Sondern nach Hans und Anna Luna. Und deren ungetrübte Vorfreude färbt ab. Ich wollte grad über die Panini-Geldmacherei motzen, schon hatten sie mich mit ihrem Sammelfieber angesteckt. Dann ihr Freudentanz, als unser YB-Häberli nachnominiert wurde! Hans möchte, wenn wir das nächste Mal ein Mobility-Auto mieten, ein Fähnchen ans Dach stecken. An seiner Schule sind Tschuttishirts nicht wie andernorts verboten, nein, die haben gar eigens ein herziges EM-Lied eingeübt: «La Ola». Sogar die doofen Maskottchen finden unsere Kinder süss. Und was macht der Vati? Geht hin und kauft Trix für Hansli und Flix für Anna Luna. Dank der Kinder ist mein EM-Verdruss wie weggeblasen.

Doch dann dies: Als Anna Luna und ich am Dienstag allein zu Mittag essen – Hansli besichtigte mit Grossätti den Basler Rheinhafen – und ich sie mit einem Kinder-Überraschungsei überrasche, entfährt ihr ein entsetztes: «Muss es jetzt auch hier drauf noch ein EM-Logo haben?!»

Text: Bänz Friedli für das Migros Magazin

Dienstag, 27. Mai 2008

Schlagfertige Antworten auf nervige Fragen

Kennen Sie das auch? Kaum hat man ein Baby gekriegt, scheinen alle um Sie herum anzunehmen, dass sie Ihnen die persönlichsten Fragen stellen dürfen. Ob die nette Fremde im Bus, die eigene Mutter oder die Spielplatz-Freundin, mit der Sie über verschiedene Feuchttücher-Marken diskutieren: Es gibt Fragen, auf die Sie einfach keine Antwort geben möchten. Aus Angst, unhöflich zu sein. Und weil Sie den Unterton, der darin mitschwingt, deutlich heraushören. Dehalb liefern wir hiermit allen Eltern von Babys und Kleinkindern die perfekte Konversations-Waffe!

Von Steffi Hidber

In dieser Auswahl der gängigsten (und nervigsten!) Kommentare und Fragen finden Sie nicht nur die entschlüsselte Botschaft, die dahintersteckt – sondern auch gleich noch eine tolle Antwort, mit der Sie jedes weitere Gespräch garantiert im Keim ersticken. Damit Sie erleichtert davonziehen können.

Für frischgebackene Eltern

«Jesses...das Baby ist ja noch ganz frisch!»
Bedeutet eigentlich:«Sind Sie eigentlich wahnsinnig,mit einem Neugeborenen schon auf die Strasse zu gehen?»
Mögliche Antwort: «Ja, ich wollte möglichst schnell die Verkehrsregeln mit ihm üben. Autsch,mein Dammschnitt ziept total!»

«Was für ein herziger Bub!»(bei einem Mädchen)
Bedeutet eigentlich:«Warum ziehen Sie einem Jungen eine rosa Jacke an?»
Mögliche Antwort: «Ja, wir fanden auch, dass der Name Larissa Alexandra besonders gut zu ihm passt!»

«Was für es herzigs Meitli!»(bei einem Jungen)
Bedeutet eigentlich: «Das Finöggeli wird bestimmt mal schwul!»
Mögliche Antwort:«Danke! Wir sind derart in ihn verliebt,dass er sogar mal Travestiekünstler werden könnte, und wir würden ihn unterstützen! Wie sahen das Ihre Eltern,damals?

«Und, stillen Sie?»
Bedeutet eigentlich: «Sie sehen aus wie eine dieser bequemen Flaschen-Mütter»
Mögliche Antwort: «Nein, ich habe mir nur die Brüste vergrössern las-
sen. Gefallen sie Ihnen?»

«Ojemine! Hat das Baby zu warm/zu kalt/Hunger?»(wenn Baby schreit)
Bedeutet eigentlich: «Dieser Lärm! Sie haben ja keine Ahnung,wie man mit einem Baby umgeht!»
Mögliche Antwort: «Nein... ich glaube, es muss nur ein bisschen
kötzeln. Könnten Sies mal kurz halten, währenddem ich mir einen Kaffee hole?»

«Jöö, der/die ist aber ganz schick angezogen!»
Bedeutet eigentlich:«Sie machen aus Ihrem Baby ein Modepüppchen, Sie oberflächliche Gans!»
Mögliche Antwort: «Danke,die Kleider habe ich alle aus dem Secondhand-Laden,der sämtliche Einnahmen den Strassenkindern von São Paulo zukommen lässt. Ach,den Laden kennen Sie offensichtlich auch!»


Für Eltern von Säuglingen

«Lustig, der Kleine hat so wahnsinnig dunkle Augen...»
Bedeutet eigentlich: «...und dein Mann ist Schwede. Ein Kuckuckskind?»
Mögliche Antwort:«Ja, meine Mutter hat braune Augen. Und deinen Socken nach zu urteilen ist dein Vater Aargauer, oder?»

«Schläft es denn schon durch?»
Bedeutet eigentlich: «Du siehst unfair erholt aus! Steht dein Mann immer auf?»
Mögliche Antwort: «Eigentlich schon, aber wir wecken ihn meist alle drei Stunden, weil wir ihn während der Nacht so vermissen!»


«Der hat aber niedliche Speckbeine!»
Bedeutet eigentlich:«Du überfütterst dein Baby ja völlig!»
Mögliche Antwort:«Die schlanken ja dann,wenn er laufen kann. Zwar... (bedeutungsschwangerer Blick nach unten)...auch nicht immer!»

«Was, du gibst ihr schon Broccoli?»
Bedeutet eigentlich: «Liest du keine Baby-Ratgeber? Die ist noch viel zu klein dafür!»
Mögliche Antwort:«Ja.Sie kann die Maiskolben mit ihren kleinen Fingerchen noch nicht so richtig halten.»

«Arbeitest du schon wieder?»
Bedeutet eigentlich: Entweder «Du bist garantiert so eine karriereversessene Rabenmutter» oder «Du bist ein langweiliges Hausmütterchen!»
Mögliche Antwort: «Nein. Meine Agentin meinte,ich solle erst wieder
mit dem Modeln anfangen, wenn ich meine Bikinifigur zurückhabe.

«Also, mein Sohn lief auch erst mit 20 Monaten!»
Bedeutet eigentlich: «Du Arme,mit deinem spätentwickelten Kind! Und mein Sohn liefeigentlich schon mit 13 Monaten.»
Mögliche Antwort: «Eigentlich trage ich ihn bewusst herum.Er muss ja später noch so
viel selber laufen! Nun muss ich noch meine Fünfjährige stillen...hast du sie irgendwo gesehen?»

«Gell, das Leben ändert sich schon extrem mit einem Baby!»
Bedeutet eigentlich:«Du warst früher so viel unterhaltsamer als jetzt!»
Mögliche Antwort: «Ja, schon. Vor allem unser Sexleben. Spektakulär jetzt, der totale Wahnsinn! Wir können nicht genug voneinander kriegen... (nach Möglichkeit verschiedene Sexualpraktiken detailliert beschreiben).

«Jöö! Sind das Zwillinge?»
Bedeutet eigentlich: «Ah, das waren sicher Hormonspritzen!»
Mögliche Antwort:«Nein,wir haben leider nur eines gekriegt. Aber ich fand das kleine Mädchen so herzig, dass ichs auch gleich mit eingepackt habe im Spital. Erzählen Sie es bloss niemandem!»

