Montag, 30. Januar 2012

Krippenkinder sind....

Eine Studie will Beweise für die negativen Auswirkungen von Kinderkrippen auf die Sozialkompetenz der Kinder haben. Wieso man auch diese besser ignoriert.

«Studien zeigen: Krippenkinder sind agressiver» So titelte Der Sonntag gestern und entfachte einen Sturm im Wasserglas. Und das bei einem Thema, das sowieso schon die Gemüter erhitzt, Mütterkriege mit Waffen versorgt und das dem Wort «Rabenmutter» einer neuen Hochkonjunktur unterzieht. 
  Kurz zur Studie: Die Studie bestätige, dass Krippenkinder nicht per se schlauer, früher entwickelt und sozial kompetenter seien. «Im Gegenteil: Vor allem bei Kindern, die schon früh, also im ersten Lebensjahr, während mehr als zehn Wochenstunden in einer Kindertagesstätte (Kita) betreut werden, leiden das soziale Verhalten und die psychische Gesundheit.

Das haben Wissenschafter rund um den Engländer
Jay Belsky, heute Psychologieprofessor an der University of California in Davis, USA, mit einer gross angelegten, inzwischen 15 Jahre andauernden Langzeitstudie belegt. «Eine geringfügige Verbesserung in kognitiven Fähigkeiten wie Spracherwerb oder Lesenlernen» attestiert Belsky den untersuchten 1300 Kindern. Zugleich aber auch «vermehrt Aggressivität, unangepasstes Risikoverhalten und soziale Auffälligkeiten».

Genauso undifferenziert, wie de Behauptung Krippenkinder seien «per se schlauer, früher entwickelt und sozial kompetenter», ist die Behauptung «Krippenkinder sind aggressiver.» Soziale Kompetenz kann geübt werden. Eltern können ihrem Kind Voraussetzungen dafür schaffen, dass ein Kind mit anderen Kindern interagiert und so lernt, dass sich die Welt nicht nur um sie dreht. Das geschieht entweder zu Hause, an Nachmittagen mit Gspänli, in der Spielgruppe oder eben in der Krippe. Wenn die Eltern dabei sind, geht man einfach davon aus, dass das Kind also besser lernen soll, wie soziale Kompetenz funktioniert und entsprechend einen weniger aggressiven Charakter entwickelt?

Meine Erfahrung zeigt, wenn schon, das genaue Gegenteil. Tatort Spielplatz: Mamis, die andere Mamis belehren, ihr Leon solle doch bitte die kleine Lea nicht mit Sand bewerfen, obwohl Lea den «aggressiven» Leon seit 10 Minuten damit nervt, dass sie seine Schaufel will und er sie trotz verbalen Versuchen nicht zur Vernunft bringen konnte. Also wirft er mit Sand, einfach weil er entnervt ist. Ein entnervtes Kind. Doch keiner sagt der kleinen Lea, dass sie einfach eine rechthaberische Zicke ist, die doch bitte mit ihrer eigenen Schaufel spielen soll. In der Krippe würde man ihr das beibringen. Zumindest in einer guten. 

Und da liegt eben genau das Problem, das geben sogar jene zu, die oben genannte Studie unterstützen: Carola Bindt, Kinderpsychiaterin der Universität Hamburg erklärte dem Sonntag, die Krippen müssten nicht abgeschafft, sondern verbessert werden. Nicht nur ausgebildetes Personal, sondern vor allem kinderliebende Betreuer/innen seien gefragt. Denn Kinderkrippen kann man natürlich nicht einfach schliessen. Sie findet auch, dass Mütter, die auf «Fremdbetreuung» angewiesen seien, ihr plagendes schlechtes Gewissen nicht unnötig strapazieren sollten. Ja, wie denn, bitte schön, wenn dauernd solch pauschal mediatisierte Artikel zu lesen sind?

