Donnerstag, 31. Mai 2012

Helden am Herd

Männer der Generation X kochen gern und vor allem anders. Mit Genuss und viel Lob wandeln sie sich vom Brötchenverdiener zum Brötchen-Backer. 

Die Grillsaison wurde am Pfingstwochenende definitiv eröffnet und damit die Hochsaison für «kochende Männer». Immer vorausgesetzt, dass die Tätigkeit des «Fleisch auf den Grill werfen, einmal drehen und servieren» überhaupt als kochen akzeptiert wird. Da sind sich Männer und Frauen nicht immer einig, zumal die Erfahrung zeigt, dass die Beilagen beim Grillen meist Frauensache bleiben.  


Allerdings ist es unfair, wenn man ihre Kochkünste auf die Verwertung von rohem Fleisch reduziert. Denn nicht nur der Grill hat bei den Männern Hochkonjunktur. Den Platz am Herd haben sie erobert und das nicht nur in Drei-Sterne-Restaurants und TV-Shows. Die Wandlung vom alleinigen Brötchen-Verdiener zum Brötchen-Backer ist in vollem Gange und bekommt ihnen: Männer kochen gut, viel und gerne. Und das nicht nur am Wochenende, wenn Zeit und Musse es zulassen, auch wenn dies manch eine Frau dem starken Geschlecht gerne unterstellt.

Zu Unrecht, wie ein Bericht der University of Michigan zeigt, der die Kochgewohnheiten der Generation X während der letzten 25 Jahre untersucht hat. Von den 3000 Befragten, gaben verheiratete Frauen an, 51 Mahlzeiten pro Monat zu kochen, die Männer lagen mit 34 zubereiteten Mahlzeiten pro Monat gar nicht so weit zurück. Und sie lassen sich für ihre kulinarischen Taten gerne inspirieren. Sie kaufen fast genauso oft ein wie Frauen, schauen regelmässig Koch-TV-Shows und abonnieren Food-Magazine.

Die Gastrosexuellen sind im Kommen 
Ganz auf die männliche Zielgruppe ausgerichtet ist das Magazin«Beef». Es erschien vor zwei Jahren zum ersten Mal und weist laut Verlag bereits eine Auflage von 50'000 Exemplaren auf. Dass die Zeitschrift am Kiosk neben dem Playboy liegt, ist ein Indiz für den Begriff des «Gastrosexuellen», der kochende Generation X-Männer so beschreibt: «Männer, die Kochen nicht als Haushaltsaufgabe begreifen, sondern als Hobby, um Freunde und potenzielle Partner zu beeindrucken». Das Aufhebens, das Hobby-Köche mit Vorliebe und lautstark um ihr Können machen, ist hinreichend bekannt. Uneinig sind sie sich über die Wirkung auf das weibiiche Geschlecht, so wird insbesondere in den Foren von Online-Dating-Plattformen heftig darüber diskutiert, ob männliche Kochkünste auf dem Beziehungsmarkt gefragt sind oder doch eher als Eindringen in eine traditionell weibliche Sphäre wahrgenommen werden.

Nicht um die Vormachtstellung in der Kochzone oder Imponiergehabe ging es Daniel Duane, Autor von «How to cook like a man». Die Motivation zu kochen sei aus demselben Dilemma entstanden, das alle Eltern auf der Welt kennen: Zwischen 17.00 und 19.00 müssen die Kinder wachgehalten, gebadet und gefüttert werden. Letzteres trifft in jedem Alter zu und war für Duane eine kristallklare Wahl: Er übernahm das Abendessen, seine Frau das quengelnde Baby, so Duane im «Wall Street Journal». Da er jedoch kaum mehr als Spaghetti und Angebratenes fertig brachte, fing er an, sich durch Alice Waters Kochbücher zu kochen, bis er alle acht durch hatte und die gesammelten Rezepte anderer Chefs ebenfalls ausprobierte.

Männer kochen anders
Kein schlechter Tausch, wie man zugeben muss. In seinen «Memoir of a Cookbook Obsession» erklärt er nicht nur, wie ein Mann kocht und die Welt des guten Essens sieht, sondern auch, was Männer in der Küche anders machen. Hier einige Beispiele:

Anerkennung: Das Klischee des Mannes, der für seine harte Arbeit gelobt werden will, stimmt.

