Dienstag, 30. Oktober 2012

Work-Life-Balance, neu definiert

Die Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben verschwinden – und für viele ist dies sogar das Geheimnis des eigenen Erfolgs.

Man nennt sie die «Googliness». Diese Arbeitsatmosphäre, die mit Sitzsäcken, Ping-Pong-Tischen und Turnschuhen in Verbindung gebracht wird – aber bloss nicht mit harter Arbeit. Die lockere Art eines Unternehmens – Google war das erste dieser Art –, das seinen Mitarbeitern gestattet, Pause zu machen, wann immer sie wollen, privat zu telefonieren und sich am kostenlosen kulinarischen Angebot der Kantine zu bedienen. Klingt wie im Schlaraffenland? Vielleicht.

Doch trotz aller Googliness – oder gerade deswegen – wird viel erwartet von den Mitarbeitern. Überstunden sind an der Tagesordnung, Socializing gehört genauso in die Stellenbeschreibung wie Fachwissen. Der Einwand, Socializing sei doch nichts Negatives, schliesslich verbringe man viel Zeit mit den Kollegen, gilt dennoch immer weniger. Denn auch sozialer Druck ist Druck. Facebook-Friend mit der gesamten Abteilung zu sein, regelmässig abends ein Bier zusammen zu trinken und am Wochenende mit dem Team auf die Paintballfarm zu müssen, trägt nicht unbedingt zu einer idealen Work-Life-Balance bei. Denn das Privatleben – das echte, möchte man meinen – kommt dabei zu kurz.

Mit dem Panzer ...
Unternehmen, die diese Firmenkultur vermehrt leben, haben nicht unbedingt einen Flipperkasten im Korridor oder gar Sofas, auf denen gearbeitet wird. Doch sie sind in der Freizeit ihrer Mitarbeiter ebenfalls präsent, sie machen aus dem Privatleben sozusagen einen Zweitjob. So erzählt die Titelgeschichte der aktuellen «Zeit» (online nicht verfügbar) von Arbeitgebern, die Panzerfahrten mit ihren Mitarbeitern organisieren, um diese als Team zusammenzuschweissen. Dass sie dabei von ihnen verlangen, auch am Wochenende für die Firma da zu sein, könnte man auf den ersten Blick als ausschliesslich positiv werten – vor allem auf Arbeitgeberseite. Für Arbeitnehmer kann dieses «Blending», das Vermischen von Privat- und Arbeitsleben, bald zum Problem werden.

Auch Psychologen beklagen diesen Zustand zusehends. Mitarbeiter, die nach Feierabend dem Chef zur Verfügung stehen sollen, seien weit mehr Burn-out-gefährdet als solche, die das Wochenende mit Freunden und Familie verbringen dürfen. «Bestand im Zeitalter der Industrialisierung im 19. Jahrhundert vor allem die Gefahr der Entfremdung von der Arbeit und der Fremdausbeutung, droht mittlerweile in der Dienstleistungsgesellschaft des 21. Jahrhunderts plötzlich das Gegenteil: die Selbstausbeutung», so Bärbel Kerber in ihrem Buch «Die Arbeitsfalle».

Einerseits gibt es keine Stempeluhr mehr, andererseits weiss jeder Arbeitnehmer, was er zu leisten hat. Was eben dazu führt, dass er Arbeit mit nach Hause nimmt oder einen Conference Call mitten in den Ferien ansetzt. Entsprechend wurden noch nie so viele Überstunden gemacht wie heute.

Was ist denn nun mit der Work-Life-Balance? Die ist passé, denn sie birgt nur Stress, meinte erst letzte Woche der Organisationsguru Rosh Ashkenas auf Forbes.com. In seinem Artikel erzählte er, wie er mitten in seinen Ferien einen Conference Call organisierte und sich dabei pudelwohl fühlte. Denn erstens schaffe er so das ständige schlechte Gewissen ab, zu wenig zu arbeiten. Ausserdem sei er nach dem Telefonat ja wieder ganz für die Familie da gewesen. Zweitens sei man viel produktiver, wenn man seine Zeit nicht strikt in «Arbeit» und «Privat» einteile.