Deshalb wird jetzt an diesem Thema gearbeitet: «Was macht eine gute Krippe aus? Das wollen die Jacobs-Stiftung und der Verband Kindertagesstätten der Schweiz (KiTaS) endlich klar definieren: Sie erarbeiten bis 2013 ein umfassendes Qualitätslabel für die rund 1000 Kindertagesstätten der Deutschschweiz.» so der Sonntag weiter. Gut so.

Jay Belkin, der diese Studie mit dem reisserischen Aufmacher herausgebracht hat, ist übrigens für seine polemischen und reisserischen Aussagen bezüglich fremdbetreuter Kinder bekannt. Bereits 2001 beschwerten sich Kollegen, er suche dauernd «das Scheinwerferlicht und mache alarmierende Aussagen, die seine Studien gar nicht so klar hervorbrächten, wie er das behaupte». Eine Studie ist eben immer nur soviel wert, wie das erwünschte Ergebnis, dass der Auftraggeber in seiner Agenda hat. Sonst würden die positiven Aspekte genauso thematisiert, nämlich «Verbesserung in kognitiven Fähigkeiten wie Spracherwerb oder Lesenlernen». Oder haben Sie das etwa nicht gelesen?

Freitag, 27. Januar 2012

Menschen im Babywahn

Frischgebackene Eltern haben nur ein Thema: Ihr Baby. Und das kann mitunter nerven.

Vor kurzem waren wir zum Abendessen eingeladen. Bei Menschen mit Kindern. Doch nicht alle Anwesenden hatten Nachwuchs, ein einziger, im Laufe des Abends wahrscheinlich auch einsamer Junggeselle war auch dabei. Der Bruder der Nachbarin der Gastgeberin, oder so ähnlich. Egal, auf jeden Fall sass ich neben ihm und bekam so mit, was dieser Abend für ihn bedeuten musste. Mein Gefühl sagte mir, dass er sich so vorkam wie ich damals, als ich inmitten Drogen einwerfender Beinahe-Männer sass, die überhaupt nicht verstehen wollten, wieso mich die Beschreibungen ihrer Halluzinationen so gar nicht interessierten.

Besagtem Junggesellen wurden keine Rauschzustände beschrieben, aber ein ähnlicher Wahnsinn: Babies. Denn frischgebackene Eltern sind auch auf Drogen, Babextasy. Eine Art Wahn. Mit entsprechenden Vorstellungen, wie beispielsweise, dass sie die ersten und einzigen mit Baby sind. Weshalb sie einem ja alles darüber – wirklich ALLES – erzählen müssen.
Natürlich gehörte ich damals, als Frischgebackene, auch zu dieser Spezies. Mein Sohn war viel Süsser als alle anderen und seine Fortschritte faszinierten mich derart, dass ich alle damit belästigte. Doch heute sind die Kinder grösser und mir ist klar, dass sie genauso süss und klug sind wie die meisten anderen auch. Deshalb möchte ich jungen (oder werdenden) Eltern eine Liste mitgeben, mit den Dingen, die kinderlose Menschen nerven, damit sie gewisse Aussagen vielleicht in Zukunft vermeiden: 
  • Öffentliches Wickeln, bspw. am Nebentisch oder auf der Parkbank.
  • Väter mit Tragetüchern.
  • Das Profilfoto mit einem Babyfoto ersetzen.
  • Baby-Esoterik (Rosenquarz im Kinderzimmer etc.).
  • Gespräche über Stoffwindeln (und deren Inhalt), Muttermilch, Dammriss und Impfdebatte.
  • Väter, die ihr Kind der Mutter in die Arme drücken, sobald es darum geht, es zu füttern/wickeln/beruhigen.
  • Das Baby immer dabei haben müssen bzw. nur noch zuhause verabreden.
  • Fishing for compliments für das Baby, und dies meist nicht sehr diskret.
  • Eltern, die ihren Kleinen einen Sitzplatz überlassen, obwohl das Tram berstend voll ist.
  • Reinlichkeitswahn (Nuggi sterilisieren, Schuhe ausziehen).
  • Babysprache!
Und weil Eltern so viel über ihr Kind reden, hier ein paar Sätze, die Sie vermeiden sollten:
  • «Finn macht gerade eine total anhängliche Phase durch», denn diese Phase wird 18 Jahre andauern, wenn Sie nicht aufpassen!
  • «Können wir bitte um 18.00 Uhr essen, Eusebia braucht ihren festen Rhythmus.» Als ob das Baby mit Ihnen am Tisch sitzen müsste, während es seinen Brei schlürft...
  • «Ein Leben ohne Kinder können wir uns gar nicht mehr vorstellen». Das kommt schon wieder, keine Angst!
  • «Er isst jetzt Rüeblibrei, aber ich stille gleichzeitig noch.» Im Ernst, wen interessiert’s?
  • «Er macht Riesen-Gaggis, sag’ ich dir!» Siehe oben.
  • «Er ist sehr neugierig.» Und deshalb muss er auf mein iPhone sabbern?
  • «Halt doch bitte mal den Kleinen, während ich auf’s Klo gehe.» Nicht alle finden es toll, ein Baby im Arm zu haben, also erst abklären.
  • «Das wirst du schon noch verstehen, wenn du mal Kinder hast.» Der nervigste Satz aller Zeiten. Und wenn die Kinder dann da sind, denkt man GENAU DAS!
Den oben erwähnten Junggesellen habe ich übrigens gefragt, was er von all dem Babywahnsinn hält, er meinte nur: «Nach 10 Minuten habe ich aufgehört zuzuhören. Ach ja, und ich muss jetzt los, bin noch verabredet.»
Habe ich etwas vergessen? Was hat euch damals gestört, als ihr noch keine Kinder hatten?