Für Eltern von Kleinkindern

«Der ist aber ganz schön lebendig!» Bedeutet eigentlich: «Hundertprozentig hyperaktiv!» Mögliche Antwort:«Gell? Ich finde, Kinder sollten sich unbedingt viel bewegen,um späteres Übergewicht zu vermeiden.Deiner Tochter würde vielleicht ein Sportverein guttun, oder?»

«Trägt sie immer noch Windeln?» Bedeutet eigentlich: «Also, mein Kind war schon mit 18 Monaten trocken!» Mögliche Antwort: «Ja.Sie will schon lange aufs WC, aber ich finde die Tierchen auf der Windel so süss!»

«Und...wie reagiert er auf das neue Geschwisterchen?» Bedeutet eigentlich:«Dein verwöhntes Einzelkind macht jetzt aber garantiert Theater!» Mögliche Antwort: «Ach, der kriegt das gar nicht so mit.Wir haben ihm dafür einen eigenen Fernseher mit DVD-Player gekauft.»

«Spricht sie denn schon viel?» Bedeutet eigentlich: «Hundertprozentig zurückgeblieben!» Mögliche Antwort: «Sie spricht nur mit Menschen,die sie mag. Nehmen Sie es also nicht persönlich...»

«Habt ihr euch auch zum Baby-Englisch-Rhythmik-Kurs angemeldet?» Bedeutet eigentlich:«Mein Kind wird eurem Kind den Platz im Gymnasium wegschnappen.» Mögliche Antwort: «Nein, wir sind schon mit Baby-Mandarin, Einführung in die Klassische Musik und Baby-Yoga ausgebucht. Möchtest du auch noch einen Bio-Soja-Riegel?»

«Kinder können einen ganz schön an den Rand bringen, nicht wahr?» Bedeutet eigentlich: «Sie sind ja vollkommen überfordert als Mutter!» Mögliche Antwort:«Schreiende Kinder bringen mich überhaupt nicht an den Rand. Ich habe einen Fingernagel eingerissen, Sie Tubbel! DAS bringt mich TOTAL zum AUSFLIPPEN!»

«Hei, ist der schon gross. Wäre langsam Zeit für ein Zweites, oder?» Bedeutet eigentlich: «Ihr wollt es euch sicher ganz einfach machen mit einem Einzelkind!» Mögliche Antwort: «Um Himmels willen,nein! Ich sehe doch,wie sich andere Mütter mit zwei oder mehr Kindern gehen lassen... Oh, entschuldige (peinliche Pause einfü-
gen)... Ich meinte natürlich nicht dich!

Text: Steffi Hidber (die sonst eigentlich ganz nett ist) für wir eltern.


Sonntag, 25. Mai 2008

Der Unmut der französischen Frauen

Die Diskussion um Kind und weibliche Karriere endet oft mit Vergleichen zum nahen Ausland, in meinem Fall Frankreich, da ich da gewisse Einblicke habe. Umso spannender zu lesen, dass französische Mütter auch nicht wirklich zufrieden mit ihrer Situation sind. Was aber mehr an den Vätern als am Staat liegt.





Von Christian Schubert für faz.net

Anders als weithin angenommen hat Frankreich nicht die perfekte Antwort auf die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefunden. Es mag zwar viele Crèches für Kleinkinder sowie eine hohe Akzeptanz für berufstätige Mütter von Babys geben. Dennoch sind viele Frauen unzufrieden. Aus ihrer Sicht hängt die Haus- und Erziehungsarbeit weiter an ihnen, während Männer Karriere machen dürfen.

Dieses Thema gehe auch die Wirtschaft an, findet die Präsidentin des Arbeitgeberverbandes Medef, Laurence Parisot, die Frankreichs Unternehmen ein modernes Antlitz geben will, indem sie ihren Verband aus der Ecke eines verstaubten Altherrenclubs herausholt. Sie organisiert häufig um eine Kinopremiere herum Debatten unterschiedlichster Gesellschaftsvertreter. „48 Stunden“ heißt diesmal der Film, der das Spannungsfeld aus Lebenszielen und Alltagsrealität einer jungen Familie nachzeichnet. Die anschließende Diskussion unter beruflich erfolgreichen Frauen zeigt, wie viel Unmut sich bei ihnen aufgestaut hat – vor allem über die Männer.

Nach einem Tag mit den Kindern müder als nach dem Büro
Mercedes Erra zum Beispiel, Generaldirektorin des zweitgrößten französischen Werbekonzerns Havas, Vorstandsvorsitzende der PR-Agentur Euro RSCG und Mutter von fünf Jungs. Wenn ihre Mitarbeiterinnen mittwochs frei nähmen, wenn die meisten Kinder in Frankreich keine Schule haben, seien sie am folgenden Tag oft müder, als wenn sie im Büro gearbeitet hätten, berichtet sie, so anstrengend sei die Plackerei zu Hause.

„Die Frauen haben zudem ein weiteres Problem: Sie fühlen sie ständig schuldig, weil sie meinen, sich nicht genügend um Kinder und Haushalt zu kümmern. Das führt zu einem Mangel an Selbstvertrauen.“ Bei ihr dagegen sei das anders gewesen, lässt sie durchblicken: „Neun Monate zu Hause bleiben, nur um mein erstes Baby zu bestaunen“ – das sei nicht in Frage gekommen. Sich das Personal für die häusliche Unterstützung zu leisten, dürfte bei ihrem Gehalt zudem nicht schwierig gewesen sein.

Frauen machen Hausarbeit, Männer treiben ihre Karriere voran
Viele Französinnen gehen nach dem Kinderkriegen bekanntlich schnell wieder in den Beruf zurück. 60 Prozent aller Frauen zwischen 25 und 49 Jahren mit zwei Kindern arbeiten – auf zwei Stellen: Täglich drei Stunden schufteten die Frauen im Schnitt nach ihrer beruflichen Arbeit im trauten Heim, berichtet Werbemanagerin Erra. Die Männer dagegen blieben länger im Büro, arbeiteten an Karrierenetzwerken und gönnten sich eine Freizeitbeschäftigung.

Die in Paris lebende Autorin Tanja Kuchenbecker, die kürzlich das Buch „Gluckenmafia gegen Karrierehühner“ herausbrachte, beurteilt Frankreich aus Sicht einer Deutschen: „Weil in Frankreich die Machos oft noch das Sagen haben, führen die Frauen ein Leben im Stress. Sie müssen Geliebte, Hausfrau, Mutter und Miternährer sein. Daher rennen sie den ganzen Tag hin und her, sollen dabei noch gut aussehen – und sie machen ihren Männern selten einen Vorwurf.“

Mentalitätsänderung im Schneckentempo
Auch in den Augen von Jacqueline Remy, ehemalige Chefredakteurin des Nachrichtenmagazins „Express“, ändern sich die Mentalitäten nur im Schneckentempo. Sie erinnert daran, dass französische Frauen noch bis 1969 die Erlaubnis ihrer Männer brauchten, um einen Job anzunehmen. „In 40 Jahren haben die Französinnen das Recht erobert, den Boden der Männer zu betreten. Doch die Männer betreten nicht den Boden der Frauen, den der traditionell ,weiblichen‘ Arbeiten“, schreibt sie.

Ausnahmen scheint es aber zu geben: Der Mann von Mercedes Erra etwa kümmert sich um Kinder und Haushalt, wie die Managerin berichtet. Laurence Danon, die bis zum vergangenen Jahr die Kaufhauskette Printemps leitete bevor sie sich der Bank Rothschild anschloss, rät dazu, „den richtigen Arbeitgeber und den richtigen Partner zu wählen“. Ihr sei beides geglückt; so gelang ihre Karriere.