... oder gar nicht
Das leuchtet ein, nur mag es nicht jeder, seine freie Zeit mit den Arbeitskollegen zu verbringen, schliesslich hat man Freunde und Familie, die auch Ansprüche haben. Manche verzichten deshalb gar ganz auf die Karriere, um dem Privatleben den Vorrang zu lassen. Die sogenannten «Karriereverweigerer» sind zwar (noch) keine wirkliche Bewegung, doch ein Artikel diesen Sommer auf «Spiegel online» zeigt, wie aktuell das Thema ist: Innert kürzester Zeit kommentierten Hunderte von Lesern den entsprechenden Text. Tenor: Sie würden auch gerne kürzertreten, die Karriere sei ihnen eigentlich nicht so wichtig, sie würden viel lieber Zeit mit der Familie verbringen. So berichteten letzte Woche Studienabgänger und Laufbahnberater in der Sendung «Kulturzeit» von einer Generation, der die althergebrachten Jobmühlen nicht mehr genügen. Ihre Work-Life-Balance tendiere ganz klar in Richtung «Life».

Führungskräfte, die ihren Top-Job aufgeben, um eine Kita zu leiten, sind zwar immer noch rar, dennoch zeigt auch eine Studie des «Deutschen Führungskräfteverbandes», dass die Generation Y gar nicht mehr Chef sein will. Und das bereits ab der Ausbildung. Viel mehr möchten sich Hochschulabsolventen wirklich mit ihrer Arbeit identifizieren können, wenn es geht, sogar Gutes tun. Das grosse Geld und der lederne Chefsessel nehmen an Wichtigkeit wieder ab.

Diese «Luxusfrage», welcher Trend sich durchsetzen wird – Googliness oder Karriereverweigerung –, können sich natürlich nur Länder mit niedriger Arbeitslosenquote stellen. Überall sonst ist man einfach froh um einen Job, ob im Sitzsack oder auf der Holzbank.

Links

(Dieser Artikel erschien ursprünglich auf clack.ch)

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Sponsored Video: The dancing cash machine



Was tun, wenn man Cash braucht und es ist keins im Haus?

Kennt ihr das? Ihr braucht dringend Geld für den Postboten oder den Montag-Morgen-Hütedienst im Dorf, doch ihr habt keinen Rappen Cash im Haus? Was macht ihr da? Pumpt ihr die Nachbarn an, lasst aufschreiben oder macht ihr es wie ich? Bis vor Kurzem plünderte ich nämlich Juniors Kässeli...

Ja, ja, ja, ich weiss, geht gar nicht! Weshalb ich ja jetzt auch eine neue Taktik habe: Ich pumpe ihn ganz offiziell an. Schliesslich kriegt er jetzt Taschengeld und er soll ja lernen, damit umzugehen. Wenn ich ihm also zehn Franken abluchse, dann muss er mich daran erinnern, sie ihm zurückzugeben. Gut, nicht? Geldsorgen mit Erziehung verbinden ist eine ganz neue Strategie, auf die selbst Pädopsychologen noch nicht gekommen sind. Übrigens vergisst er nie, mich zu mahnen. Ziel erreicht!

Ich könnte natürlich auch einfach zum Bankomaten gehen... Da der aber kein Tänzchen macht, wenn ich Geld abheben will – im Gegenteil – bleibe ich lieber bei meiner Variante des Anpumpens!

(Gesponserter Artikel)




Dienstag, 23. Oktober 2012

Mama ist zu alt





Der Wiedereinstieg ist für viele Mütter ein Problem. Nicht nur wegen der langen Abwesenheit. Auch das fortgeschrittene Alter erschwert die Jobsuche.