Me-Time: Männer kochen auch, um etwas Zeit für sich zu haben. Um ihre Kreativität entfalten zu können. Mit einem Glas Wein und dem Kochbuch zur Hand, unterscheiden sich moderne Männer kaum von unseren Vätern und Grossvätern, die Bier und Zeitung genossen, während Mama sich um den quengelnden Nachwuchs kümmerte.

Meister: So wie das Drachen-Fliegen-Lassen oder der Basketball-Dunk geübt wird, geniesst Mann es, dank vieler Übung ein guter Koch zu werden und darüber mit anderen Küchenfanatikern zu fachsimpeln. Was ihm wiederum Anerkennung bringt, siehe oben.

Tools: Männer lieben ihr Werkzeug, neuerdings auch in der Küche: Brotbackmaschinen, 42-teiliege Multifunktionsprozessoren (unter Frauen als Mixer bekannt), Japan-Messer, teure Zutaten und exotische Gewürze machen einem Mann beim Kochen erst richtig Freude.

Sozial: Wenn der Beruf einen am Tag völlig einnimmt und die Kinder unabhängiger werden, ist das gemeinsame Essen der einzige Fixpunkt der Familie für den gegenseitigen Austausch (und das Verteilen von Komplimenten an den tollen Koch). Was für viele Mütter eher ein Stressfaktor ist, scheinen Väter mehr zu schätzen.

Arbeitsteilung: Wer kocht, räumt nicht auf. Putzen, abräumen und abwaschen überlasst Mann dann gerne dem Rest der Familie. Was mit den vielen Küchengeräten meist mehr Zeit in Anspruch nimmt, als es das Kochen tat.

Genuss: Frauen sind eher für die gesunde, praktische Küche zu haben, vor allem, wenn Kinder im Haus sind. Männer dagegen bevorzugen Saucen, Fleisch und Fettiges.

Überfluss: Sie tun, als müssten sie für ein Regiment kochen. Das Positive daran: Am nächsten Tag gibt’s Reste-Essen.

Budget: Frauen achten eher darauf, günstig und gut einzukaufen. Für Männer dagegen ist häufig nur das Beste gut genug.

Anleitung: Daniel Duanes Obsession mit Kochbüchern kann in vielen Männerküchen beobachtet werden. Jamie Oliver & Co. haben dazu sicherlich einiges beigetragen.

Duane zeichnet in seinem Buch ein Bild von kochenden Männern, das auch im eigenen Bekanntenkreis durchaus Wiedererkennungswert geniesst. Dabei zeigt sich vor allem, dass Frauen von den Männern in Sachen Genuss im Alltag und bei der Jagd nach Anerkennung noch einiges lernen könnten.

Übrigens fänden es der «Vorwerk-Familienstudie 2011» zufolge 43 Prozent der Frauen «schön», wenn der Mann mehr kochen würde. Dem sinnlichen Vergnügen steht also Nichts mehr im Wege. Ran an die Töpfe.

«How to cook like a man» von Daniel Duane, erschienen im Bloomsbury Verlag.

Dieser Artikel erschien erstmals auf clack.ch und newsnet (Online-Tageszeitungen).

 

Donnerstag, 24. Mai 2012

Dank an die Betreuungspersonen





Wie wäre es mit einem «Tag der Betreuungsperson», an dem man diesen offiziell danken könnte? Ich mache hier schon mal den Anfang.


Vorletzte Woche feierten wir Muttertag, Vatertag ist am 3. Juni und in Afrika feiert man ausserdem offiziell die Grossmütter. Nun könnte man natürlich für alles möglichen Personen einen besonderen Tag einrichten, an dem sie gefeiert und beschenkt werden. Ich für meinen Teil möchte mich gerne mal bei allen Betreuungspersonen bedanken, die es mir ermöglichen, zu arbeiten, zum Coiffeur zu gehen und ab und zu einen schönen Abend mit meinem Mann zu verbringen. Denn diese Personen – sei es nun das Krippenpersonal, die Tagesschulleiter, die Spielgruppenleiterinnen, die Grossmütter oder unsere Babysitterin – sie alle tragen dazu bei, uns das Leben zu vereinfachen.
Danke also, dass ihr
  • meinem Kindern das Sich-Selber-Anziehen beigebracht hat. Die Geduld und auch die Zeit fehlen mir dazu leider allzu oft.
  • mit unseren Kindern am Boden hockt und mit Lego und Littlest Petshop spielt, als gäbe es kein Morgen.
  • den Fernseher nicht laufen lasst. Dann habe ich ein weniger schlechtes Gewissen, wenn die Kinder vor dem Abendessen doch wieder davor sitzen.

