Donnerstag, 20. Dezember 2012

Ihr Kinderlein wartet...

Späte Elternschaft hat angeblich gravierende Konsequenzen. Sind die Kinder erst einmal da, ist die Frage «Was wäre gewesen, wenn?» aber ohnehin müssig, wie eine aktuelle Debatte zeigt.

«Im letzten halben Jahrhundert hat Elternschaft eine simple und gleichzeitig grundsätzliche Veränderung erfahren, so dass wir erst beginnen, deren Ausmass zu begreifen. Wir bekommen unsere Kinder heute viel später als das früher der Fall war.» So beginnt Judith Shulevitz’  Leitartikel in der Dezember-Ausgabe des «The New Republic». Der Titel «How Older Parenthood Will Upend American Society», gibt bereits den Pathos des Inhaltes vor.


Klar, späte Elternschaft ist nicht nur in den USA eine Tatsache, die sich statistisch belegen lässt. Die Eltern sind älter denn je und Shulevitz zählt in ihrem Text auch die Gründe dafür auf, warum sie das für alarmierend hält. Etwa, weil Ehepaare ab einem gewissen Alter auf Methoden der Fruchtbarkeitsmedizin zurückgreifen, bei denen die Langzeitwirkungen noch ungeklärt sind. Sie erwähnt auch, dass vermehrt Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern auftreten, was gemäss gewissen Wissenschaftlern am fortgeschrittenen Alter der Eltern und einer damit auftretenden Chromosomenabnormität liegen könnte. Frischgebackene Mütter und Väter jenseits der 40 riskieren zudem, sich als typische Vertreter der «Sandwich-Generation» fühlen zu müssen. So werden jene Menschen bezeichnet, die sich gleichzeitig um einen Säugling und die eigenen Eltern kümmern müssen. Ah ja und nicht zuletzt ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass alte Eltern sterben könnten, bevor das Kind volljährig ist.

Shulevitz hat recherchiert und die ganzen wissenschaftlichen Belege sind beeindruckend, wenn auch nicht neu. Zu Gute halten muss man der Autorin, dass sie eine der ersten ist, die nicht alleine die Mütter für die gesundhetlichen Risiken der späten Geburt verantwortlich macht, sondern auch auf die Rolle der Väter verweist. Seit diesem Jahr weiss man schliesslich, dass auch ältere Väter ein gesundheitliches Risiko für das Ungeborene darstellen, das mit dem Alter exponentiell steigt. 

«Was wäre gewesen, wenn?»Spannend ist die Debatte, die sie damit ausgelöst hat. Der Grundtenor: Was bringt das Wissen um die zahlreichen Risiken? Soll man sich nun dauernd hinterfragen «Was wäre gewesen, wenn?». Das der Tenor der Kommentare in vielen Blogs und meinungsmachenden Medien zu Shulevitz’ Artikel. Ausgeblendet wird von ihr nämlich die Tatsache, dass die Entscheidung, ein Kind in die Welt zu setzen, in den meisten Fällen keine wirkliche Entscheidung ist, sondern vielmehr eine Frage der Umstände.

Die Gründe für das Aufschieben sind meist ganz praktischer Art: Die Suche nach dem richtigen Partner, die finanzielle Absicherung, die Fruchtbarkeit, die Karriere. Manchmal ist es schlicht und einfach die Zeit, die so schnell vorbei geht oder die eigene Jugendlichkeit, die das biologische Alter vergessen lässt. Es gibt viele Gründe, für eine frühe Elternschaft, doch irgendwann ist die Diskussion darüber müssig, weil es schlicht und einfach nicht hat sollen sein. 