Dass der Mutterschaftsurlaub nicht mit Urlaub zu tun hat, hatten wir schon. Das erklärt wohl auch den Wunsch vieler Mütter, nach ein paar Monaten oder Jahren wieder in einen Beruf einsteigen zu wollen, um ihre Hirnzellen anders einzusetzen. Oder einfach, um aus dem Haus zu kommen. Oder sie haben gar keine Wahl, weil ein Einkommen einfach nicht ausreicht.


Aus welchem Grund auch immer, viele Mütter suchen früher oder später wieder einen Job, der ihren Qualifikationen entspricht. Und zurzeit sehen die Jobsites gar nicht so schlecht aus. Auf den ersten Blick scheint es ziemlich viele Angebote zu geben, sogar manche in Teilzeit.


Begriffe wie «erfahren», «verantwortungsbewusst», «belastbar» oder «teamfähig» lassen das Mutterherz schneller schlagen in der Hoffnung, wir hätten eine Chance. Schliesslich haben wir Erfahrung, sowohl in unserem Beruf (den wir meist bis zur Mutterschaft ausgeführt haben und der uns im besten Fall Spass machte) als auch im Leben. Verantwortung tragen wir jeden Tag für unsere Familie. Sie sind warm angezogen, haben immer was zu essen und ein Dach über dem Kopf. Belastbar sind wir spätestens seit jener Nacht, als wir in die Notaufnahme rasten, weil die Kleine 40°C Fieber hatte. Oder seit wir die Polizei haben kommen lassen, weil der Grosse während fast zwei Stunden verschwunden blieb. Belastbar? Abgehakt! Und über «teamfähig» brauchen wir gar nicht erst zu reden, oder? Schliesslich ertragen wir stoisch den Papa, der unsere Kinder ohne jegliche Ahnung von Style kunterbunt anzieht und jeden Abend kurz vor dem zu Bett gehen aufputscht, als müssten sie die Tour de France gewinnen. Wir unterstützen seine väterlichen Tätigkeiten, weil wir eben teamfähig sind und nicht alles selber entscheiden und schon gar nicht tun wollen.


Angenommen, die fachlichen Fähigkeiten stimmen ebenfalls, ist das Stelleninserat mit all diesen Begriffen also wie für uns gemacht. Ganz aufgeregt überlegt Mami sich schon, wie sie die Bewerbung schreiben wird, welche Erfahrungen sie besonders hervorheben und wie sie dem zukünftigen Arbeitgeber etwas Honig um den Mund streichen wird. Und dann liest sie sie. Die ominösen Zeilen: «Max. 20- bis 30-jährig». Autsch!


In einer Zeit, in der Mütter immer später ihr erstes Kind bekommen, ist die Altersfrage keine belanglose mehr. Ehrlich gesagt, ist es mir schon oft passiert, dass ich das Alter völlig überlesen habe, einfach weil ich mich noch nicht so alt fühle. Und weil Worte wie «Erfahrung» einfach ein gewisses Alter voraussetzen. Könnte man zumindest meinen. Ist aber nicht so, nicht für einen potentiellen Arbeitgeber, der sich scheut, zu viel Lohn und Pensionskassenbeiträge zu bezahlen.


Die Erfahrung soll zwar langjährig sein, die Haut aber bitte nicht. Die Belastbarkeit soll erprobt sein, aber bitte bereits aus dem Sandkasten heraus. Und die Verantwortung ist gefälligst nicht aus Erfahrung, sondern als Charakterzug bereits aus der Wiege mitzubringen.


Man liest immer wieder, wie schwer der Wiedereinstieg für Mütter ist, Politiker und -innen schreiben sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gross auf ihre Fahnen. Aber niemand spricht davon, dass man irgendwann einfach zu alt für einen Neustart ist. Babypause hin oder her.


Wie ist es bei Ihnen? Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Status als Mutter und Ihrem Alter bei der Jobsuche?

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Ist es o.k., Linkshänder zu sein?