Donnerstag, 19. Januar 2012

Generation Retro


Die nächste Generation scheint alten Rollenbildern nachzueifern. Und die Mütter sind schuld daran.

Neuer Feminismus, Rollenmuster aufbrechen, Wochentagspapis und Karrieremütter. Lauter Themen, denen wir immer wieder begegnen, mit mehr oder weniger positiver Färbung. Grabenkämpfe, die wir ausfechten und die bereits die Köpfe unserer Eltern rot werden liessen. 


Umso erschreckender ist deshalb die Erkenntnis, dass die heutige Jugend nicht viel weiter ist als wir damals. Mit zwanzig diskutierten wir auch – und tun es manchmal heute noch – ob wir uns vorstellen könnten, zu studieren, zu arbeiten, um dann die hart verdiente Karriere zwecks Kindererziehung aufgeben zu wollen. 
Der Beobachter fragt sich in seiner neuen Ausgabe, was die Jugend denn nun wirklich beschäftigt. Die «Lauschangriffe» auf drei junge Frauen und drei junge Männer sind ernüchternd, um nicht zu sagen enttäuschend.

Familienplanung ist Frauensache
Doch zuerst zum Positiven: Diese jungen Frauen und Männer scheinen sehr selbstbewusst zu sein und mit beiden Beinen im Leben zu stehen. Sie machen sich keine Illusionen darüber, dass das Leben kein Zuckerschlecken ist und wissen, dass man etwas für sein Glück tun muss.

Wenn die jungen Erwachsenen jedoch konkret werden sollen, wird schnell klar, wie veraltet ihre Rollenmuster immer noch sind. So sprechen die Männer viel über Karriere, Geld und Ausbildung und nennen die Familie «mehr ein Symptom des Lebens, als ein Ziel», ein Nebenprodukt also. Das liege auch daran, dass sich das Meiste sowieso «nicht planen» liesse, also wieso sich den jungen Kopf zerbrechen? Bei den Mädchen hingegen wird die Familie bereits in die Wahl des späteren Berufes mit einbezogen, was an sich natürlich vernünftig ist. Doch es sei eben halt auch mühsam, denn «man müsse alles planen». Ausserdem gäbe es immer noch Männer, die von einer Frau erwarten, dass sie sich um den gesamten Haushalt kümmere.