Späte EinsichtenSo schreibt die «Slate»-Autorin Alison Benedikt: «Ich wünschte, wir hätten früher angefangen, Kinder zu kriegen, sagen wir, fünf Jahre früher, so dass wir mit 40 keine falsche Trennwand mehr zwischen unserem und dem Kinderzimmer bräuchten.» Sie hat sich nämlich ausgerechnet, dass sie erst wieder für eine grössere Wohnung sparen könne, wenn die Kinder eingeschult und somit die Betreuungskosten wegfallen. Früher konnten sie nicht, weil sie noch zu wenig verdienten, heute, weil die Kinder das Budget strapazieren.

Immer wieder wird über den richtigen Zeitpunkt zum Kinderkriegen diskutiert und auch wenn das Alter ohne Zweifel ein wichtiger Aspekt ist, so ist es mit Sicherheit nicht der einzige. «Sich dauernd zu hinterfragen, ob man nicht lieber früher oder später Kinder gehabt, Single geblieben oder geheiratet, den Job angenommen oder abgelehnt hätte, ist ein unnötiges Trauern um eine Person, die man vielleicht geworden wäre, wenn man nur «richtig» entschieden hätte», so Noah Berlatskys Antwort auf die «Was wäre gewesen, wenn»-Debatte im «The Atlantic».

Und was das Umkrempeln der amerikanischen Gesellschaft angeht, wie sie Judith Shulevitz ähnlich einer Maya-Vorhersehung prophezeit, gilt es klaren Kopf zu bewahren. Die Gesellschaft wird sich wegen der paar älteren erstwerdenden Eltern noch lange nicht grundlegend verändern. In den USA liegt die durchschnittliche Quote der Erstgebärenden bei 25, in der Schweiz bei 31.4 Jahren. Ja, viele Frauen und Männer werden heute mit knapp 40 Eltern, doch ist das noch lange nicht die Mehrheit. Das mag am Ticken der biologischen Uhr oder an den hohen Kosten einer Hormon-Behandlung liegen. Vielleicht entscheiden sich aber nach wie vor viele aus dem Bauch heraus für Kinder. Früher oder später.

 

 

Montag, 17. Dezember 2012

Vor laufender Kamera





Wie trauert man um ein ermordetes Kind? Privat oder öffentlich?

Newtown. Der Begriff für den absoluten Horror. Wie «Tsunami» oder «911». Das Städtchen in Connecticut erlebte am Freitag den Weltuntergang, eine Woche vor dem des Mayakalenders.

Auch für uns, auf der anderen Seite des Atlantiks, ist es schwierig, die Bilder der traurigen Kinder und bestürzten Eltern sind kaum auszuhalten. Doch wir zappen nicht weg. Nicht, dass es etwas nützen würde, aber das Gefühl, den verwaisten Eltern auf diese Weise zur Seite zu stehen, ist irgendwie tröstlich. Wir bleiben auf Sendung, sozusagen.
 
Bis zu dem Zeitpunkt, wenn der erste Vater ans Mikrophon kommt. Jeder, der selber Kinder hat, kann sich – wenn auch nur theoretisch – vorstellen, was es heisst, eben diese zu verlieren. An einen psychisch gestörten Amokläufer. Grausam. Auch darf sich wohl niemand anmassen, zu sagen, wie man diesen Verlust betrauern soll.

Dennoch. Geht es nur mir so, oder hat es immer etwas dubioses, wenn nur Stunden nach einer solchen Tragödie der erste Vater, die erste Mutter, vor die Kameras tritt und seiner Trauer vor der gesamten Welt Ausdruck verleiht? Es ist wunderbar, wie Robbie Parker seine verstorbene Emilie beschreibt. Natürlich war sie ein fröhliches Mädchen, ein Sonnenschein, intelligent und geliebt. Auch ist es beeindruckend, dass der Dreissigjährige an die Familie des Täters denkt, für die es nicht minder schwer ist, das Ganze zu verkraften. Doch warum vor laufender Kameras? Warum nicht beispielsweise als Brief in einer nationalen Zeitung? Und sind die persönlichen Familienbilder nötig, um die Tragik dessen, was geschehen ist, zu messen? Ich will damit nicht sagen, dass er nicht wirklich trauert, doch ich kann nicht anders, als bei solchen Szenen – seine Rede geht zur Zeit um die Welt – an Andy Warhol zu denken. Der sagte angeblich: «Jeder wird eines Tages 15 Minuten Ruhm erfahren haben.»
Könnten Sie an die Öffentlichkeit treten, gerade einmal 48 Stunden nach einer solchen Tragödie? Ich nicht.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Kinder kriegen, Finanzen regeln