  • mit ihnen jeden Tag, bei jedem Wetter, nach draussen geht. Mein Gewissen hält dann auch hier den Mund, wenn wir wieder einmal bei Regen einen ganzen Tag zu hause geblieben sind.
  • gesund kocht. Der Anruf beim Pizzakurier ist dann weniger belastend.

  • bastelt, malt, klebt und das Ganze auch noch mit Glitzer! Mein schöner Parkett und meine Nerven werden so geschont.
  • Vor allem möchte ich euch dafür danken, dass euch meine Kinder so gern haben und umgekehrt. Weil ihr das tut, kann ich sie noch ein bisschen mehr lieben.
Oder anders gesagt: «Wenn da keine Schulen wären, die die Kinder von Zeit zu Zeit von zu hause fern hielten, wären die Irrenhäuser gefüllt mit Müttern.» Edgar, W. Howe, Amerikanischer Schriftsteller

Dienstag, 22. Mai 2012

Sind das die wahren Rabenmütter?





Jetzt mal ehrlich:  Wer von euch hat schon einmal darüber nachgedacht, die Familie zu verlassen? Nicht nur für ein Wellness-Weekend, sondern für immer (falls man so etwas überhaupt sagen kann, egal zu welchem Thema)? Sind das am Ende die wahren Rabenmütter, die die ihre Kinder verlassen?


In der aktuellen annabelle, beschreibt eine Mutter ihre gewagten Schritt und Rita Angelone wirft die Frage auf wir eltern auf: «Können Sie verstehen, dass es Gründe geben kann, um seine Familie zu verlassen?» 

Und, könnt ihr?


Montag, 21. Mai 2012

Bluttest: Und dann?





Medizinische Untersuchungen während der Schwangerschaft sind eine gute Sache. Alle Fragen beantworten sie dennoch lange nicht.


Während einer Schwangerschaft gibt es so viele Fragen, de beantwortet werden wollen: Wie werden wir unser Kind nennen? Werde ich stillen oder nicht? Junge oder Mädchen? Wird es gesund sein? Für die Beantwortung der letzten Frage liessen wir uns damals von meinem Arzt «überreden», eine Fruchtwasserpunktion zu machen. Er hätte einfach schon zu viele Frauen erlebt, die trotz geringem Altersrisiko keine Untersuchung gemacht und dann ein behindertes Kind zur Welt gebracht hätten. Das sass! Einer zum ersten Mal schwangeren Frau aufzuzeigen, dass sie etwas «dafür tun könnte», ein gesundes Kind zu gebären, war alles andere als feinfühlig, dennoch wirkungsvoll. Er gab zwar ein Restrisiko zu (0.5% der Untersuchungen führen zu Fehlgeburten), doch versicherte er uns gleichzeitig, in besten Händen zu sein. Es würde alles gut werden. Wir nahmen die Untersuchung in Anspruch.
Ich liess mir also eine Nadel in den 16 Wochen alten Bauch stechen, schaute per Ultraschall auf den Bildschirm, um sicherzugehen, dass mein Baby nicht aufgespiesst wurde und weinte. Denn, worüber der Arzt nicht mit uns gesprochen hatte, war, was wir denn mit dem Resultat anfangen würden. Was, wenn der Fötus tatsächlich ein genetisches Problem aufwies? Abtreiben? Im vierten Monat?
Wir sind sehr dankbar, dass wir diese Frage nie beantworten mussten. Unser Sohn war gesund und die Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen. Die Bemerkungen von Freunden und Bekannten, denen wir «gestanden» hatten, die Fruchtwasserpunktion gemacht zu haben, waren indes erschütternd. Von «Wieso tust du dir das an?» bis «Spinnst du, dein Kind so zu gefährden?» hörten wir die gesamte Bandbreite an Reaktionen.
Nun habe ich gelesen, dass demnächst ein neuer Test auf den Markt kommen soll, der beinahe dieselben Resultate liefern soll, bei dem jedoch lediglich etwas Blut entnommen werden muss. Doch ändert das etwas an der Fragestellung, sollte das Resultat negativ sein? Und jetzt, was machen wir?

