Dienstag, 29. Juni 2010

Ich bin auch eine Einkaufsliste

Wer macht mehr im Haushalt? Ewig gleiches Thema mit überraschendem Resultat. Eine Frage der Speicherkapazität...


Text: Nicole Althaus für den mamablog.

«Genau so ist es!», triumphierte beim Sonntagsfrühstück mein Geliebter, schob mir die New York Times über den Tisch, die er sich auf seiner Joggingroute beschafft hatte, und sagte: «Stoff für den Mamablog». Ich warf einen Blick auf die Schlagzeile und meinte bloss, haben wir längst gehabt das Thema. «Väter sind heute so gestresst wie Mütter» stand da in grossen Lettern, darunter ausführlich aufgelistet der Leidenskatalog des neuen Vaters, der zugleich Ernährer und Erzieher sein soll und dabei in beiden Rollen ständig aneckt.

«Das mein ich nicht», sagte er und zitierte den Satz, von dem er sich Zündstoff für den Mamablog versprach: «Frauen unterschätzen permanent, was die Männer im Haushalt und in der Kindererziehung leisten.» Und das sage nicht etwa ein Mann, meinte er, sondern eine Historikerin. Eine weise Frau, fügte er noch an. Und er hatte Recht: Das Zitat sorgte für Zündstoff. An unserem Sonntagsfrühstückstisch zumindest, wo plötzlich beide aufzuzählen begannen, was sie denn alles so im Haushalt leisteten.

Er: Ich mache jeden Sonntag Frühstück. Ich: Das geht aber nur, weil ich Freitags immer einkaufe. Er: Wein und Wasser besorge ich, damit Du nicht schleppen musst. Und die Flaschen entsorge ich auch. Ich: Wenn ich Dir sage, dass es mal wieder Zeit dafür wäre… Er: Das würde ich auch selber merken. Ich: Beim Wein vielleicht. Er: Wenn Du nichts sagen würdest, könnte ich es auch mal selber merken. Ich: Warum merkst Du dann nie, wenn man wieder waschen müsste? Er: Weil die Wäsche dann immer schon im Trockenraum hängt. Ich: Eben. Und die Kinderkleider kauf auch ich. Er: Dafür bin ich für Zoo und Hallenbad zuständig. Tochter I: Wartet mal, ich liste auf, dann zählen wir aus. Er: Gut. Hallenbad gibt zwei Punkte. Dann schreib noch Autowaschen und Tanken auf, das macht Mami nie. Tochter II: Aber Daddy, das zählt nicht, das machen wir doch so gern zusammen, das ist keine Arbeit. Ich nicke meiner weisen Kleinen voller Mutterstolz zu. Er: O.k. Dann muss Mama aber auch das Kleiderkaufen streichen, das ist ihr Hobby. Tochter I: Stimmt, Mam, da hat er recht. Ich (zähneknirschend): Also gut, aber Elternabend und Prinzessinnenkleid-Nähen im Chindsgi sind mindestens 2 Punkte wert. Er: Einverstanden, dafür zählt Keller räumen dreifach. Ich: Und Betten machen täglich – 7-fach. Er: Nein, gar nicht. Das müssen doch die Kinder selber tun. Tochter I: Also, ich schreib dafür Mami einen Punkt, weil, ehrlich, manchmal hab ich morgens dafür keine Zeit. Er: Nur wenn Du mir einen Punkt gibst fürs Velo flicken, dafür hast Du auch nie Zeit.

Und so wetteiferten wir einen ganzen Zopf lang, um unsere Haushalts- und Erziehungspflichten. Würden wir jemals annähernd soviel Energie in Taten stecken, wie in Worte, führten wir einen Musterhaushalt und das Sweethome-Team hätte längst bei uns angeklopft. Tochter I notierte Punkt um Punkt, strich, korrigierte, wertete, derweil Tochter II die geistige Haushaltsführung ihrer Eltern dazu nutzte, sich ein Zopfbrot mit einer verboten dicken Schicht Nutella zu streichen. «13,14,15», zählte Tochter I und kommentierte ihre Liste dann begeistert: «15 : 15! Unentschieden!»