„Noch ist nichts gewonnen“
Sprächen all die Zwänge im Kampf um Beruf und Familie nicht für die 35-Stunden-Woche, will ein Kollege der linken Tageszeitung „Libération“ wissen. Arbeitgeberpräsidentin Parisot gerät ins Stottern; bekämpft sie doch die Arbeitszeitregel heftiger als die Dominanz der Männer. Sie sei sich nicht sicher, ob das eine etwas mit dem anderen zu tun habe, sagt sie. Die Werbemanagerin Erra eilt ihr zur Hilfe: „Ich komme gerade aus China zurück. Dort will niemand etwas von der 35-Stunden-Woche wissen.“ Der internationale Wettbewerb ließe den französischen Unternehmen keine Wahl: Sie müssen von ihren Mitarbeitern hundertprozentigen Einsatz verlangen, der oft 35 Stunden überschreite.

Wohl aber könnten die Unternehmen flexiblere Arbeitszeitmodelle anbieten, Betriebskindergärten und mehr Unterstützung für die Partner im Fall von Versetzungen, lautet der weibliche Konsens. Parisot selbst will keine Patentlösungen versprechen, plädiert aber für Bewusstseinsbildung: „Wir haben schon viel erreicht. Doch noch ist nichts gewonnen.“

Montag, 19. Mai 2008

Wer hat denn hier keine Lust?

Habt ihr noch Freunde, die (noch) keine Kinder haben? Wir schon. Und möchten diese eigentlich auch gerne behalten. Dennoch hören wir Eltern oft den Vorwurf, wir hätten keine Zeit, hätten uns verändert, hätten andere Interessen, seit wir Kinder haben. Stimmt das?


Als mein Kleiner gerade mal ein halbes Jahr alt war, warf mir seine Gotte vor, ich hätte mich verändert. Unter anderem fand sie, ich hätte keine Zeit mehr zum telefonieren, denn sobald wir ein Gespräch angefangen hätten, würde der Kleine schreien und Hunger haben oder sonst was wollen. So ungern ich es tat, ich musste ihr Recht geben. Und versicherte ihr, das würde vorbeigehen. Tatsache ist, mein Kleiner schreit heute noch nach irgendwas, wenn ich am Draht bin, aber heute kann ich zurückschreiben, er solle mich gefälligst in Ruhe lassen, Mami sei am Telefon.

Nun kann ich mit meiner kinderlosen Freundin wieder telefonieren, aber viel sehen tun wir uns trotzdem nicht. Woran liegt das, habe ich mich gefragt. Ich weigere mich zu glauben, dass es mit der Tatsache zu tun hat, dass wir Nachwuchs haben und sie nicht. Als ob mich Menschen, die keine Kinder haben, nicht mehr interessieren würden. Obwohl eine andere Freundin von mir tatsächlich glaubt, ich würde den Kontakt zu ihr vermeiden, weil ich es seltsam fände, dass sie beschlossen hat, keine Kinder zu wollen. Geht mich doch nichts an, oder?

Oft scheinen kinderlose Freunde vordergründig sehr verständnisvoll uns armen, gefangenen Eltern gegenüber. Logisch würden wir lieber mit anderen Familien etwas unternehmen, schliesslich könnten die Kinder zusammen spielen. Und logisch, dass ich lieber mit Lea verkehre, schliesslich hätten wir gleichaltrige Kinder. Ich muss dann immer eingreifen und klarstellen, dass die besten Momente mit Lea die sind, bei denen unsere Kinder nicht anwesend sind! Dann haben wir nämlich endlich wieder Zeit, ein Gespräch zu Ende zu führen, ohne dauernd unterbrochen zu werden von irgendwelchem Kinder-Gestreite, -Geschreie oder -Ge-ich-muss-pipi!

Ich glaube allmählich, kinderlose Freunde schieben uns die Schuld zu, weil SIE kein Interesse mehr an uns haben. Und nicht etwa umgekehrt! Und wenn ich das so beobachte merke ich: die einen fühlen sich unzulänglich (meist Frauen), die anderen nerven kleine Kinder einfach (meist Männer) und die dritten möchten einfach immer noch auf den Putz hauen und verstehen nicht, dass wir trotz allem Rabenmutter-Dasein nicht jedes Wochenende Lust haben, unsere Kinder abzugeben.

Liebe Kinderlosen: Es ist voll o.k., wenn ihr uns langweilig findet, mir ging es früher nicht anders. Aber schiebt es nicht auf uns ab. Geniesst euer Leben und wenn ihr mal Lust habt, ruft an! Und schaut euch mit uns Sex & the City The Movie an (ab 29. Mai im Kino)! Das waren doch noch Zeiten...


Mittwoch, 14. Mai 2008

Tagebuch einer Schwangeren- Teil 2: Kunigunde oder Jamal?

Schon klar, dass das keine Priorität hat, dennoch bereitet es uns Kopfzerbrechen. Das Baby braucht spätestens im November einen Namen. Was kein Problem ist, wenn es ein Mädchen wird. Aber nochmal einen Jungennamen, der uns beiden gefällt? Mission Impossible!

Schon bei der ersten Schwangerschaft haben wir uns den Duden mit X-Tausenden Vornamen gekauft. Als wir dann erfuhren, dass es ein Junge wird, wussten wir auch schon, dass wir Hilfe benötigen würden.

Ein französisch klingender Familienname braucht einen französischen Vornamen. Soweit so logisch. Doch in meinen, dann doch eher nordischen Ohren, klingen französische Namen oft etwas – entschuldigt die Wortwahl – schwul. Sollte er mal Coiffeur werden wollen oder Cabaret-Tänzer im Moulin Rouge ginge das ja. Das wissen wir aber noch nicht und nur mit dem Namen wollen wir ihm ja auch nicht seine ganze Karriere verplanen.

Und nun stehen wir wieder vor demselben Problem. Klar könnten wir uns sagen, wir warten ab, bis wir wissen, was es wird. Mädchennamen sind nämlich kein so grosses Problem, da werden wir uns sicher noch einig (famous last words).

Besagter Duden hat zwar wirklich viele Vorschläge, ca. 80% sind jedoch gleich zu verwerfen. Wer bitte würde seine Tochter heute noch Kunigunde oder Waltraud nennen? Höchstens als zweiter Name zu Ehren der Grossmutter.

Da gäbe es ja auch noch die Top Ten der beliebtesten Vornamen, die jedes Jahr erhoben wird. Aber eben: wer will schon, dass sein Kind so heisst, wie acht andere Kinder im Kindergarten? Werden die dann durchnummeriert oder wie in den Fünfzigern per Nachnamen aufgerufen?

Oder die Methode des Diebstahls: Ich klau mir einfach den Namen aus dem Kollegenkreis. Und stehe für die nächsten zwanzig Jahre als fantasie- und skrupellose Diebin von "Jamal" (Name beliebig auswechselbar).

Die schönen Namen scheinen einfach alle schon besetzt. Oder sie passen nicht zu unserem Nachnamen. Oder sie sind einfach zu ausgefallen. Ich habe keine Lust, den Namen jedes Mal buchstabieren zu müssen, wenn man uns danach fragt.

Bis dahin mache ich mich noch etwas schlau. Gottseidank gibt es mittlerweile auch online gute Quellen, die über Gottfried und Edeltraud hinausgehen:

Babycenter
Beliebte Vornamen
Celebrity Baby Names
35'000 Babynamen Ich schwöre es, nicht einmal hier habe ich bis jetzt mein Glück gefunden!

Dienstag, 13. Mai 2008

Entspannen, aber wie?