Freitag, 18. Mai 2012

Herzenswunsch: Flexible Arbeitszeiten

Was wünschen sich eigentlich erwerbstätige Mütter? Hier ein paar Ergebnisse über eine Work-Balance-Studie, für einmal sogar visuell ansprechend.

Was sich Mütter wirklich wünschen, wissen wir spätestens seit letzter Woche. Doch der Muttertag fällt immer auf einen Sonntag, weshalb vielleicht keine an die Arbeit gedacht hat. Der Blog «The Ladders» hat sich über die Frage gebeugt, was sich erwerbstätige Mütter denn so wünschen. Dieser Chart macht die Ergebnisse ihrer Umfrage deutlich:

Am wichtigsten ist den Working Mums, ihre Arbeit flexibel einteilen (44%) oder gar von zu hause arbeiten zu können (29%).
Wider Erwarten erhalten 42% der Befragten Unterstützung aus ihrem beruflichen Umfeld, nur 16% nehmen ihnen ihre familiären Prioritäten übel.
Das Geld führt die Hitparade der Gründe, wieso Mami wieder arbeiten geht, an, gefolgt vom Spass am Beruf (obwohl hier keine Prozentangaben gemacht werden).
Was kommt denn nun zuerst, Familie oder Beruf? 55% antworteten, sie würden sich schwer tun, mit dem Balanceakt, wovon ca. ein Viertel sagt, die Familie käme als Erstes, die Karriere leide jedoch darunter.
Liebe CEOs und Co: Flexible Arbeitszeiten! DAS wäre doch mal ein Geschenk auf den nächsten Muttertag, wie sieht's aus?

Mittwoch, 16. Mai 2012

Was rät man einer werdenden Grossmutter?

Wir alle haben uns schon einmal aufgeregt, wenn unsere Mütter und Schwiegermütter sich zu sehr eingemischt, das Falsche gekocht, die Kids zu sehr verhätschelt haben...

Nun möchte ich von euch wissen, was ihr denn einer werdenden Grossmutter raten würdet. Do's and Dont's. Erzählt mir eure schönsten Geschichte und Horrorstories. Einerseits möchte ich - wie meistens - darüber schreiben, andererseits gibt es im Bekanntenkreis tatsächlich jemanden, der bald Grossmutter wird. Die soll dann unsere gesammelten Ratschläge erhalten.

Mein erster Ratschlag wäre: Widersprich den Eltern NIE in Erziehungsfragen vor den Kindern. NIE!

Kommentiert gleich hier oder Facebook, wie gehabt. Vielen Dank für eure Hilfe!

Echte Mütter stillen länger. Oder wie war das?





Das aktuelle «Time» Magazin schockiert mit einem Cover, das die Diskussion um das Langzeitstillen weltweit neu anheizt. Doch ist es wirklich so schlimm?


Die Provokation soll natürlich die Verkaufszahlen ankurbeln, offensichtlich ist das der Redaktion des «Time» Magazins auch gelungen. Die hübsche Mutter und ihr Dreijähriger (und ja, wir hoffen, es handelt sich tatsächlich um Mutter und Kind und nicht etwa um Models. Das Trauma des Kleinen wäre wohl sonst eine weitere Forums-Diskussion wert) gehen einer «Beschäftigung» nach, die der Kinderarzt William Sears bereits in den Neunzigern propagieren. Bereits 2010 hatten wir hier darüber berichtet, die Reaktionen auf meinen damals schon kritischen Text waren entsprechend nicht ausgeblieben. 
 
Und auch das «Time» Magazin hat zahlreiche Reaktionen auf das Cover und natürlich den Inhalt des Artikels erhalten. Der Titel «Sind Sie Mutter genug?» gab dem Ganzen den Rest. Der Text beschreibt den neuen Trend zur Extrem-Mutterschaft, sozusagen die Verschiebung vom «Helicopter-Parenting» zum «Klammeraffen-Säuge-und-Muttertier». Den Trend gibt es auch in Europa schon, man denke da nur an die vielen Artikel zum Thema Stillen und Familienbett. Wie in allem, sind wir Europäerinnen (und Schweizerinnen) jedoch nicht ganz so schlimm mit dem Verurteilen von anderen Methoden.Der Gedanke, dass Mütter stillen sollen, wenn sie wollen (und können) hat sich bei uns eingebürgert.