Wollt ihr wissen, was Budgetplanung ist? Werdet schwanger, dann lernt ihr es von alleine!

In diesen Tagen wird viel Geld ausgegeben, das perfekte Geschenk ist oft nicht das Günstigste. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber wir mussten eine Art Weihnachts-Geschenke-Budget machen, damit das Geldausgeben nicht ausartet. Früher war das kein Thema. Rückblickend könnte man sogar sagen, wir hätten meist über unsere Verhältnisse gelebt, nur war das nicht so schlimm. Wir waren ja nur für uns selber verantwortlich. Seit wir Eltern sind, ist alles anders. Auch in Sachen Buchhaltung.

Wenn man also lernen will, mit Geld umzugehen, muss man nur Kinder in die Welt setzen. Nicht, dass Kinder wahnsinnig teuer wären, das kommt ganz auf die Einstellung der Eltern und deren Möglichkeiten an. Dennoch musste ich portemonnaie-technisch einiges dazulernen, seit ich Kinder habe:
  1. Ausgehen ist Luxus. Windeln nicht. Die Prioritäten ändern sich. Drastisch. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
  2. Die Kinder werden so schnell gross! So gerne ich früher schon Schuhe kaufte, für mich selber waren es dann doch nicht sechs Paar pro Jahr. Jetzt schon. Mal zwei! Ganz zu schweigen von Jacken, Hosen und so weiter und so fort.
  3. Einkaufen ohne Liste kommt viel teurer. Vor allem, wenn die Kinder dabei sind. «Mami, darf ich ein Brötchen?», «Wir hatten schon lange keinen Lachs mehr!» Doch nicht nur die Kleinen, auch ich selber shoppe mehr nach Lust und Laune, wenn ich meine Liste – wieder mal – zu Hause liegen gelassen habe. Eltern sein bedingt auch hier eine gewisse Planung, um nicht bankrott zu gehen.
  4. Ein kleines Polster schafft ruhigere Nächte. Notfälle, die es zu berappen gilt, kommen mit Kindern einfach häufiger vor. Von der Zahnspange bis zum neuen Velo, weil das alte gestohlen wurde: Ein paar Franken im Monat zu sparen, ist ein Muss, um ruhiger schlafen zu können.
  5. Kein schlechtes Gewissen haben. Natürlich sollte man nicht die ganze Miete für ein Wellness-Weekend ausgeben. Aber eine Massage oder ein Magazin-Abonnement sollte drin liegen. Wenn die Eltern mal abschalten können, tut das doch der ganzen Familie gut, oder nicht? Hierfür gibt es ja mittlerweile genug Websites mit vergünstigten Angeboten, damit das schlechte Gewissen gar nicht erst aufkommt.
  6. Das Bedürfnis, die eigenen Kinder zu verwöhnen, ist riesig! Um diese Jahreszeit muss ich immer besonders aufpassen, die Versuchung ist einfach zu gross. Natürlich hat man erzieherische Prinzipien, aber wenn man in der Spielwarenabteilung steht... Also unbedingt dagegen ankämpfen und nur wenige, dafür wirklich gewünschte Geschenke kaufen. Das Lächeln der Kleinen an Heiligabend wird uns Recht geben.

Und was haben Sie für Ihre Finanzen gelernt, als die Kinder da waren?

Sonntag, 9. Dezember 2012

Wie die böse Schwiegertochter



Die Kritik an Valérie Trierweiler im «Magazin» ist unangebracht. Ein Kommentar.