Das wundert nicht weiter, wenn man den Jungs zuhört: Auf die Frage hin, ob sie sich denn auch um Kind und Küche kümmern würden, erfährt man, dass man «gegen einen freien Tag pro Woche» ja nichts haben könne. Junge Männer scheinen heute immer noch zu denken, Kindererziehung und Haushalt hätten etwas mit Freizeit zu tun... 
Die Familienplanung ist also immer noch Sache der Frau und Männer definieren sich immer noch über ihre Karriere. Auch 2012. Auch für die nächste Generation.

Mütter, erzieht eure Söhne!
Woran liegt das nur? An den Vätern, die den Jungs ein schlechtes Vorbild sind, weil sie es gerade mal schaffen, den Müll rauszutragen und das Altpapier zu bündeln? Wenn es aber darum geht, die Waschmaschine anzuwerfen restlos überfordert sind? Wie soll ein junger Mann das Bild eines modernen Mannes «eingetrichtert» bekommen, wenn der eigene Vater keiner ist?

Und wieso ist Papa kein Wäsche waschender, kochender und putzender Mann, der liebevoll die Kinder erzieht? Wenn ich mich im Freundeskreis umhöre, wird sehr schnell klar warum. Weil Mama es nicht zulässt. Meist unbewusst, jedoch nicht weniger überzeugend erklären mir mehrfache Mütter, die teils erwerbstätig sind, sie würden halt vieles lieber selber erledigen, weil ihr Mann es eben nicht so gut könne. Oder am Beispiel der Umfrage über den männlichen Sockenkauf erklärt (Ein Viertel der Schweizer Männer delegieren den Sockenkauf an ihre Frauen): Wieso lassen Frauen ihre Männer nicht einfach ihre löchrigen Socken und kümmern sich um die eigenen Strümpfe?

Wie soll Vater also Vorbild sein, wenn Mutter ihn daran hindert? Und wenn sie ihn nicht lässt, wie steht es dann um die Söhne? Dass die ebenfalls nicht dürfen und es entsprechend nicht lernen, liegt irgendwie auf der Hand oder nicht? Das Klischee der italienischen Mamma, die nicht will, dass Sohnemann im Haus Hand anlegt, scheint die geographischen Grenzen längst überschritten zu haben.

Nun fragt sich, wieso Frauen und Männer immer noch so hart für die Auflösung starrer Rollenverteilungen und veralteter Clichés kämpfen, wenn wir dabei vergessen, unsere Kinder entsprechend zu erziehen.

Wenn wir unsere Ideale verfolgen und unsere Bedürfnisse verfechten, sollten wir daran denken, unsere Kinder daran teilhaben zu lassen, damit die nächste Generation weniger Arbeit hat. Denn was nützen Diskussionen, wenn jede Generation dieselben Fragen von neuem beantworten muss?

Mittwoch, 18. Januar 2012

«Alles schien möglich»

Illustration: Marcos Chin
Die grösste Illusion unserer Generation? Das wir alles tun können, wie die Männer auch! Doch wenn der Alltag zuschlägt... Die Ernüchterung einer ganzen Generation Frauen.

Von Julia Hofer für die annabelle

Es hat alles so gut angefangen. Sie sind in den Siebzigerjahren mit den Buben auf die Bäume geklettert und haben in den Achtzigern mit ihren Freundinnen Selbstverteidigung gelernt. Keine Sekunde haben sie daran geglaubt, dass sie weniger erreichen könnten als ihre Brüder und Schulkollegen. Emanzipation und Gleichberechtigung waren die Schlagworte der Stunde. Ihre Mütter sympathisierten mit der Frauenbewegung und impften ihnen ein, wie wichtig Bildung ist. Die Töchter folgten dem Rat der Mütter: Sie stürmten die Gymnasien und später die Universitäten. Alles schien möglich.

Montag, 16. Januar 2012

Von Ex-Männern und Stiefmüttern

Scheiden tut weh. Was Sie dabei erwartet, wenn jemand Neues die Bühne betritt.

Als wir heirateten, zögerte praktisch niemand in unserem Umfeld, uns Tipps zu geben, wie es klappen wird. Vom Hochzeitsfest, über Kindererziehung, bis hin zu Ferienzielen, alles wurde kommentiert und immer wusste jemand einen Rat. 