Auch wenn ich denke, dass Langzeitstillen in unseren Breitengraden wenig mit den Bedürfnissen unserer Kinder als mit denen von uns Müttern zu tun hat. Loslassen ist schwer, das erleben wir jeden Tag. Ensprechend würde ich nicht von einer Zwangs-Mutterschaft, sondern viel eher von einer Zwangs-Zuneigungsbekundung seitens des mit drei immer noch gestillten Kindes sprechen. Denn ein Dreijähriger kann sich nur loslösen, wenn man ihn lässt. Praktisch ist das Stillen allemal, das leuchtet sogar mir ein. Nötig? Ich weiss nicht.

Wie war eure instinktive Reaktion auf dieses Titelblatt. Jööh? Oder wääk?

Dienstag, 15. Mai 2012

Geliebter Stretch


Umstandsmode ist nicht nur in der Schwangerschaft bequem. Auch danach konnte ich kaum darauf verzichten. Deprimierend aber wahr.

Bei einer Schwangerschaft ist es ja normalerweise so, dass der Bauch nach ca. drei Monaten wirklich sichtbar ist und man sich auch erst dann um Umstandsmode kümmern muss. Ausser man ist zum zweiten Mal schwanger. Dann geht es nämlich gefühlte drei Stunden, bis man nicht mehr in die Lieblingsjeans passt. Was man bei der ersten Schwangerschaft noch zu kaschieren versuchte, in dem man sich ein Haargümmeli um Hosenknopf und Knopfleiste wickelte, ist ab dem zweiten Mal reinste Zeitverschwendung. Alles zwickt und beengt.

Nun ist es gottlob so, dass man heute nicht mehr viel Geld in die Hand nehmen muss, um sich während ein paar Monaten einen einigermassen anständigen Style zu gönnen. Wo früher gross geblümte Zirkuszelte den wachsenden Bauch kleideten, sind heute Klamotten, die sich sehen lassen können. Und solche hatte ich mir während meiner ersten Schwangerschaft auf diversen Shoppingtouren ergattert.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich auf die Kiste mit Umstandsklamotten zu stürzen, die sich gut verstaut im Keller befand. Abgesehen davon, dass die Sachen nicht gerade frisch rochen, bekam ich schon bei deren Anblick leichte Depressionen. Wenn man gewisse Outfits monatelang rotierend getragen hat, kann man sie schlichtweg nicht mehr sehen. Denn es ist ja nicht so, dass man die bequeme Hose mit Stretchbauch in die Altkleidersammlung geben kann, wenn man mit dem Baby im Arm das Krankenhaus verlässt.

Nein, vielmehr kommt man erst einmal gar nicht mehr in normale Hosen rein. Oder wer von euch hatte gleich ein paar Tage nach der Geburt einen flachen Bauch? Und sogar für die, denen dieses Glück vergönnt ist: Hatten Sie keine Narben? Kaiser- oder Dammschnittnarben? Dann gehören Sie wohl zu einer verschwindend kleinen Minderheit. Wir Normalgebärenden sehen nach der Geburt erst mal aus wie vor der Geburt. Mit Bauch. Weshalb wir so froh sind um die bequeme Umstandsmode, die wir ja bereits ein paar Monate lang strapaziert haben.

Das Problem dabei ist nur, dass man mit Umstandsmode eben immer genau danach aussieht: In anderen Umständen. Auch wenn man es schon seit ein paar Wochen nicht mehr ist. Weshalb ich mir innerhalb von zwei Wochen viermal (!) anhören musste «Ist das nächste auch schon unterwegs?» Grrrr....

Dennoch war ich so froh um meine Jeans mit elastischem Bund, der Jacke, die man am Rücken aufzippen konnte, dem Bauchband, dass sich dank diverser Farben ziemlich cool kombinieren liess und nicht zuletzt die BHs, die ich dank exponentiell gewachsenener Mamma-Brüste noch lange tragen konnte.

Und heute? Na ja, sagen wir es so: Die Kiste steht im Keller beim Ausgang. Denn bald geht sie definitiv zur schwangeren Bekannten, die sich riesig auf die Kleider freut. Es ist ja auch ihr erstes Mal. 