«Sie hat Hollandes Ruf beschädigt.» Dies die Worte von Elizabeth Day, Journalistin beim «The Observer», im «Magazin» von Samstag. Die Rede ist von Valérie Trierweiler, Frankreichs First Lady, die diese Rolle einerseits widerwillig, andererseits berechnend eingenommen hat.

Miss Day hätte vielleicht nicht nur vermeintliche Biografien und Wahlprotokolle in Buchform lesen sollen, das Gespräch mit ein paar Franzosen zu suchen, wäre ebenfalls angebracht gewesen.

Man mag Dame Valérie nämlich vieles vorwerfen, beispielsweise dass sie ihre beiden Rollen – die der Journalistin und die der Première Dame – nicht trennen kann. Oder auch, dass sie Mühe hat, beides unter einen Hut zu bringen, je nach dem, was man bevorzugt. Dass sie verwantwortlich für «Flambis» sinkende Popularität verantwortlich sein soll, ist jedoch schlicht nicht wahr.

«Flambi» soll es richten
Ohne den Anspruch auf politische Analyse erheben zu wollen: Nicht wegen Trierweilers angeblicher Dominanz haben die Franzosen ihm den Spitznamen eines "Wackelpuddings" gegeben, sondern wegen der hohen Erwartungen, welche die Grande Nation nach jeder Wahl an den neuen Präsidenten stellt. Alles muss SOFORT besser und einfacher werden. Und mit ALLES meint le Français: Arbeitslosigkeit, Wirtschaft, Umwelt, Armut, Bildung. ALLES halt. Nun ist François Hollande seit etwas mehr als einem halben Jahr im Amt und arbeitet an den diversen Versprechen, die er während seines Wahlkampfes gegeben hat. Dies zur grossen Unzufriedenheit der an staatliche Assistenz gewöhnten Bevölkerung, welche sich von einer sozialistischen Regierung noch viel mehr Unterstützung erhofft hat, ungeachtet der finanziellen Krise, in der das Land seit Jahren steckt. Hollande hinkt den Erwartungen hinterher und seine – im Vergleich zum seinerzeit impulsiv und teils überstürzt handelnden Sarkozy – eher lasch wirkende Persönlichkeit machen aus ihm keinen Publikumsmagneten, soviel steht fest. Dass er inkonsequent in seinen Aussagen ist (er befürwortet die Homo-Ehe, gibt aber an, ein Bürgermeister, der das nicht will, muss keine gleichgeschlechtlichen Paare zu trauen) und seinen Apparat), so scheint es, in PR-Sachen nicht immer im Griff hat, steht ebenfalls ausser Frage. So skandierte sein Innenminister Mannuel Valls vor Kurzem im Parlament, der grassierende Terrorismus im Land sei das Werk der rechten Parteien.

Zu behaupten, seine Lebensgefährtin habe wegen ihres Charakters und eines unangebrachten Tweets seinem Ruf geschadet, kann man deshalb so nicht stehen lassen. Die Franzosen haben weit grössere Probleme als die Frage, ob die First Lady ihre First Choice wäre. Dass Valérie Trierweiler ihren Job behalten hat und nicht nur ihrem Président zudienen will, entspricht wiederum der Einstellung vieler gebildeter Französinnen, die sich in ihr wiedererkennen. Dieser Entscheid macht aus ihr nämlich eine Frau wie jede andere. Die Aussage, «Sie hat Hollandes Ruf beschädigt» klingt hingegen wie die Kritik einer Schwiegermutter an ihrer Schwiegertochter.

Erschienen heute auf clack.ch.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Worüber Kate und William reden sollten



Bevor das königliche Baby kommt, sollten die Royals ein paar Punkte klären. Alle anderen werdenden Eltern übrigens auch.