Nun klappen statistisch gesehen die Hälfte der Ehen nicht. Man trennt sich, lässt sich scheiden und was tun Freunde und Bekannte? Sie beteuern, es tue ihnen leid, laden einen zum Essen ein und fragen (immer seltener), wie es einem geht. Doch wirklichen Rat, wie man sich verhalten soll oder was man zu erwarten hat, will keiner haben. Gerne geben wir Ihnen die Tipps von Judy Silk, Bloggerin bei der Huffington Post weiter. Was Sie nach der Scheidung erwartet, vor allem, wenn neue Partner die Bühne betreten: 
1.  Erwarten Sie nichts mehr von Ihrem Partner: Ist die Scheidung über die Bühne, wird er Interesse mehr an ihnen zeigen und weiterziehen. Die Chancen für Sex stehen schlecht, also wird er auch nicht besonders zuvorkommend sein.
2.  Weniger Sorgerecht = mehr Energie: Logisch, nicht? Wer die Kinder weniger bei sich hat, hat mehr Energie für sie – und anderes. Vor allem wenn er/sie weiss, dass sie nach 48 Stunden wieder weg sind.
3.  Des Verlassers Schuldfaktor: Wer verlässt, wird weniger Mühe mit dem neuen Partner des anderen haben. Die neue Liebe des Verlassers wird hingegen immer ein Dorn im Auge des Verlassenen sein.
4.  Daddy soll glücklich sein: Egal ob Söhne oder Töchter, sie werden immer hoffen, Daddy sei jetzt glücklich, während Mami einfach weitermacht wie bisher. Wieso das so ist, weiss niemand.
5.  Die Neue wird über Sie urteilen: Über Ihre Art, wie Sie Ihren Ex behandelt haben, über Ihre Frisur bis hin zu Ihrem Erziehungsstil. Lassen Sie’s gut sein, den Kindern zuliebe.
6.  Ein neuer Partner ersetzt den Vater nicht: Patchwork hin oder her, sofern keine Misshandlungen stattfanden und die Kinder ihren biologischen Vater lieben, wird ein neuer Partner kein Ersatz sein. Egal, wie sehr Sie es sich wünschen.
7.  Die Ex-Familie wird über Sie urteilen: Egal, ob Sie verlassen wurden oder verlassen haben, Ihre Ex-Familie wird die Trennung kaum goutieren. Ignorieren, freundlich bleiben. Es ist auch die Familie Ihrer Kinder.
8.  Kinder sind keine Fans von Patchwork: Es können sich Freundschaften zwischen Ihren und den Kindern Ihres Partners bilden. Oder auch nicht. Versuchen Sie, das Ganze aus der kindlichen Perspektive zu sehen, erzwingen kann man «Geschwisterliebe» auf keinen Fall.
9.  Familienfestlichkeiten: Es wird immer wieder Zeiten geben, bei denen sich Ex und Neue treffen müssen, Diplomfeiern, Fussballspiele, Theateraufführungen, Beerdigungen. Am besten tun Sie so, als kämen sie gut miteinander aus. Denken Sie an die Kinder und ignorieren Sie Ihren Ex, der sein neues Glück auf einem Tablett vor sich rumträgt.
So, nun sind Sie gewappnet für alles, was bei einer Scheidung auf Sie zukommt. Sofern sich weder Vater noch Mutter besonders schwierig anstellen. Oder was meinen Sie?

Donnerstag, 12. Januar 2012

Halbe Frauen zwischen Kind und Karriere

«Nichts entschuldigen, nichts erklären»: Ein neues Buch gibt Tipps, wie Frauen Homeoffice und Selbständigkeit einsetzen können, um nicht in die Hausfrauen-Falle zu tappen.