Günstige Umstandmode in guter Qualität gibt es übrigens auch auf baby-walz.ch

Freitag, 11. Mai 2012

Was sich Mütter wirklich wünschen

Nein, es ist nicht das Frühstück ans Bett. Auch nicht die Blumen vom Tankstellenshop. Es ist viel simpler.

Am Sonntag ist Muttertag und alle Mütter im Lande werden wieder reich beschenkt (hoffentlich). Selbst Gebasteltes, das – sind wir ehrlich – erst ab der Primarschule langsam beginnt, nach etwas auszusehen. Blumen – von den obligaten Löwenzahn, die nach 45 Sekunden im viel zu grossen Wasserglas zu welken beginnen, über die überteuerten Blumen, die nur noch am Valentinstag noch teurer sind. Bis hin zu Pralinen, die sich auf den Hüften bemerkbar machen, noch bevor das Grosi den Heimweg antritt (denn die will ja auch gefeiert werden und wie das geht, lasen wir hier letztes Jahr).

Eine amerikanische Studie publizierte kürzlich Zahlen zum Muttertag: 44% aller Väter vergessen den Muttertag schlechthin (die haben bestimmt keine schulpflichtigen Kinder, dann kämen sie nämlich nicht um den Tag der Tage). Doch auch Mütter würdigen den Muttertag offenbar nicht so, wie man das erwarten dürfte: Von den 19'000 befragten Müttern ziehen acht von zehn das Ausschlafen an jenem Sonntag vor. Frühstück ans Bett? Liebe Kindergesichter, bevor die Sonne aufgeht? Pha! Ein Drittel gab sogar zu, den Tag am Liebsten alleine verbringen zu wollen!
Deshalb starteten wir letzte Woche unsere eigene Umfrage und baten Mütter, uns mal ehrlich zu sagen, was sie sich zum Muttertag wünschen würden. Wirklich. Insgeheim. Oder gar nicht so geheim. Ihre Antworten waren sehr aufschlussreich und stimmten mit der genannten Studie weitgehend überein. Sie erzählten von den Tücken des Alltags mit Kindern:
«Ich wünsche mir den sofortigen Tod sämtlicher Magen-Darm-Viren und Bakterien, die einem in ihrer aufdringlichen Penetranz viele unappetliche Momente schenken.»
«Einen Tag lang alles nur einmal sagen müssen!»
Oder auch weiter gefasst:
«Ich wünsche mir, dass unsere Kids an jedem der anderen 364 anderen Tage im Jahr ein winziges kleines bisschen an den Muttertag denken!»

Viele wünschten sich ein Wochenende Wellness, einen Städtetrip oder einfach Zeit für sich. «Ohne Verpflichtungen.»
Auch materielle Bedürfnisse wurden genannt: Vom Parfum über Prosecco bis hin zu einem bescheidenen guten Buch.
Die Muttertagswünsche richteten sich übrigens nicht nur an die eigene Familie, sondern auch an andere «Mütter, die jede Form von Muttersein respektieren (erwerbstätige oder nicht, stillende oder solche, die ihr Kind schöppelen, mit oder ohne PDA gebären, Kuchen backen oder Grossmutti-Cake kaufen, strenge oder laschere, solche, die das Gemüse im Tiefkühlregal oder beim Biobauer holen etc.), denn seien wir mal ehrlich, wir leisten doch alle viel!»
Nicht einmal der Weltfrieden oder ein weiteres Baby fehlte unter den Wünschen!
Sind das jetzt alles Rabenmütter weil keine – ehrlich, nicht eine – sich wünschte, diesen Tag mit den Kindern und dem Kindsvater zu verbringen? Weil keine sich zu den liebenswerten und meist missglückten Backversuchen der Kleinen äusserte? Wohl kaum. Doch wenn man eine Mutter fragt, was sie wirklich will, muss man sich halt manchmal auch auf etwas gefasst machen. Nämlich, dass sie einmal im Jahr an sich selber denkt. 

Ich wünsche allen (Raben-)Müttern einen wundervollen Muttertag mit vielen SPA-Gutscheinen, Proseccoflaschen und feuchten Küssen von Klein und Gross.

Dienstag, 8. Mai 2012

Wenn wir das gewusst hätten!