Eltern.de: Viele Frauen zahlen einen hohen Preis für ihre Bemühungen, Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Auch Psychologen schlagen Alarm. Eltern.de hat ein paar Tipps, wie Stress abgebaut werden kann. rabenmutter.ch übernimmt keine Haftung für deren Realitäts-Ferne...

Soforthilfe gegen Stress

Pausen machen. Schon fünf Minuten in der Teeküche oder ein kurzer Plausch mit einer netten Kollegin entwirrt das Knäuel in ihrem Kopf.


Tür zu! Gerade wer Teilzeit arbeitet, kommt niemals voran, wenn er ständig unterbrochen wird. Daher: Zeigen sie den Kollegen, wann Sie ungestört sein wollen.


Gut gemacht! Setzen Sie sich für Ihre Aufgaben ein Zeitlimit, erledigen Sie sie zügig und haken Sie dann ab, ohne an Ihrer Arbeit zu zweifeln. Niemand erwartet ständig Spitzenleistungen von Ihnen!


Durchatmen. Die richtige Technik hilft gegen Stress. Je tiefer sie ein- und ausatmen, desto besser. Der ganze Körper entspannt dabei. Das gilt übrigens auch fürs Lachen, Gähnen, Niesen und Husten.


Konflikte möglichst sofort lösen. Haben Sie Streit mit Ihrer Familie oder Ärger mit einem Kollegen, sollten Sie das nicht lange mit sich herumtragen. Entscheiden Sie sich möglichst schnell, ob ein Konflikt Wert ist, sich noch einmal darüber auseinanderzusetzen. Wenn ja: Bitten Sie um ein Gespräch. Wenn nicht: Legen Sie die Auseinandersetzung wirklich ad acta!


Auch wichtig: Schon im Büro abschalten. Machen Sie sich vor dem Nachhausegehen eine Zu-Erledigen-Liste für den nächsten Tag - aber eine realistische! Und haken Sie Punkt für Punkt ab. Dann starten Sie doppelt gelassen in den Feierabend. Sie haben alles schon erledigt - und den nächsten Tag auch schon strukturiert.


Spaß am Feierabend: Ihr Privatleben ist genauso wichtig wie die Arbeit. Halten Sie Verabredungen ein, auch wenn Sie glauben, das vor lauter Arbeit nicht zu schaffen.


Freies Wochenende! Lassen Sie Ihre Arbeit - und jeden Gedanken daran - am Freitag im Büro. Wer ständig grübelt, spannt niemals aus!


Na dann, viel Glück!

Samstag, 10. Mai 2008

«Frauen haben das falsche Beuteschema»

Gross, stark und reich soll er sein: Frauen wählen Männer noch immer wie in der Steinzeit. So wird das nie was mit der Emanzipation – sagt der Paartherapeut Stefan Woinoff.

Text: Anuschka Roshani für DAS MAGAZIN von heute

Wie leicht könnte man ihn missverstehen. Stefan Woinoff, 49, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, bezichtigt Frauen, in der Steinzeit stecken geblieben zu sein, auf jeden Fall, wenn es darum geht, sich den Mann fürs Leben zu suchen. In seinem gerade erschienenen Buch «Überlisten Sie Ihr Beuteschema» (Goldmann-Verlag) wirft er ihnen vor, wie vor Tausenden von Jahren nur jenen Mann in ihre Höhle vorzulassen, der gross gewachsen, mächtig und potent ist – insbesondere finanziell. Das heisst, er will es ihnen gar nicht vorwerfen, ihnen lediglich die Augen öffnen, damit sie sich dann mit dem einen oder anderen Trick von ihrer eigenen, auf den Mann umgelenkten Statussehnsucht freimachen. Vorher, so Woinoff, würde es nämlich nichts mit der Emanzipation.

Seit er seine These formuliert hat, werde er von «Feministinnen gesteinigt», sagt Woinoff: Frauen seien längst keine Fünfzigerjahre-Muttchen mehr, die sich über das Portemonnaie und Ansehen des Gatten definieren würden. Der Paartherapeut kontert mit den Erfahrungen, die er in seiner Münchner Praxis gemacht habe, wo er immer wieder verzweifelte Karrierefrauen erlebe, die alles hinkriegten, nur das eine nicht: eine glückliche Familie zu haben. Sobald viele von ihnen auf die vierzig zugehen, wünschen sie sich Kinder, genau wie die Frauengenerationen vor ihnen, und geraten in Torschlusspanik, weil der richtige Mann, der in jeder Beziehung verlässliche, dafür nicht zur Stelle ist.

Woinoff selbst übrigens scheint das gelungen zu sein; er kümmert sich an zweieinhalb Werktagen in der Woche um seine beiden kleinen Töchter, während seine Frau arbeitet. Und geniesst es, eines jener nach wie vor äusserst seltenen Exemplare eines Vaters zu sein, der seine Kinder nach einem späten Feierabend nicht bloss noch zur Nacht küsst. Seine Hoffnung allerdings ist, dass er sich bald auf dem Spielplatz und im Supermarkt nicht mehr in einer «männerfreien Zone» wähnen muss.

Herr Woinoff, glauben Sie an die bedingungslose Liebe?
Zwischen Mann und Frau? Da ist es die grosse Ausnahme. Bedingungslos ist die Liebe von Eltern zu Kindern, zumindest sollte sie es sein. Man sollte sein Kind lieben, egal was ist. Aber die Mann-Frau-Beziehung ist ganz stark an Bedingungen geknüpft.

Das heisst, diese Liebe ist auch ein ökonomisches Verhältnis, nie frei von Kalkül? Natürlich gibt es Seelenverwandtschaften, eine enge Verbundenheit übers Erotische hinaus. Aber normalerweise ist sie nicht frei von Kalkül.

Sie sagen, wir – Frauen wie Männer – wählen unseren Partner nach wie vor nach einem «archaischen Beuteschema». Wie sieht das aus?
Aufgrund der Evolution haben wir bei der Partnerwahl bestimmte Kriterien. Frauen suchen sich einen Mann, der grösser als sie ist und auch im sozialen Status möglichst über ihnen steht, insbesondere dann, wenn sie eine Familie gründen wollen. Da beginnt das Problem: Frauen sind heute im Schnitt höher qualifiziert als früher, dadurch wird die Auswahl an Männern für sie kleiner, zumal sie sehr viel Konkurrenz durch jüngere Frauen haben. Womit wir beim Beuteschema des Mannes sind, denn der steht leider auf Frauen mit Eigenschaften, die sich evolutiv von der Fruchtbarkeit ableiten: auf Attraktivität.

Sie zitieren in Ihrem Buch ein Experiment, wo eine Frau die identische Partnersuchanzeige zweimal aufgab, nur einmal als Angestellte, einmal als Chefin eines Unternehmens.
Ja, und als Angestellte bekam sie viele Zuschriften interessierter Männer, als Chefin keine einzige. Aber um argumentativ nicht in Kategorien wie Gut und Böse zu geraten, stellen Sie sich bitte vor: Sie sind ein Kind – noch im Himmel – und suchen sich Ihre Eltern aus, und zwar unter den Bedingungen der Steinzeit. Welche Eltern suchen Sie sich aus, wenn Sie gezeugt werden wollen, gut über die Schwangerschaft kommen, geboren und erwachsen werden wollen?

Die gesunden, starken, gut situierten.
Richtig, die Frau soll vor allem jung und fruchtbar sein sowie nicht zu dick und nicht zu dünn, damit Schwangerschaft und Geburt problemlos ablaufen. Und der Mann, der sie zeugen und versorgen können soll, muss einen guten Stand in der Sippe haben und sich durchsetzen können. Das sind die eingefahrenen Partnerwahlkriterien, die archaischen «Beuteschemata», für die weder Frauen noch Männer was können. Sie haben sich über Hunderttausende von Jahren entwickelt und sind wohl sogar genetisch eingebrannt.