Wir schreiben das Jahr 2012 und Eltern sind immer noch hin- und hergerissen zwischen Job und Familie. Väter und Mütter – vor allem Letztere – müssen sich entscheiden zwischen einer Vollzeit-Karriere und einer Teilzeit-Mutterschaft  - oder umgekehrt. Also keinen Beruf mehr (mit der Folge der finanziellen Abhängigkeit) und Tage gefüllt mit Geschwister-Zank, Unterhosen-Falten und Fischstäbchen-Kochen. Wie immer man es dreht, Frau fühlt sich wie entzweit. 


Die halbe Ehefrau
Gaby Hinsliff
, ehemalige Redaktorin beim britischen Guardian und Bloggerin, erklärte 2009 in eben dieser Zeitung, sie habe sich entschieden, ihren Job aufzugeben und als Vollzeit-Mutter zu fungieren. Als logische Folge davon, erscheint in diesen Tagen ihr Buch «Half a Wife: The Working Family’s Guide to getting a Life Back», dass sie schrieb, um sich selber zu erklären, «wieso um Himmels willen» sie das getan hatte. 


Die Britin beschreibt wunderbar, wie diese Frauen, die einst im Job «Jemand» waren, «Jemandes Mutter» geworden sind, wie sie vergebens auf ihren Blackberry starren und auf eine Nachricht aus dem Büro warten, denn da ist kein Büro mehr, das ihnen etwas mitteilen möchte.
Sie nennt dieses Phänomen, dass Mütter vermehrt an den Herd bindet, weil ihnen in den Medien dieses kollektive schlechte Gewissen eingetrichtert wird, das «21st-century culture of domesticity», die «Kultur der Häuslichkeit im 21. Jahrhundert» und verurteilt das Bild der perfekten Mutter, die sich rund um die Uhr um Kind und Küche kümmert. Das Problem liege derweil «nicht beim Leben, das wir führen, sondern bei der Vorstellung, die wir davon haben, Hausfrau zu sein. Einen tollen Job aufzugeben tut weh und was frau im Vergleich zu Hause vorfindet, entspricht für die meisten eben nicht derselben Erfüllung.»
Die Karriere als Z
Hinsliff schlägt deshalb das Konzept der «halben Ehefrau» vor: Teilzeit-Arbeit für beide Partner. Zu offensichtlich? Vielleicht. Aber Hinsliff gibt in ihrem Buch ein paar Tipps, die sich bereits junge Paare auf jeden Fall einmal zu Gemüte führen sollten:
  • Überlegen Sie sich bereits bei der Karriereplanung, dass früher oder später einmal Kinder im Spiel sein werden. Auch die Herren unter Ihnen. 
  • Sehr bildlich stellt sie die ideale Karriere-Form für Eltern darf: Wie ein Z sollten erst einmal horizontal Erfahrungen gesammelt werden, um dann diagonal in die Höhe zu schiessen, so dass wenn die Kinder da sind, der Job wiederum horizontal gehalten werden kann. 
  • Der Weg der Selbständigkeit sollte sehr ernsthaft geprüft werden. Diese gibt Eltern nämlich die Möglichkeit, ihren Tag flexibel zu organisieren, anstatt auf Teilzeit umzustellen. Oder beides. 
  • Arbeitnehmerinnen sollten nach dem Mantra «Nichts entschuldigen, nichts erklären» arbeiten. So nennt die Autorin das Homeoffice, das dank WiFi und Smartphones einfacher denn je funktioniert. 
Einmal mehr wird ein Buch wie «Half a Wife» keine Hilfe sein für Eltern, die im Supermarkt Regale auffüllen oder für Mütter und Väter, deren Jobs ihre physische Präsenz erfordert. Doch Bürogummi-Mütter, die sich überlegen, ihren Job aufzugeben, sollten Hinsliffs Tipps unbedingt lesen, bevor sie diesen grossen – und so oft desillusionierenden – Schritt wagen. Spätestens, wenn «Half a Wife» auf deutsch erscheint. 


Dieser Artikel erschien am 10. Januar auf clack.ch.