Unentschieden? Das konnte nicht wahr sein. Nein, das durfte nicht wahr sein. Das war doch mein Heimspiel. Ungläubig studierte ich Tochters Liste. Das Unentschieden fühlte sich mindestens so falsch an, wie das Unentschieden der Schweizer Nati gegen Honduras. Und deshalb holte ich zum alles entscheidenden Elfmeter aus: «Ich bin euer Terminkalender und das Auskunftsbüro für alle anderen.», sagte ich. «Wenn Tochter II sich im Hort übergibt, klingelt mein Handy. Wenn wir ausgehen, rufe ich zuvor den Babysitter an. Wenn ich unsere Freunde nicht einladen würde, hätten wir längst keine mehr. Sogar deine Mutter ruft mich an, wenn Sie wirklich etwas wissen will.», sagte ich und holte kurz Luft, nur ganz kurz, um ja nicht unterbrochen zu werden, denn ich war noch lange nicht fertig. Nein, ich hatte erst gerade angefangen. «Alle Arzttermine, alle Schultermine, alle Kindergeburtstage, alle Hochzeiten und Beerdigungen, einfach alles in unserem Leben muss ich mir merken. Ich bin auch ein Terminkalender. Das ist ein logistisch und psychologischer Grossaufwand. Ich jedenfalls hab noch nie einen Mann getroffen, der in seinem iPhone Kindergeburtstage gespeichert hat oder dessen Blackberry ihn mit einer Mitteilung daran erinnert, das Abschiedsgeschenk für Lehrerin zu kaufen.»

«Das mag stimmen», sagte er. «Aber dafür können ich und alle anderen Männer nichts. Es ist nicht mein Fehler, wenn die Schule noch immer glaubt, dass nur eine Mutter ein kotzendes Kind abholen kann. Wenn die Schulzahnärzte meinen, dass die Mama fürs Gebiss zuständig sei. Oder andere Mütter Dich anrufen, wenn sie Kindergeburtstage planen. Und es ist nicht mein Fehler, wenn Du glaubst, über alles Agenda führen zu müssen!»

Auch wieder wahr, dachte ich. Und fragte mich den Rest des Sonntags: Wie können wir Mütter die mentale Checkliste in unseren Hirnen auf die Festplatte der Väter laden? Warum gibt es dafür auch 2010 noch kein WiFi? Unterschätzen wir die väterliche Mitarbeit nur deshalb, weil wir mental stets mit Kinderkram überlastet sind?

Montag, 21. Juni 2010

Er war's!

Nun ist es also soweit: Mein Kind pflegt einen schlechten Umgang. Diese Befürchtung, die früher oder später über allen elterlichen Köpfen schwebt, ist bei uns wahr geworden. Und was tun wir? Nichts.

Denn wir erinnern uns noch zu gut an diese Verbote, über die wir uns problemlos hinwegsetzten: "Ich will nicht, dass du mit dem/der spielst, er/sie ist gemein/ungehobelt/schlecht erzogen" (bitte zutreffendes ankreuzen).

Unser Grosser spielt am liebsten mit dem, den ich am liebsten nicht kennen würde. Ich mag ihn halt einfach nicht. Jetzt könnte man einwenden, dass ich ja bekanntlich die meisten Kinder nicht mag. Richtig. Doch die anderen Freunde meiner Kinder toleriere ich. Denn sie sind anständig und ziemlich diskret. Besagter neuer Freund meines Sohnes ist jedoch vorlaut und nervig. Und hat erst noch nur Seich im Kopf.

Natürlich weiss ich, dass das Benehmen eines Kindes eigentlich nicht dessen Schuld ist. Aus pädagogischer Sicht sind immer die Eltern schuld. Hilft nicht. Er nervt trotzdem.

Nun ist ja bekannt, dass sich Kinder und Jugendliche mehr von ihren Freunden als von den Eltern beeinflussen lassen. Den Beweis dafür lieferte unser Nachwuchs gleich selber. Nachdem er gestern den ganzen Nachmittag mit eben diesem neuen Freund gespielt hatte, fiel ihm nichts besseres ein, als diesem dabei zu helfen, unseren Gehweg auseinander zu nehmen. Einen Pflasterstein nach dem anderen.