Hat die Zivilisation da gar nichts gebracht?
Es sind zwar zusätzliche dazugekommen, aber die archaischen Beuteschemata wirken in uns wie nie ausgestorbene Dinosaurier. Das bekomme ich täglich in meiner Praxis mit. Meine Patienten kennen die Fallen, in die sie tappen, aber das ändert nichts daran, dass sie hineintappen. Die uralte Mechanik der Gefühle wirkt immer noch. Es gibt eine weibliche Urangst: Wenn ich schwanger werde, brauche ich einen Mann, der mich und mein Baby beschützt und für mich alles ordnet. Und wieso stehen Männer so auf Brüste und auf die sonstigen Kurven einer Frau? Sie haben doch gar nichts davon, sie gefallen ihnen einfach. Es liegt daran, dass Brüste für Fruchtbarkeit standen und immer noch stehen, und sich Männer mit einer kurvenreichen Frau besser fortpflanzten.

Inzwischen verdienen viele Frauen genug, um sich und ihre Kinder ernähren zu können. Warum spielt das archaische Beuteschema dennoch weiter eine Rolle?
Es sind tief verwurzelte Ängste und Bedürfnisse, und man muss sich erst bewusst machen, dass diese Ängste heute nicht mehr nötig sind. Wenn Sie Abiturientinnen heute fragen – und deutlich mehr Mädchen als Jungen machen ja mittlerweile Abitur –, dann sagen sie, sie möchten einen Beruf, der sie ernähren kann und auch ihr Kind, denn sie wollen nicht vom bröckelnden Versorgungswillen der Männer abhängig sein. Aber ich kenne keine Frau, auch die Emanzipierteste nicht, die sagt, ich brauche einen Beruf, um mich, meinen Mann und meine zwei Kinder ernähren zu können.

Die Frauen wollen gar nicht hochkommen?
Der Mann wird auf jeden Fall deutlich mehr als die Frau dafür tun, befördert zu werden, er hat ja einen viel grösseren Druck. Männer machen mehr Überstunden als Frauen und viel mehr Kompromisse, weil an ihnen alles hängt. Frauen kündigen eher, wenns ihnen nicht passt, viele haben schliesslich einen Mann, der gut verdient. Sie sagen sich, wozu der ganze Schmarrn, ich kriege nur Falten vom Stress und gewinne nichts. Das ist der Hauptgrund, warum so wenig Frauen Chefinnen sind.

Müssten nicht gerade die Frauen der Scheidungskinder-Generation die Chefpositionen anstreben?
Für die ist finanzielle Unabhängigkeit schon selbstverständlich. Die wollen ihren Mann nicht fragen müssen, ob er ihnen ein neues Kleid kauft. Aber es geht darum, wer der Haupt- oder Alleinernährer ist, wenn Kinder kommen. Das ist fast immer noch der Vater. Eine Frau geht bei der Familiengründung selbstverständlich davon aus, dass der Mann übernimmt und sie erst mal zu Hause bleibt – wenn sie will. Wenn ein Mann das nicht finanzieren kann, fällt er als Partner von vornherein aus.

Ich als Akademikerin würde mich also nie und nimmer in einen Kaminfeger verlieben?
Vielleicht würden Sie sich in ihn verlieben, aber vermutlich würden Sie ihn nie heiraten und nie Kinder mit ihm kriegen.

Höchstens eine Affäre anfangen?
Denken Sie an Benoîte Groults Roman «Salz auf unserer Haut», wo die Professorin mit dem Fischer eine lebenslange Affäre hat, aber eines Nachts träumt, dass sie ihn heiratet und bei der Hochzeit fürchterlich ausgelacht wird.

Gibt es nicht die Liebe, die alle gesellschaftlichen Barrieren überwindet?
Die gibt es sicherlich, nicht nur in der Literatur. Die wirklich emanzipierten Frauen suchen sich ihren Mann frei aus. Die sagen, es juckt mich nicht, was die Nachbarn denken. Ich liebe ihn, egal warum. Nur, das sind noch sehr wenige.

Wie definieren Sie emanzipiert?
Emanzipiert heisst frei sein. Frei von Konventionen, die einen einengen, denen man einfach gehorcht. Mut und Ratio sind gefragt – warum soll ich mich von solchen Konventionen, vom Mainstream abhängig machen?
Ist es nicht in Wahrheit noch vertrackter: dass ich mich gar nicht erst in den Kaminfeger verliebe?
Ja, wenn Sie ihm als Kaminfeger begegnen, dann eher nicht. Aber wenn Sie ihn nicht als solchen kennenlernen, sondern in der Badi, dann vielleicht. Es gibt Studien, in denen Frauen Fotos gezeigt werden und danach nach der Attraktivität der abgebildeten Männer befragt werden, und sich ihre Bewertung komplett ändert, sobald man ihnen die Berufe der Männer sagt.

Und wenn er Kaminfeger ist und aussieht wie Brad Pitt, hat er dann auch nichts von seinem Aussehen?
Es ist besser, sie sind als Mann stinkreich und sehen nicht gut aus. Denn als arbeitsloser Brad-Pitt-Doppelgänger werden sie es schwer haben, eine Frau zu finden, die mit ihnen eine feste Partnerschaft eingeht. Das ist nun mal so. Während – und das ist das Ungerechte an der Sache – eine Frau, die bloss gut aussieht, auch gesellschaftlich aufsteigen kann, weil sie sich einen statusüberlegenen Mann suchen kann und ihn auch kriegt.

Sie bestätigen damit das böse Klischee, dass Frauen sich hochschlafen, während sich Männer hochschuften.
Natürlich arbeiten sich inzwischen auch viele Frauen hoch, so wie die Männer. Doch hochschlafen kann auch funktionieren. Pamela Anderson hat mal auf die Frage, wie sie es so weit gebracht habe, geantwortet, ich hab nur mit den richtigen Männern geschlafen. Vielleicht werden sich in Zukunft ja auch Männer hochschlafen können, wenn wir mehr Frauen in Entscheidungspositionen haben.

Haben Sie so ein schreckliches Frauenbild: Frauen finden den Porsche-Fahrer per se anziehend?
Vorweg: Ich habe ein überaus positives Frauenbild, aber eben ein ideologiefreies. Zu Ihrer Frage: Man will es nicht glauben, aber Porsche ist ein extrem erfolgreiches Unternehmen, fragen Sie mal, warum. Auch ich erlebe, dass ich von Frauen anders betrachtet werde, wenn ich einen Anzug trage, als wenn ich im T-Shirt rumlaufe. Im Anzug bin ich attraktiver, so wie Frauen mit Push-up-BH und Minirock anders von Männern angesehen werden. Der Mann im Anzug sagt, ich bin gepflegt, ich bewege mich auf einer bestimmten gesellschaftlichen Ebene, die Frau sagt damit, ich bin sexy. «Your father is rich and your mother is good looking», das ist die Losung der High Society – weltweit. Das können Sie genau so in der Regenbogenpresse nachschauen: die Reichen und die Schönen – wobei reich sind die Männer, schön die Frauen.