Dienstag, 10. Januar 2012

Apps, die wir uns wünschen

Für alles mögliche gibt es heute Apps, aber als Mutter zweier Kinder komme ich nicht umhin zu denken, dass die wirklich nützliche App noch nicht erfunden wurde. Hier also mein Aufruf an alle Technik-Geeks da draussen. Ich bräuchte ganz dringend:
Eine «Babysitter-sofort-zur-Stelle-App»
Denn wenn man einen braucht, findet sich bestimmt keiner. Die Grossmütter haben ein eigenes Leben, die Nachbarstochter hat einen Freund und Gotti und Götti haben selber Kinder. Ausserdem sind es oft genau die Personen, mit denen man wiedermal auswärts essen will, also kommen sie für das Sitting nicht in Frage. Natürlich müsste die App einen Babysitter liefern, der seriös, volljährig und liebevoll ist, den Kopf voller Bastelideen hat und gut kochen kann. 

Ausserdem wären folgende Apps sehr hilfreich:
Einen «Geschwister-Streit-Wer-hat-angefangen-Detektor»
Brauche ich dies auszuführen? Das dachte ich mir. 

Einen «Säuglings-Weinkrampf-Versteher»
Hunger, müde, Windeln voll? Mit der Zeit erkennt man die Unterschiede (vielleicht), am Anfang wäre eine solche App ein LEBENSRETTER! 

Ein «Bauchschmerzen-Detektor»
Was heisst «Mami, ich hab' Bauchweh» genau? Braucht das Kind Aufmerksamkeit? Hat es zu schnell gegessen? Oder wird es mir gleich auf den nigelnagelneuen Wohnzimmer-Designer-Teppich der Nachbarin kotzen, die natürlich selber keine Kinder hat?  

Ein «Wäsche-Falter»
Auch hier brauche ich wohl nicht mehr zu sagen... 

Ein «Trotz-Anfall-Warner»
Kinder im Trotzalter sind ähnlich wie Frauen mit PMS: Vollkommen unberechenbar! Da wäre es doch schön, wenn wir vorher schön wüssten, ob der Kleine im Supermarkt wieder einmal ausflippen wird, oder ob er bis zu Hause damit wartet, oder nicht? (Während ich dies hier schreibe, hat meine Tochter gerade einen ihrer «Ich-weine-jetzt-total-ohne-Grund-dafür-ganz-laut-und-ganz-lange»-Anfälle. Ehrlich!) 

Und nicht zuletzt, wäre ein
«Happy-Family-Maker» von Nöten
Und zwar immer dann, wenn andere Leute einen sehen können: Im Restaurant, an Familienfeiern und bitte auch bei langen Autofahrten.

Mit diesen Apps würde nicht mehr so viel schief laufen, oder habe ich etwas vergessen?

Freitag, 6. Januar 2012

Die Killerfrage


Eine frisch gebackene Mutter fragt man nicht, was sie heute getan hat. Nie.

Der Monsieur und ich pflegten gleich nach der Geburt unserer Kinder die klassische Rollenaufteilung: Er verdiente die Brötchen, ich kümmerte mich um Kind und Küche. Ich hatte mich sehr auf diese Zeit gefreut, alleine zu Hause mit meinem Baby, ein bisschen Haushalt, gemütliche Spaziergänge und g a a a n z viel schmusen ... Worauf ich gar nicht vorbereitet war, ist das Phänomen, dass die Tage mit einem Säugling viel kürzer sind als vorher. In den zwei Stunden, in denen ich früher die gesamte Wohnung gestaubsaugt, die Böden gewischt, Küche und Badezimmer geputzt und sogar zwei Zigarettenpausen eingelegt hatte, schaffte ich als frisch gebackene Mutter gerade mal Folgendes: den Staubsauger aus dem Putzschrank zu holen. Der lag dann den halben Tag da, um mich daran zu erinnern, was ich morgens eigentlich vorgehabt hatte. Irgendwie kam dauernd etwas dazwischen: eine volle Windel, ein hungriges Baby, ein nasser Body oder die Freundin, bei der ich mich rechtfertigen musste, wieso ich so selten anrief.