"Jungs!" dachte ich im ersten Moment, "müssen immer wissen, wie es "darunter" aussieht!" Doofe Idee, aber für mich nicht weiter tragisch. Ein mittlerer Zusammenschiss und die Sache wäre erledigt gewesen. Viel schlimmer war, dass er mir geradewegs ins Gesicht gelogen hat mit der Behauptung, das seien sie nicht gewesen. Ein mysteriöser Junge (oder Mann, darüber waren sich die Missetäter nicht einmal einig) hätte die Sache verbrochen.

Ein klein wenig stolz war ich auf die Argumentation meines Sohnes, es sei sicher ein Kind gewesen, schliesslich würde ein halbwegs vernünftiger Erwachsener so etwas nicht tun. Seit ich gelesen habe, gut lügen sei ein Beweis für Intelligenz, achte ich auf solche "schlauen" Argumentationen. Wenn schon lügen, dann bitte richtig!

Meine - natürliche, wie ich behaupte - mütterliche Reaktion auf dieses Schlamassel war: Der böse Junge hat mein Baby dazu verführt, etwas Dummes anzustellen und mich dabei erst noch anzulügen! Frechheit!

Nun bin ich dennoch selbstreflektiert genug, um zu merken, dass diese Reaktion eventuell nicht ganz objektiv ist. Auch wenn ich hier sagen muss, dass mein Sohn wirklich nicht kreativ und innovativ genug ist, sich solchen Blödsinn auszudenken. Ich weiss aus Erfahrung, dass er eher der ist, der einen Mist mitmacht, den andere suggerieren. Item. Denkt nicht jede Mutter, ihre Kinder seien eigentlich lieb und nur das Umfeld mache sie zu Lausbuben bzw. Drögelern bzw. Serienmördern? Muss ich ihm den Umgang mit seinem neuen Freund also verbieten? Oder ist das kontraproduktiv? Wenn ich so zurückdenke, dauerte meine erste Beziehung mit dem Langhaarigen trotz vehementer Gegenwehr meiner Eltern viel länger als die nächste Liebelei, bei der sie nichts einzuwenden hatten.

Also darf er seinen Freund behalten, hat aber Hausarrest. Vielleicht hilft es, wenn er ihn auf diese Weise weniger sieht... Und wenn nicht, hat er wenigstens Lügen gelernt. Wer weiss, vielleicht wird er dank dieser Gabe einmal Banker oder Anwalt?

Dienstag, 15. Juni 2010

Leidbilder

Herrgottnochmal, ich bin kein «Elternteil»! Und meine Frau im Fall auch nicht, damit das – Fraugöttinnochmal! – klar ist. Ich bin Vater, sie Mutter.

Von Bänz Friedli

Lese ich in einer Einladung zu einem «themenspezifischen Info- Workshop» das Wort «Elternteil», bekomme ich Püggeli und melde mich, zwecks Vermeidung weiterer Püggeli, vorsorglich ab. Ich weiss gar nicht, ob es aus der juristischen, der feministischen oder der Sozialarbeiterinnen-und-Sozialarbeiter- Ecke kommt, aber das Wort nervt: Elternteil. Sogar der Duden führt den Ausdruck und erklärt, statt ihn als Schwachsinn zu geisseln, er bezeichne «den Teil eines Elternpaares».



Dass ein Wort sprachlich und logisch falsch ist, scheint egal zu sein, Hauptsache, politisch überkorrekt und geschlechtsneutral. Eine Bundesstelle regt gar an, statt Vater und Mutter künftig «das Elter» zu sagen, aber das verschweigen wir hier lieber – Püggelialarm! Und dass in Bern die offenbar für Fussgängerinnen diskriminierenden Fussgängerstreifen neu Zebrastreifen heissen sollen, lächert selbst mich als Frauenfussballversteher. Denn seit wann sind Zebras gelb-schwarz? (Es müsste, wenn schon, YBStreifen heissen. Aber item.)