Wenn man ein Kind bekommt, erhält man viele Ratschläge. Nur nie die wichtigen! Hier also ein paar Vorwarnungen, was auf Eltern zukommt. Wenn wir das gewusst hätten, wie?


Wenig Schlaf, wunde Brüste, ja sogar die Finanzen wurden angesprochen, als ich mit meinem ersten Kind schwanger war. Ratschläge sind nebst geschwollenen Beinen und der ständige Drang, auf die Toilette zu gehen, etwas, das die werdende Mutter während mindestens 40 Wochen begleitet. Doch ehrlich gesagt kann ich mich kaum daran erinnern, wirklich wichtige und richtige Tipps bzw. Vorwarnungen gehört zu haben, wie zum Beispiel:
  • Du wirst ALLES teilen müssen. Das Bett, das Klo, die Badewanne, die ganze Privatsphäre eben. Wir bringen unseren Kindern zwar bei, dass teilen toll ist, aber eigentlich wissen wir ganz genau, dass das nicht stimmt.
  • Du wirst vieles verstecken müssen. Die Süssigkeiten, die Frauen-Magazine (ein Erstklässler kann mit dem Wort «Orgasmus» zwar noch nichts anfangen, aber fragen wird er). Das kann mitunter zum Spiessrutenlauf werden, vor allem, wenn du nicht mit der Anwesenheit deines Kindes gerechnet hast (nachts um eins wenn du noch vor dem TV sitzt und M&Ms knabberst).
  • Das süsse, pausbackige Kleinkind wird älter. Und frech. Antworten wie «Na und?» hört man nicht gerne aus dem Mund des Schätzelis, für das wir noch vor ein paar Jahren die einzig ernstzunehmende Instanz darstellten.
  • Stichwort: Aufklärung. Wie das Geschwisterchen in Mamas Bauch gekommen ist. Und wieder raus. Solche Sachen halt. Wie macht man das, ohne das Kind auf ewig zu vergraulen?
  • Mit Kindern zu spielen ist langweilig. Deshalb taten es unsere Mütter mit uns wahrscheinlich auch nicht.
  • Sie wachsen. Schnell. Und das Kleiderkaufen mutiert vom «Jööh!» zum «Was? Schon wieder?»
  • Sie riechen. Nicht. Gut. Erinnern Sie sich an den Wahnsinns-Geruch Ihres kaum geschlüpften Babys? Und wie Sie an seinen Füsschen knabberten? Na, versuchen Sie das mal bei einem vorpubertierenden Jungen mit Oberlippenflaum. Guten Appetit!
Dies nur als Vorwarnung. Oder habe ich etwas vergessen?

Mittwoch, 2. Mai 2012

Aufruf zum Muttertag!

Selbst Gebasteltes, Butterblumen und Schöggeli sind allerliebst, aber mal ehrlich: Was würdet ihr euch WIRKLICH zum Muttertag wünschen?

Für einen Artikel möchte ich gerne Vorschläge sammeln, seid ihr dabei?

Bitte Antworten als Kommentar auf Faceboook oder gleich hier (auch anonym möglich, damit ihr ehrlich sein könnt ... ;-)

Ich mache mal den Anfang: Ich wünsche mir, dass meine Kinder einen Tag lang das Wort "Maamii" mit diesem fordernden Unterton NICHT aussprechen. 

Und jetzt ihr!

Danke für eure Hilfe

Eure Rabenmutter

Das angebliche Ticken

Die biologische Uhr ist kein sexistisches Cliché, darüber ist sich die Wissenschaft heute einig. Unklar ist jedoch, woher der dringende Babywunsch kommt, ob tatsächlich die Biologie oder doch mehr das Umfeld Schuld daran sind. 

Es kommt plötzlich, ohne Vorwarnung: Dieses Gefühl, jedem Baby nachschauen zu wollen, nur noch schwangere Frauen zu sehen und zu denken, dass ein Mann mit Tragetuch wahnsinnig sexy ist. Man hört sie nicht, spüren kann man sie auch nicht, doch offenbar tickt sie, die biologische Uhr, die wir Frauen angeblich innehaben und deren Alarm uns irgendwann aus dem kinderlosen Schlaf zu holen droht. Für viele fühlt es sich deshalb auch mehr wie eine biologische Bombe an, als eine harmlose Uhr. Und die, die das Ticken nicht verspüren und gar keine Kinder wollen, gelten nur als halbe Frauen, wie man auch heute auf slate.com lesen kann.