Was passiert mit der Zeit, wenn man einen Säugling zu Hause hat? Gibt es wie in MOMO graue Männer, die einem die Stunden stehlen? Die Tage gingen vorüber wie im Flug. Kein Putzen, keine Wäsche, keine Spaziergänge, nur wenig Schmusen. Wenn ich wirklich einmal aus dem Haus musste (was ich oft bewusst vermied, weil es mir zu kompliziert war), dann schaffte ich das selten vor Mittag — oder ich verschob den Termin gleich ganz, weil Emma zum geplanten Zeitpunkt schlief und man ein Baby bekanntlich nie wecken sollte. (Ich bin ja nicht blöd!) 


Erschwerend kommt hinzu, dass jeder, der schon ältere Kinder hat, einem nahe- legt, man solle diese Zeit geniessen, sie gehe so schnell vorbei. Ja, wie denn bitte schön? Und was gibt es da denn genau zu geniessen? Das endlose Stillen? (Ein Baby trinkt anfangs alle zwei bis drei Stunden, Dauer: mindestens dreissig Minuten. Schon die Nahrungsaufnahme des neuen Erdenbürgers kostet einen demnach bis zu sechs Stunden pro Tag!) Hinzu kommen rund anderthalb Stunden Wickeln und durchschnittlich eine halbe Stunde Spazierengehen (in meinem Fall nur bei trockenem Wetter und angenehmen Temperaturen). Fazit: Bei der nur rudimentären Säuglingsbetreuung gehen täglich bereits acht Stunden drauf! Ein Arbeitstag, sozusagen.
 

Entsprechend gross war der Frust, wenn der brötchenverdienende, krawattierte und immer noch gut riechende Monsieur abends nach Hause kam und mich (noch im Pyjama, ungewaschen und mit Babykotze auf der Schulter) fragte: „Na, was hast du heute gemacht?“ „Nicht viel, aber in einer Minute werde ich dich erwürgen!“, lag als Antwort nicht drin. Das war auch mir klar. Nach einem langen Tag, an dem ich nichts Offensichtliches geschafft hatte, streute solch eine — wenn auch gut gemeinte — Frage jedoch Salz in die Wunde. Jede Erklärung, wieso der Staubsauger seit zwei Tagen im Korridor liegt und du aussiehst als kämst du gerade aus dem Bett, ist müssig. Sie wird immer nach Rechtfertigung klingen. Und ich hatte die klassische Rollenverteilung nicht gewählt, um mich dann rechtfertigen zu müssen! Also erfand ich lange Spaziergänge, angefangene Artikel oder unerwarteten Besuch, für den ich noch schnell ein Mittagessen gezaubert hatte. 

An dieser Stelle ein Aufruf an alle frischgebackenen Väter: Bitte fragt eure Frauen nicht, was sie den ganzen Tag getan haben. Begnügt euch mit einer Umarmung und einem Kompliment über ihr Aussehen — auch wenn’s im Zweifelsfall ein falsches ist. Vielleicht ist das das Geheimrezept für ein harmonisches Miteinander in den ersten paar Monaten mit einem Säugling: Papa und Mama müssen sich gegenseitig anlügen, damit alle über die Runden kommen.

Dieser Text ist ein Auszug aus meinem Buch. Oder habt ihr es etwa noch nicht gelesen?


Dienstag, 3. Januar 2012

Wenn Papa der Chef ist

Übernimmt die Tochter die Firma des Vater, bleibt es dennoch Papas Business, behauptet ein neues Buch.

Väter brauchen sich heute keine Sorgen mehr zu machen, wenn es unter den Nachkommen keinen Sohn gibt, der das Familienunternehmen übernehmen kann. Die Tochter tut’s in vielen Fällen auch. Die Hindernisse sind jedoch immer noch nicht ganz aus dem Weg geräumt, wie Daphne Halkias in ihrem Buch «Father-Daughter Succession in Family Business» beschreibt. So warten viele Väter lieber ab, bis Töchterchen heiratet oder diese zögern selber, in Daddys Imperium einzutreten, aus Angst vor Konflikten.

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