Als «Elternteil» von Schulkindern lernt man allerhand Neudeutsches. Die Erkenntnis, dass manche dem lieben Gott Allah sagen und manche Brahma, derweil wieder andere – was nicht weiter schlimm ist – gar nicht an ihn glauben, heisst nun «konfessionell kooperativer Religionsunterricht»; das landesübliche bisschen Zank auf dem Pausenplatz wird neuerdings Mobbing genannt, und um diesen Zank zu schlichten, werden Schülerinnen und Schüler als «Konfliktlotsen» und «Peace-Maker» losgeschickt – ungeachtet dessen, dass dies eine heillose Überforderung der Kinder ist. Für die Erwachsenen ists halt gäbig, denn so können wir Eltern unsere Verantwortung (nämlich, die Kinder zu erziehen) an die Schule abschieben; diese wiederum überträgt die Verantwortung, schwupps, den Schülern selbst. Und man stelle sich jetzt mal vor, wie eine neunjährige «Peace-Makerin» zwischen zwei sich prügelnden Sechstklässlern schlichtet …

Sollten Sie nach dem Spiel Spanien — Schweiz eine Aufheiterung brauchen: Googeln Sie Schulleitbilder und lesen Sie sie laut am Familientisch vor! «Die Chancengleichheit für alle, insbesondere die Förderung von Begabten und weniger Begabten, ist gewährleistet », verspricht das Adliswiler Leitbild. Die Förderung von Begabten und weniger Begabten … Da wären wir nie draufgekommen! Besonders gespürig wird in Wettingen geschwurbelt: «Wir pflegen einen wertschätzenden Umgang miteinander. Wir greifen Konfliktsituationen auf und suchen konstruktive Lösungsansätze. Wir gestalten lebendigen Unterricht durch Methodenvielfalt.» Mist, wenn ich jetzt ehrlich bin, gerate ich in Konflikt mit dem Leitbild der Schule Diepoldsau. «Wir gehen offen und rücksichtsvoll miteinander um», steht darin. Sage ich nämlich offen, was ich von solchen Leitbildern halte, fällt es möglicherweise nicht besonders rücksichtsvoll aus: Bla, bla, bla.

Wie mir dieser ganze Jargon auf den … Hoppla, fast hätte ich gesagt: auf den Sack geht. Aber diese Formulierung wäre irgendwie überhaupt nicht geschlechtsneutral.

Bänz Friedli (45) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich / Bild Bänz Friedli

Bänz Friedli live: 17. 5. St. Gallen, Kellerbühne, 20 Uhr

(Bild: dasbunteei.de)

Montag, 7. Juni 2010

Mehr Gelassenheit in der Erziehung


"Cool down" heisst ein Buch, dass Eltern zu mehr Gelassenheit in der Erziehung ermutigen soll. Hab's noch nicht gelesen, klingt aber nach Lektüre, die ich auf jeden Fall empfehlen würde.

Cool down im Tages Anzeiger

Cool down im Kaufleuten

Cool down im Migros Magazin

Dienstag, 1. Juni 2010

Happy Birthday und schlaf gut!

Früher war alles anders. Auch die Geburtstage. Es wurde gefeiert, und wie! Heute? Bin ich froh, wenn die Kinder früh im Bett sind.

Ich wäre auch froh gewesen, wenn die Kleine nicht ganz so früh aufgewacht wäre. Fünf (!!!) Uhr morgens! Sie wollte wohl die erste sein, die mir zum Geburtstag gratuliert. War sie auch.

Früher gab es lasziven Morgensex, gefolgt von einem feinen Frühstück in einem netten Kaffee. Danach freundliche Arbeitskollegen, Blumen von Fleurop, ein gemütliches Mittagessen und nach der Arbeit war Party angesagt!

Ich wurde schon zum Geburtstag nach Venedig eingeladen oder durfte die Einzelteile eines Citybikes auspacken, schliesslich konnten wir am Wochenende tun und lassen, was wir wollten (nachdem wir ausgeschlafen hatten).

Heute? Quengelnde Kinder, Bad Hair Day, wenig Schlaf und keine Lust auf Leute. Kurz: Ein Tag, der nie enden will. Das Beste war heute das kleine Nickerchen bei der Nonna, die währenddessen auf meine Kinder aufpasste.

Dennoch verspricht der Tag besser zu werden: Mein Mann, Blumen und Sushi werden mir den bisher miesen Geburtstag versüssen. Und das Fummeln an meinem neuen iPod! Geburtstage sind doch was Wunderbares!

P.S. Nein, das Sushi-Bild ist nicht verpixelt, es sind Lego-Sushis. Cool, nicht? (Bild: Gizmodo)

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