Ein Paar wie Carla Bruni und Nicolas Sarkozy, wie passt das in Ihre Theorie? Sie ist immerhin einen Kopf grösser.
Ich glaube, dass generell die Frauen den Partner wählen. Daher gibt es deutlich mehr Männer, die eine grössere Frau nehmen würden, wenn sie ihnen denn gefällt. Und natürlich, Carla Bruni ist so eine Alphafrau, und er weiss, er könnte genauso leicht eine kleinere Hübsche haben. Er fühlt sich nicht entmännlicht, im Gegenteil, er zieht hohe Absätze an und sagt, schaut her, ich kann so eine Grosse kriegen. Und weil er durch seine extrem hohe gesellschaftliche Stellung alle anderen Mankos kompensiert, nimmt sie einen Kleinen in Kauf. Kleine Männer haben bekanntlich oft einen enormen beruflichen Ehrgeiz, das Little-Man-Syndrom.

Rackern Männer sich die Karriereleiter nur hoch, um an die guten Frauen ranzukommen?
Ja, die Motivation beim Mann, dem anderen Geschlecht gefallen zu wollen, ist sehr stark. Aber natürlich auch bei den Frauen, nur müssen sie was anderes dafür tun. Denken Sie nur an den Satz: «Wer schön sein will, muss leiden.» Das ist ein Satz für Frauen.

Denn Macht macht sexy. Zumindest den Mann.
Ja, aber wenn der Manager arbeitslos wird, hat er sofort sehr schlechte Karten. Statistisch werden Ehen häufiger geschieden, sobald es wirtschaftlich schlecht aussieht. Doch bis dahin gewinnen sie doppelt, während Frauen von klein auf merken, dass beruflicher Erfolg sie bei Männern nicht unbedingt attraktiver macht, manchmal sogar das Gegenteil.

Woran merkt das ein kleines Mädchen?
Die Klassenbeste ist nicht die, die für die Jungen attraktiv ist. Ein Mädchen merkt, wer gut ausschaut, kommt bei den Jungen an. Und später, wenn Frauen beruflich aufsteigen, merken sie es umso mehr – es ist eine Ungerechtigkeit, aber ich kann auch nichts dafür.

Eine mächtige Frau wie Angela Merkel würde demnach keinen mehr abkriegen.
Ich glaube nicht, dass Erfolg zwangsläufig unsexy ist. Wenn eine erfolgreiche Frau gut aussieht, findet sie auch einen Mann. Aber Erfolg macht Frauen einsam, weil sie einen noch erfolgreicheren Mann suchen. Die Menge der Kandidaten wird dadurch ungeheuer klein. Ich glaube, wenn Männer die Stärke von Frauen als ständige Forderung erleben, noch stärker sein zu müssen, fühlen sie sich eher abgeschreckt oder haben sogar Angst vor ihr.

Man könnte Ihre These als Appell an Frauen interpretieren: Macht keine Karriere, ihr werdet nur einsam.
Ich heisse nicht Eva Herman, für mich ist ein guter Beruf und ein guter Verdienst für Frauen selbstverständlich, ich will nur sagen, bitte denkt daran, liebe Frauen, bei euch siehts anders aus als bei Männern, ihr gewinnt nicht unbedingt beim anderen Geschlecht durch die Tatsache, dass ihr Karriere macht. Euer Marktwert in der Partnerwahl ist mit 25 einfach höher als mit 35, bei Männern dagegen ist es umgekehrt. Also macht es nicht in allen Dingen einfach den Männern nach! Ihr kommt sonst in eine deutlich schlechtere Position. Vielleicht macht es doch Sinn, sich den Partner früher zu suchen, noch im Studium, und dann Kinder zu kriegen.

Kann man das alte Beuteschema hinter sich lassen?
Zum Teil. Ich möchte den Frauen mitteilen, passt auf, ihr könntet unter einer viel grösseren Anzahl von Partnern aussuchen, wenn ihr die berufliche Stellung und das Geld des Mannes vernachlässigt – und es bleibt trotzdem in Ordnung, dass ihr einen Mann bewundern wollt. Auch Männer wollen Frauen übrigens bewundern.

Hat der Feminismus die Frauen unglücklich gemacht?
Das ist so eine Frage wie: Hat der Kommunismus die Arbeiter unglücklich gemacht, weil er ihnen gesagt hat, wie schlecht es ihnen geht? Der Feminismus hat den Frauen ihre Unzufriedenheit klargemacht und diese sogar ein bisschen geschürt.

Der Feminismus hat ihnen aber auch die Begrenztheit ihrer Macht beziehungsweise ihre Ohnmacht vor Augen geführt.
Nein, der Feminismus hat ihnen diese Begrenztheit eben gerade nicht vor Augen geführt, sondern immer noch redet er ihnen ein, ihr könnt alles, und ihr könnt es genauso wie die Männer. Das stimmt einfach nicht. Den Frauen wird eine Situation vorgegaukelt, die so nicht existiert.

Was empfehlen Sie gegen das Dilemma?
Der Groschen muss emotional fallen. Wenn Frauen sich ihrer neuen Freiheit bewusst werden, wenn sie sich klarmachen, ich kann mir endlich den Mann aussuchen, den ich mir immer gewünscht habe, unabhängig davon, ob er eine gute Partie ist. Dann hätte die Emanzipation sehr viel geleistet. Sich freizumachen von der Meinung der anderen. Ich nehme als Beispiel gern den Umgang mit Homosexualität. Noch vor vierzig Jahren war sie verboten. Jetzt habe ich Patienten, die als Homosexuelle ein erfolgreiches, glückliches Leben führen – warum soll es in einigen Jahrzehnten nicht Paare geben, die es anders machen, wo er etwa zu Hause ist und die Kinder betreut und sie die Familie ernährt, und keiner nimmt mehr Anstoss daran?

Haben die Jungen, die allein von ihrer Mutter aufgezogen wurden, ein anderes Verhältnis zu Frauen? Weniger Angst vor starken Frauen?
Manchmal haben die besonders grosse Angst, gerade weil die Mutter so stark war. Zudem haben sie oft ein anderes Beziehungsschema, tun sich schwer, ihre Partnerin zum Beispiel mit deren Freundinnen zu teilen. Sie sind verwöhnt mit ausschliesslicher Aufmerksamkeit. Der Partner wird noch stärker für das eigene Glück verantwortlich gemacht.

Ist es dieser Glücksanspruch, der alles so kompliziert macht? Oder sind es die Forderungen der Frauen?
Frauen haben Männern deren alte Privilegien aufgekündigt, sie sagen, du bist nicht mehr der Herr im Haus, du musst was für Kinder und Haushalt tun. Zugleich bleiben die alten Forderungen bestehen: Du musst Erfolg haben, damit ich dich attraktiv finde. Das heisst, neue Forderungen sind dazugekommen, daraus entspringt auch für Männer eine Doppelbelastung. Bei Männern kommt nur das Gefühl an, oh Gott, Frauen sind so anspruchsvoll.

Viele Paartherapeuten sagen, Männer wollen vor allem versorgt werden zu Hause. Haben Männer Ansprüche an eine Beziehung?
Es gibt sicher noch viele Männer, die finden, mir reichen die klassischen Rollen, die Frau soll ein bisschen lieb sein und das Bier aus dem Keller holen, aber bei der Stehparty auch was hermachen und Smalltalk beherrschen. Aber Bedingungen an die Beziehung gibts von beiden Seiten, wie gesagt, es gibt keine Beziehung zwischen Menschen, die so an Bedingungen geknüpft ist wie die zwischen Mann und Frau.

Ist das unausrottbar?
Ja. Es ist aber sicher eine Grundkonstante bei dem Spiel, wie man zueinanderfindet. Die Frage ist, wie man das kulturell modifiziert.