Dieser beeindruckende Clip vergleicht Linkshänder mit Homosexuellen. Denn niemand sollte ausgeschlossen werden, weil er ist, wie er ist.


Dienstag, 16. Oktober 2012

Das würde ein Kind nie sagen. Leider.





Kinder reden viel und wiederholen sich. Zehn utopische Dinge, die man von ihnen gerne hören würde.


Ich weiss ja nicht, wie es Ihnen geht, doch meine Kinder reden viel. An manchen Tage sehr viel. Oft im falschen Zeitpunkt, in zu hoher Lautstärke und in einem Tonfall, der irgendwie gar nicht geht. Vieles versuche ich dann auszublenden, aber meistens falle ich doch wieder in das Muster «Schon hundertmal diskutiert und doch nicht gespeichtert» hinein. So höre ich mich mehrmals am Tag sagen, sie sollen bitte still sein, wenn ich telefoniere, wenn ich mit der Nachbarin spreche, wenn ich lese etc.

Kurz, ich wiederhole mich. Ständig. Und meine Kinder? Die auch. Täglich. «Mami, darf ich einen Rock anziehen?», «Mami, wo ist (hier beliebig etwas eintragen)?», «Mami, darf ich etwas Süsses?» und so weiter. Worauf ich mir überlegt habe, was ich denn eigentlich gerne von ihnen hören würde, wenn sie schon so viel sprechen müssen. Meine Liste sähe wie folgt aus. Und ja, ich bin mir bewusst, dass all diese Sätze utopisch sind, aber träumen darf man ja mal...

1. Mami ist am Telefon, ich werde mich jetzt schön still selber beschäfitgen.

2. Ich weiss genau, wo meine Schuhe sind, ich werde sie jetzt selber anziehen und später ganz alleine wegräumen.

3. Ich gehe jetzt in mein Zimmer und spiele mit meinen vielen Spielsachen. Ich bin ja so dankbar, so viele Spielsachen zu besitzen.

4. Was gibt es zum Zmittag? Spinat? Mmmhhh, so fein!

5. Ich gehe nach draussen spielen und werde nicht irgendwohin verschwinden, wo mich keiner mehr sieht.

6. Ich gehe jetzt pinkeln, damit ich nicht muss, sobald wir im Auto sitzen.

7. Genug iPad gespielt, ich höre jetzt auf und gehe nach draussen!

8. Mami, darf ich ins Bett? Ich bin müde.

9. Auch wenn meine Freunde Süsses vor dem Abendessen essen dürfen, nehme ich lieber ein Rüebli.

10. Mami, bist du auf dem Klo? Dann warte ich mit meiner unwichtigen Frage, bis du fertig bist...

 Was wünschen Sie sich im täglichen Verbaldurchfall Ihrer Kinder?

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Das furzende Fräulein



Der neuste Gag der Spielzeugindustrie ist eine furzende Puppe. Ein schlechter Einfluss auf unsere Kinder?

Als ich den Clip zur furzenden Puppe sah, dachte ich mir, es würde Proteste regnen von Seiten prüder, humorloser Eltern, die überzeugt sind, solche Spielsachen übten einen schlechten Einfluss auf unsere Kinder aus. Und natürlich war es auch so. In den Kommentare diverser Sites wurde Kong Suni, die Puppe mit Blähungen, kritisert.


Ja, die Puppe mutet etwas eklig an, wenn man sie auf den Bauch drückt und sie einen fahren lässt. Aber wissen Sie was? Die meisten Kinder sind mindestens genauso eklig! Mit einem Achtjährigen im Haus sind wir (immer noch) in der Fudi-Gaggi-Bisi-Humor-Phase. Furzen ist nämlich uuuuh luschtig! Genauso wie Rülpsen. Ach ja, auch nach Raclette stinkende Füsse sind zum Totlachen!