Die 28-jährige Journalistin Tracy Clark-Flory beschreibt das ihren Babywunsch auf salon.com als Sehnsucht, «ein Zucken in den Eierstöcken, ein Jucken in den Armen, die etwas wiegen möchten» und fragt sich, ob das Cliché wirklich eines ist oder ob es wissenschaftliche Erkenntnisse darüber gibt.

Die gibt es und auch wieder nicht. So fand Anna Rotkirch, Direktorin des Population Research Institute in Finnland, in einer neuen Studie heraus, dass sich dieser Wunsch Ende 20 am häufigsten manifestiert. Es gibt aber auch Frauen, die das Baby-Fieber bereits als Teenager mehr oder weniger packt. Die Studienteilnehmer – denn ja, sie befragte auch Männerbeschrieben ihren Babywunsch als «schmerzhafte Sehnsucht in meinem ganzen Dasein», auch von «leeren Armen» und «schmerzenden Brüsten» ist die Rede. Interessant dabei ist, dass die tickenden Uhren nicht ausschliesslich weiblich sind: Nebst 78% der Teilnehmerinnen, sagten 58% der Männer aus, sie fühlten den «starken Wunsch nach einem (eigenen) Kind».


Die Frau im Default-Modus
Woher
dieses Verlangen kommt, ist derweil noch nicht geklärt. Rotkirch bestätigt eher einen hormonellen Zusammenhang, als dass sie das soziale Umfeld dafür verantwortlich machen will. Es gehe mit höchster Wahrscheinlichkeit darum, das die Frau evolutionsbiologisch einen sogenannten «Default»-Modus innehat, der ihrem Körper vorschreibt, spätestens kurz vor ihrem 30sten Geburtstag schwanger zu werden und ihre biologische Rolle als Mutter wahrzunehmen.
Für die, denen die evolutionsbiologischen Erklärungen zu sehr nach «Jäger und Sammlerin» schmecken, hat die finnische Studie eine weitere, ebenso nachvollziehbare Erklärung: Ende zwanzig nimmt die weibliche Fertilität ab, weshalb uns der Körper einfach signalisiert, wir sollen jetzt endlich vorwärts machen. Das macht zwar sicherlich Sinn, der wissenschaftliche Beweis dazu fehlt jedoch gänzlich.

Und was ist mit den Männern? Wieso erleben Sie das Baby-Fieber, obwohl ihre Fruchtbarkeit noch lange nicht abnimmt? Gary Brase, Psychologie-Professor an der Kansas State University, muss zugeben: «Wir wissen es nicht.»

Ursache: Erziehung?
Der Babywunsch ist aber nicht nur ein Nebenprodukt hormonaler Veränderungen, so Anna Rotkirch, auch sich verlieben, zusammenziehen oder einfach das Zusammensein mit Kindern können den Lautstärkenhebel des Tickens in die Höhe schnellen lassen. Ganz zu schweigen von den vielen Promis, die uns ihre schwangeren Bäuche und frischgeborenen Kinder vor die Linse halten. Eine Studie in Schweden hat ausserdem bereits 2010 gezeigt, dass Frauen oft schwanger werden, nachdem Arbeitskolleginnen oder Freundinnen ihnen das «vorgemacht» haben. Auch werden Mädchen in den meisten Familien immer noch – meist unabsichtlich – dazu erzogen, «Mami» zu spielen, was den Verdacht nahelegt, das sie beeinflusst wurden. Einzig da widerspricht Brase, der das Thema seit über zehn Jahren untersucht, «Der Wunsch nach einem Baby hat keinen Zusammenhang mit den zugeteilten Geschlechterrollen.»

Es ist also weder eine Frage des Geschlechts, noch des Umfelds - zumindest nicht nur. Auch ist die Evolution nicht alleinige Verantwortliche, schliesslich verspürt nicht jede Frau diese Sehnsucht nach einem Baby. Doch gerade auch für sie wäre es nützlich, wenn die Wissenschaft endlich eine Erklärung für das mysteriöse Ticken dieser angeblich biologischen Uhr hätte. Dann müssten sie nämlich nicht mehr mit dem Vorwurf leben, bloss halbe Frauen zu sein. Denn jede tickt anders, auch Frauen Ende 20.

 

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