Wo ist der Spielraum?
Man kann einer Frau nicht sagen, verlieb dich mal in einen kleineren. Ich höre immer wieder, die Männer sollen ihr Beuteschema ändern – nur, sie haben es schon verändert oder wenigstens erweitert. Früher, vor 30, 40 Jahren, betrachteten Männer Frauen über 30 ganz anders als heute, sie waren nicht mehr jung, als Ehefrauen weniger unattraktiv. Heute sagt kein Mann, eine Frau mit 40 ist übern Jordan. Denn mit der kann er noch immer eine Familie gründen, auch dank der Infertilitätsmedizin. Und eine Frau muss bereit sein, ihre Stärke, also konkret ihren guten Verdienst, auch zu teilen.

Was heisst das?
Meine Wahrnehmung ist, dass Männer froh sind, wenn sie mal zu Wort kommen, und Frauen es deutlich weniger gern haben, wenn man ihnen widerspricht. Es ist momentan ja so, das Original ist die Frau und die Ableitung ist der Mann, insbesondere beim Verhalten in der Partnerschaft. Die Frau hat die Definitionsmacht, was der Mann leisten muss, zum Beispiel zuhören, wenn sie abends nach Hause kommt, und der Mann ist die Abweichung, wenn er stattdessen lieber Fussball schauen will. Beiden ist nicht bewusst: Ein Gespräch über die Unbill des Alltags bedeutet für Frauen und Männer emotional etwas komplett anderes. Frauen pflegen über Kommunikation ihre Beziehung, Männer bekennen sich so als Loser. Er sagt damit, ich hab nichts erjagt, ich hab nichts geschafft. Wir sind da einfach sehr verschieden.

Passen wir überhaupt zueinander?
Unbedingt. Nur darf man nicht glauben wie Alice Schwarzer, dass Mann und Frau gleich sind, und von sich auf den anderen schliessen, sonst macht man einen Riesenfehler. Der liebe Gott hat uns so geschaffen, dass meine Haut hier aufhört und die Haut meiner Frau erst dort anfängt, wir sind keine Einheit. Die Andersartigkeit muss man nicht verstehen, nur akzeptieren. Man versteht nicht alles, manchmal sogar gar nichts.

Sind wir Opfer unseres Perfektionsstrebens geworden? Unserer Überansprüche?
Frauen stilisieren sich gern als Opfer. Doch dann müsste es auch einen Täter geben. Der Feminismus hat etwas ganz Wunderbares bewirkt, und zwar für Frauen wie Männer, er hat die Rollenvielfalt erweitert. Heute kann ein Paar sich überlegen, wie wollen wir es machen? Die Rollenflexibilität wurde von der Frauenbewegung geschaffen, aber man fährt die Ernte bisher nicht gut ein, obwohl sie reich ist. Man meint dummerweise, überall seinen Part perfekt spielen zu müssen und empfindet das als schwere Doppelbelastung. Ich kenne keine Hausfrau und Mutter, die sagt, alles super, das traut sich keine zu sagen. Nicht in ihrer Frauenbewertungswelt – denn kein Mann sagt auf der Party zu einer Hausfrau, warum arbeitest du nicht? Der Anspruch kommt nicht von den Männern, sondern von den Frauen an die Frauen.

Bleibt die Hausfrau als Frau für einen Mann interessant?
Klar, wenn sie ihm sympathisch ist und, krass gesagt, gut ausschaut. Und vor allem, wenn sie ihn anlacht und sagt, mir gehts gut.

Wo auf der Messlatte befindet sich die Emanzipation?
Auf halbem Weg. Es wird noch dreissig Jahre dauern bis zum Ziel. Da sind einerseits die Frauen gefragt, indem sie aus Männern, die sich um Kinder und Haushalt kümmern, keine Männchen machen. Andererseits auch die Männer, die diese neuen Rollen auch übernehmen müssen.

Ist das Ziel, dass am Ende niemand mehr versteht, dass Hausmänner einst als Schlappschwänze galten?
Man wirds schon noch verstehen, aber nicht mehr als Zumutung wahrnehmen, so wenig wie das Schwulenpärchen von nebenan heute. Und Frauen werden auch bereit sein müssen, den Preis für ihre Emanzipation zu zahlen. Etwa bei einer Scheidung für den Unterhalt ihres Mannes aufkommen zu müssen. Den Preis zahlen wir Männer ja auch. Dann werden automatisch mehr Frauen in Führungsetagen vordringen, weil sie gezwungen sind, ihre Familie mit ihrem Beruf zu ernähren.

Was hat sich schon heute geändert?
Einerseits nichts. Fast jeder will emotionale Sicherheit, sieht sich im geborgenen Kreis der Familie mit Kindern alt werden. Andererseits lockt grosser Gewinn, wenn Männer Rollen übernehmen, die bisher als typisch weiblich gelten. Die junge Männergeneration will mit ihren Kindern zusammen sein und dass ihre Frau die Hälfte des Unterhalts bestreitet. Bei den etwa Zwanzigjährigen entwickelt sich ein neues Verständnis von Mannsein, von Vatersein.

1977 durften in Deutschland Männer ihren Frauen noch verbieten zu arbeiten, wenn darunter der Haushalt litt.
Das ist nur noch schwer vorstellbar. Aber überholte Bilder bleiben im Umlauf. Weiblich ist längst nicht mehr gleich weich und nachgiebig, sondern bedeutet vielmehr: willensstark sein, karrierebewusst und sehr machtbewusst. Frauen haben innerhalb der Familie immer geherrscht, wenn auch versteckter. Die meisten Männer herrschen gar nicht, ausser ein paar weit oben. Männer werden beherrscht. Eine sehr männliche Eigenschaft ist nämlich, zu gehorchen.
Stefan Woinoff: «Überlisten Sie Ihr Beuteschema: Warum immer mehr Frauen keinen Partner finden – und was sie dagegen tun können», Mosaik bei Goldmann, 2008

Donnerstag, 8. Mai 2008

Tagebuch einer Schwangeren - Teil 1: Uiiii neiiiii!

Es hat geklappt! Wir erwarten das zweite! Für die Schwangeren unter euch, die wissen wollen, wie es anderen dabei geht... Die anderen: einfach wegzappen. Ihr Glücklichen habt es ja schon hinter euch!

Schon vor ein paar Monaten war ich überzeugt, schwanger zu sein. Mit allem drum und dran: Schmerzende Brüste, dauernde Müdigkeit und einmal war mir sogar morgens schlecht. Danach sass ich an meinem Schreibtisch und dachte auf einmal “Ich bin schwanger! Ich weiss es einfach!”. Das also musste die berühmte weibliche Intuition sein, von der so viele Frauen sprachen. Ich war vollkommen überzeugt, obwohl ich schon zwei Tests durchgeführt hatte, die negativ ausfielen. Nur ein Strich statt zwei. Erst als meine Periode einsetzte, fand ich mich damit ab, einfach nicht zu den Frauen zu gehören, die eine weibliche Intuition haben. Oder einen normal funktionierenden Verstand.

Aber dann, ein paar Wochen später, waren da zwei Striche auf dem Test. Da ich jetzt nicht nur an meiner Intuition, sondern auch an der Pharmaindustrie zweifelte, musste ich das Testbild unbedingt einer Freundin zeigen. Per MMS wollte ich also wissen, wie es um meinen Nachwuchs steht. Schöne, moderne Welt! Wir verbrachten die nächsten zehn Minuten am Handy mit “oh” und “wow” und ähnlich geistreichen Bemerkungen, die eben nur mit einer guten Freundin als “Gespräch” bezeichnet werden können.