Natürlich müssen wir unseren Kindern beibringen, dass man gewisse Dinge nur im Badezimmer tun soll. Andererseits habe ich immer Hemmungen, meinen Kindern das Ausweichenlassen von Gasen zu verbieten, bloss weil wir beim Essen sitzen. Ich will ja nicht, dass sie Bauchschmerzen kriegen! Auch das obligate und sehr laute «Ich muss go Gaggimache!» meiner Vierjährigen bevorzuge ich im trauten Heim und nicht unbedingt im Restaurant.

Aber: Furz happens. Uns allen! Wir wissen einfach, diskreter damit umzugehen, und ich vertraue darauf, dass auch meine Kinder lernen werden, ihre Verdauung eines Tages nicht mehr laut auszuleben und zu kommentieren. Aber übt eine solche Puppe nun einen schlechten Einfluss auf die Erziehung unserer Kinder an, weil sie suggeriert, Furzen sei lustig? Ich glaube nicht. Schliesslich ist es der Puppe offenbar auch peinlich, sie läuft rot an. Also doch ein Erziehungstool? Auf jeden Fall ist es ein Vehikel, um den Kindern die Freude ihrer Abgase noch etwas zu lassen, bevor sie Teenager und somit zu cool werden, um irgendwelche natürlichen Ereignisse ihrer Körper in der Öffentlichkeit zuzulassen. In Südkorea ist das Bäbi auf jeden Fall der Renner.

Was meinen Sie? Witzig oder überflüssig?

Dienstag, 9. Oktober 2012

Wenn Kinder Pornos schauen





Wie würden Sie reagieren, wenn Sie auf dem Computer Ihres Kindes Pornos finden. Ein Vater teilt seine Reaktion mit der ganzen Welt. Und wirkt dabei ziemlich cool.


Während ein (anonym bleibender) Vater den Computer seines 13-jährigen Sohnes säubert, entdeckt er Pornos auf der Harddisk. Viele Pornos. Daraufhin schreibt er seinem Sohn einen Brief: «Hör zu, ich war auch mal 13 und es nicht so lange her, als dass ich mich nicht daran erinnern könnte. Ich bin nicht böse oder so. So ist das Leben und ich hab’s auch gemacht.»

Weiter erklärt er seinem Sohn, da gäbe es «Seiten, die völlig sicher sind » und listet sogar zwei davon auf. Ausserdem wolle er «Mami nichts sagen und ich werde auch keine grosse Sache daraus machen. Wenn du dies ignorieren willst, dann kann ich das auch.» Der nachsichtige Vater beendet seinen Brief mit «Ich liebe dich und könnte nicht stolzer sein».

Dies gilt nun bei vielen als die coolste Art, auf eine solche «Entdeckung» zu reagieren, sein Post auf Reddit hat bereits über 6'000 Kommentare gesammelt, wobei nicht alle positiv sind. Experten kritisieren vor allem, dass er kein Wort darüber verliert, dass Pornos nicht realistisch sind und mit wahren Gefühlen nichts zu tun haben.

Was denken Sie? Ist er wirklich cool oder hat er falsch gehandelt? Und wie hätten – oder haben – Sie reagiert?

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Ein guter Vater sein. Jeden Tag.





Wie das geht, erfahren Sie hier. 


Das Schuljahr hat auch für Mütter und Väter wieder begonnen, die Zeit fehlt an allen Ecken und Enden. Elternabende, Trainings, Musikstunden, Hausaufgaben und und und. Berufstätige Eltern hetzen von A nach B, um ihrer Rolle als gute Eltern gerecht zu werden. Vor allem Väter werden erfahrungsgemäss die meisten Veranstaltungen verpassen, wichtige Sitzungen und Essen mit dem Chef sind dafür verantwortlich. «MH Dad» hat dafür jetzt die Lösung: Ein besseres Time-Management und Sie sind trotzdem ein guter Vater. Mit ein paar Regeln (hier für die Schweiz angepasst) und Expertentipps gibt er vor, es sei ganz einfach. Urteilen Sie selber:

Machen Sie mit beim «Gsunde Znüni»-Morgen
Studien haben gezeigt, dass ein Vater als toller Vater angesehen wird, wenn er ein paar schulische Aktivitäten mitmacht, bei denen Eltern gefragt sind. Sporttag, Schnupper-Lektion Kendo oder Geschichten erzählen an der Lesenacht und Sie haben die Kids im Sack. Ausserdem kommunizieren Lehrer mehr mit Eltern, die sie persönlich kennengelernt haben, so Experten. Zur Planung: Schreiben Sie sich die Termine ein, sobald Sie den Quartalsplan vor sich haben, damit es später keine Konflikte gibt.

Auch 5-Minuten-Gespräche sind wertvoll
Sie sind zu spät dran und ihr Kind stört Sie beim Rasieren? Schicken sie es nicht weg, sondern beantworten Sie seine Fragen, die meist in den unpassendsten Momenten am wichtigsten sind, so Robert Frank, Autor des Väterratgebers «Parenting Partners». Denn spontane Plauderereien würden die Bindung zum Vater viel mehr verstärken als geplante Aktivitäten. Ausserdem kommt ihnen diese Aufmerksamkeit später zugute: Wenn man seinem Kind schon von klein auf zuhört, wird es auch in der Pubertät eher mit einem sprechen wollen. Klingt logisch, nicht?

Alles geht nicht
Gerade bei mehreren Kindern, ist es unmöglich, jedes Ballspiel, jede Balletaufführung oder jedes Flötenkonzert zu besuchen. Rotieren Sie zwischen den Events, so dass Sie alles mindestens einmal gesehen haben. Gehen Sie nicht nur zu den Fussballspielen Ihrer Sohnes, auch das Konzert der Tochter ist sehenswert. Sonst senden Sie das Signal, dass Fussball für Sie wichtiger ist.

Seien Sie nicht so berechnbar
Viele Väter fühlen sich in der Rolle des marginalen Familienmitgliedes wohl und bilden sich sogar etwas darauf ein, am Abend den Bade-Daddy oder den Gute-Nacht-Geschichten-Papi zu mimen. Für Kinder werden aber solche punktuellen Events mit der Zeit bedeutungslos. Essen Sie lieber einmal in der Woche mit ihnen zu Mittag, wenn die Kinder mehr Energie haben, um von der Schule zu erzählen.
Raufen und Spielen
Das braucht nie sehr viel Zeit, doch gemäss Experten werden Ihre Väterqualitäten später daran gemessen: Ob Sie mit Ihren Kindern gespielt und gerauft haben. (Eine kleine Bitte einer Mutter: Nicht abends vor dem Ins-Bett-Bringen, ok? Das putscht die Kinder nur auf. Danke!)
Nörgeln Sie nicht über Ihren Job
Wenn sie abends später arbeiten müssen, erklären Sie Ihren Kindern lieber, dass Sie halt Verantwortlichkeiten wahrnehmen wollen. Aber Achtung: Das funktioniert nur, wenn Sie auch zuhause gegebene Versprechen einhalten.

Machen Sie sich über Ihre Kinder lustig
Nicht jedes Gespräch muss ernst sein. Die meisten Väter gehen ohnehin spielerischer mit ihren Kindern um als die Mütter. Solange Sie es nicht übertreiben, bringen Sie Ihren Kindern Ironie und Sarkasmus bei, damit es das bereits in frühen Jahren versteht und einsetzen mag. Seien Sie also ruhig etwas «gemein», wenn Sie das nächste Mal UNO spielen und geben Sie Ihren Kindern fiese Spitznamen, auch das ist Erziehung!

Melden Sie sich

Moderne Kommunikationsmittel können Ihnen ebenfalls helfen, ein besserer Vater zu sein. Rufen Sie kurz an, wenn Sie am Flughafen sind, schreiben Sie ein SMS vom Kongress aus, um zu wissen, wie die Prüfung lief. Solches Nachhaken hilft, die Bindung in kleinen Dingen zu festigen.