Ich bin also schwanger. Anders als beim ersten Mal, fühlte ich mich am nächsten Tag sofort super-schwanger. Mein Bauch war so gebläht, wie nach 5 Wochen Kohlsuppe, die Ente in mir kam in einem beginnenden Watschelgang zum Vorschein und Leggings schienen mir auf einmal eine ganz passable Modeerscheinung. Ähnlich wie beim letzten Mal, leide ich unter schwangerer Bettflucht. Ich wache morgens zwischen vier
und fünf auf und kann nicht mehr einschlafen. Und dann kommt der Hunger. Den ich mittels Corn Flakes beseitigen muss, denn sonst wird mir schlecht. Letzte Woche fand ich das nächtliche Aufstehen nur lästig, heute werde ich mich nochmal hinlegen. Ich bin schliesslich schwanger! Und suhle mich jetzt etwas in dem Zustand, bis ich meinem Mann so auf den Geist gehe, dass ich die Klappe halten muss.

Habe sogleich alle Bücher wieder hervorgeholt, die ich vor über vier Jahren gekauft hatte, um mich über meinen Ausnahmezustand zu informieren. Das Belehrende, das immer wieder darauf hinweist, dass äussere Einflüsse dem Kind schaden können. Rauchen, Alkohol, ungesundes Essen, laute Musik bla bla bla…. Aber die medizinischen Infos sind nützlich. Dann habe ich ein viel realistischeres Buch, das Girfriends Guide to pregnancy. Diverse Frauen erzählen von ihren Erlebnissen und sind knallhart ehrlich zu diversen Themen wie Gewicht, Sex, Launen etc. in der Schwangerschaft. Echt lesenswert, da witzig und sorgenvertreibend.

Und natürlich mache ich wieder dieselben Gedanken wie beim ersten Mal. Wird es klappen? Fehlgeburten sind in meinem Alter ja keine Seltenheit. Und wird es gesund? Mädchen oder Junge?

Und überhaupt: was tun wir uns da an? Aber dazu mehr ein andermal...

Donnerstag, 1. Mai 2008

Windelmarathon

Sind eure Kinder sauber? Ihr Glücklichen! Würdet ihr persönlich vor mir stehen, wäre meine nächste Frage "Wie habt ihr das geschafft?". Unser Kleiner ist schon ein Grosser, aber seine Windeln sind ihm heilig. Entschuldigt das unappetitliche Thema, aber seit wir Kinder haben, reden wir sowieso regelmässig über Fekalien oder etwa nicht?

Letzten Herbst waren wir überglücklich. Unser damals dreienhalb-jähriger ging auf die Toilette, um zu pinkeln. Das klappte extrem schnell extrem gut, er hat auch fast nie in die Hosen gemacht. Und so wagten wir uns an den nächsten Schritt: Gaggi ins Töpfchen.

Auf's Töpfchen wollte er aber nie, weshalb wir ihm einen schönen WC-Sitzring gekauft hatten. Auf den er sich gerne setzte, um Pipi zu machen. Seinen Stuhlgang erledigte er jedoch immer pünktlich frühmorgens, wenn wir noch schliefen.

Um ihm das abzugewöhnen, stand einer von uns jeweils in aller Herrgottfrühe auf und ging mit ihm auf's Klo. Das fand er eigentlich ganz toll und schaute auch gerne ein Buch mit uns an, das WC blieb jedoch sauber. Zweimal teilte er uns stolz mit, er hätte Gaggi gemacht, danach ging gar nichts mehr.

Jetzt geht gar nichts mehr
Und seither weigert er sich völlig auf's Klo zu gehen, wenn er dick muss. Und wendet seine Frühmorgens-Taktik weiterhin an. Sollte ich ihn mal erwischen und ihn freundliche mahnen, doch bitte auf die Toilette zu sitzen, weint er und sagt mir daraufhin, dass er nicht mehr muss. Er scheint regelrechten Schiss vor dem WC zu haben. Aber nicht, wenn er pinkeln muss.

Dazu muss ich sagen, das ich ihn nicht immer freundliche gemahnt habe. Ich habe mich auch schon tierisch genervt und ihn angeschnauzt, was natürlich ein Fehler war. Das weiss ich jetzt auch.

Und wie ich das mit allem mache, habe ich das Problem gegoogelt (fragt mich jetzt nicht mehr, welchen Begriff ich eingegeben habe). Er scheint zwar nicht die einzige mit dem Problem zu sein, Mütter-Baby-Foren sind voll mit dem Thema. Nur haben andere Mütter immer über Erfolgserlebnisse zu berichten. Sie bestechen, reden gut zu und warten ab, es komme von alleine.

Mir ist schon klar, dass unser Sohn nicht mit 18 Jahren noch in die Windeln machen wird und deshalb untauglich für's Militär sein wird (was nicht mal das schlechteste wäre). Dennoch frage ich mich oft, wann er denn von selbst darauf kommen wird, dass er einfach zu alt für Windeln ist.

Und jetzt ist das zweite Kind unterwegs. Wenn der Grosse nicht bald sauber ist, würde das 8 Jahre Windelmarathon bedeuten! Ich frag bei Pampers mal nach einem Sponsoring-Vertrag.

Nächtliche Wanderungen

Wir haben es nicht geschafft. Unser Junior hat unser Bett erobert. Einfach weil wir zu faul sind, ihn mitten in der Nacht zurück in sein Bett zu tragen. Aber wir sind nicht allein!

Eltern.de schreibt diese Woche über ein neues altes Phänomen: Das Familienbett. Ich wusste nicht, dass meine Rückenschmerzen, meine nächtliches fast aus dem Bett purzeln oder das doppelte Geschnarche von Mann und Kind einen Namen haben. Tun sie aber. Das Familienbett wird jetzt heftig diskutiert.

Unser Sohn hat zwar sehr wohl sein eigenes Bett (es soll sogar Familien geben, die Kinderbetten abgeschafft haben. Das ginge mir entschieden zu weit.), er wandert nachts aber immer zu uns. Mittlerweile merken wir seine Anwesenheit oft erst frühmorgens, wenn wir uns verschlafen fragen, wieso wir so verdreht aufwachen. Und wir sind einfach nachts zu müde, um ihn zurückzutragen. Ausserdem bleibt er morgens immer ziemlich lange mit uns liegen, wenn wir Zeit haben. Das würde er im eigenen Bett bestimmt nicht.
Verwöhnte, libidotötende Kinder?
Tötet es die Libido, die Kinder jede Nacht bei sich zu haben? Rückt die Familie enger zusammen? Verwöhnen wir unsere Kinder zu sehr, wenn wir Ihnen die (Schlafzimmer-) Grenzen nicht zeigen? Oder fühlen sie sich geliebter, weil sie immer bei ihren Eltern sein können?

Mir gefällt die Theorie, dass Kleinkinder tagsüber so damit beschäftigt sind, unabhängig zu werden, dass sie es nachts einfach lieben, sich an Papi und Mami kuscheln zu dürfen. Aber was ist mit den Kindern, die von Anfang an zurück in ihr Bett gebracht wurden? Und die eben irgendwann das Bedürfnis nicht mehr haben? Die werden doch genauso unabhängig und genauso von ihren Eltern geliebt!

Wahrscheinlich ist es mit dem Familienbett wie mit allem anderen auch. Jede Familie soll ihr Bett so handhaben, wie sie das für richtig hält. Und ich finde mich damit ab, ein paar Nächte die Woche auszuwandern, weil einfach nicht genug Platz für uns drei ist. Wie das wohl mit einem dritten Kind wird? Vielleicht bauen wir dann einfach an oder machen aus unserem Schlafzimmer eine Matratzenlandschaft.

Übrigens ist das der Beweis dafür, dass Kinder im Ehebett die Libido nicht killen: Wie sonst wäre ich wieder schwanger geworden, hä?

Wie sieht's bei euch aus? Schlafen eure Kinder im eigenen Bett?

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