Nehmen Sie einen Babysitter
Mit Ihrer Frau Zeit zu verbringen, ist gut für Ihre Kinder. «Einer der wichtigsten Punkte, um ein guter Vater für seine Kinder zu sein, ist deren Mutter zu lieben», so Pädiatrie-Professorin Maureen Black. Kinder würden eheliche Spannungen immer spüren und auf sich selber beziehen. Führen Sie Ihre Frau also aus, Ihre Kinder werden es Ihnen danken.

Langweilen Sie Ihre Kids
Widerstehen Sie der Versuchung, die fünf verpassten Wochentage ins Wochenende zu quetschen und Ihre Kinder durch Vergnügungsparks zu zerren. Kinder sollten täglich Zeit haben, sich zu langweilen, auch wenn Sie anwesend sind. So lernen sie nämlich, sich selber zu etwas zu motivieren, wovon auch die schulischen Leistungen profitieren werden.

Jetzt die Frage an alle Väter: Können Sie diese Tipps nachvollziehen? Und die Mütter? Gelten die Regeln nicht für uns genauso?

Montag, 1. Oktober 2012

Gottes vergessene Töchter





Hierzulande ist die Freude über ein Kind meist gross, egal ob Junge oder Mädchen. Ein neuer Roman zeigt, wie katastrophal sich das falsche Geschlecht in Indien auf eine Geburt auswirken kann.


Für arme indische Familien ist ein weiteres Mäulchen, das gefüttert werden muss, immer schwer zu verkraften. Handelt es sich dabei um eine Tochter, artet das Mäulchen zur untragbaren ökonomischen Belastung aus. 

Die Kanadierin indischer Abstammung Shilpi Somaya Gowdas beschreibt in ihrem Debutroman «Geheime Tochter», der endlich auf deutsch erscheint, die Geschichte der Bäuerin Kavita, deren erstgeborene Tochter genommen und getötet wird. Um ihrem zweiten Kind – wieder ein Mädchen – dieses Schicksal zu ersparen, gibt sie es gleich nach ihrer Geburt schweren Herzens in ein Waisenhaus in Mumbai. 

Gleichzeitig beschliesst in Kalifornien die junge Frauenärztin Somer nach zwei Fehlgeburten ein Kind zu adoptieren. Da ihr Mann indischer Abstammung ist, entscheidet sich das Paar für ein Kind aus Indien. Der Kreis schliesst sich: Dieses Kind wird Kavitas zweite Tochter Asha, deren Name «Hoffnung» bedeutet. 

Die 20 Jahre, die im Roman umschrieben werden, gewähren einen faszinierenden Blick auf die indische Gesellschaft: Vom schweren Leben auf dem Land über das Vegetieren in den Slums von Bombay, von der Existenzangst der ärmeren Mittelschicht bis hin zum Leben im Wohlstand der gehobenen Klassen. 

Die unterschiedlichen Kulturen der beiden Frauen werden dank wechselnder Perspektive spannend dargestellt. Die kühle Mentalität der Amerikaner gegenüber der familienzentrierten Kultur in Indien. Ashas kindliche Perspektive ist ein weiterer Erzählstrang, der gerade in solchen Geschichten oft zu kurz kommt. 

Diese macht sich als junge Frau nämlich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit und stellt damit beide Familien auf eine harte Probe. Dieses Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen macht den klugen und emotional geladenen Roman absolut lesenswert. Wie Gowda im Anhang ausführt, werden in Indien pro Jahr eine halbe Million Mädchen abgetrieben oder getötet . Was man schon oft gehört und gelesen hat, nimmt in Form einer Familiengeschichte noch mal andere Formen an und hinterlässt viele Fragen darüber, wie wir selber handeln würden. 

Shilpi Somaya Gowda: Geheime Tochter, Kiepenheuer & Witsch Verlag

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