Kate und William erwarten ein Baby und die Welt freut sich. Wieso man sich über eine königliche Geburt mehr freuen soll als über irgendeine andere, ist jedem selber überlassen. 

Doch wenn wir zurückdenken an die Zeit vor der Geburt und daran, wie es dann wirklich war, möchten wir dem jungen Paar doch ein paar Gedanken mit auf den Weg geben. So ist im Falle des Elternwerdens Reden viel mehr wert als Silber und Gold zusammen. Es ist das A und O einer funktionierenden Beziehung und wenn ein Baby da ist, noch um einiges wichtiger. 

Denn wer zum Beispiel vor der Geburt dachte, es komme nie und nimmer in Frage, dass das Baby im Ehebett schläft, muss das vielleicht noch mal überdenken. Spätestens wenn die kleine Nervensäge nur dann nicht weint, wenn es bei Mama und Papa liegen darf. Am schlimmsten ist es natürlich, wenn es für Papa vollkommen in Ordnung ist (ja, er sich sogar darüber freut) und Mama derweil kaum ein Auge zukriegt. 

Deshalb möchten wir Kate und William klar sagen, worüber sie sich VOR der Geburt einig sein müssen, damit das mit dem Kind kein täglicher Kampf wird. Schliesslich haben sie noch ein paar Monate Zeit, gewisse Punkte auszudiskutieren. Natürlich gilt Folgendes nicht nur für königliche Eltern:
  1. Die Geburt
    Der Buckingham Palace mag sich für vieles eignen, für eine Hausgeburt wohl weniger. Ausserdem sollte das Paar sich über die Art der Niederkunft einigen, ob Kaiserschnitt, natürlich, mit oder ohne Schmerzmittel und ob sie einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen sollen. (Was im Falle der Royals ein guter PR-Gag wäre.)
  2. Namen
    Und zwar ohne die Queen oder Charles vor der Geburt darüber zu informieren. So ersparen sie sich Diskussionen darüber, ob George (der eigentlich Albert hiess) nicht ein schlechtes Omen wäre, schliesslich hat der gestottert, erinnern Sie sich? (Lesen Sie dazu «The Kid's Speech».)
  3. GeldBei den Royals kaum ein Thema. Für alle anderen: Ein Kind kann viel kosten, am besten spart man schon während der Schwangerschaft und einigt sich darüber, wie das Geld – und falls ein Elternteil weniger arbeitet, weil jetzt das Kind da ist, erst recht – im Haushalt aufgeteilt werden soll. Was gut funktioniert: Ein gemeinsames Konto für die Familie, Taschengeld für jedes Elternteil, Kindergeld auf ein Jugendkonto. Wenn es die Finanzen denn erlauben.
  4. Stillen
    Die Unterstützung des Vaters ist wichtig, er darf sogar nachts mal aufstehen, um der Mutter das Baby zum Stillen zu bringen. Wenn’s aber für beide zu mühsam ist: Lasst es sein! Schliesslich gibt es genug Pulvermilch, die das Baby frei von Stress ernähren kann. Auch darüber sollten sich die Eltern einig sein.
  5. Religion: Gerade zurzeit ein wichtiges Thema. Sollten die Eltern verschiedene Glaubensrichtungen haben, müssen sie wissen, wie sie in der Erziehung damit umzugehen gedenken.
  6. ErziehungNatürlich hat man anfangs keine Ahnung, wie das Kind sein wird und welche Erziehung wirklich angewendet werden soll. Doch über die Grundsätze – laisser faire, streng, intuitiv etc. – sollte man sich schon einig sein. Das vereinfacht es später und vermindert die Diskussionen vor dem Kind.
  7. ErnährungIst es okay, wenn das Kleinkind bei Oma Süsses bekommt oder gar nicht? Darf Papa immer nur Tiefkühlpizza servieren, wenn Mami ausgeht? Es muss nicht immer Bio und hausgemacht sein, ein paar Abmachungen schaden aber nie.
  8. VerantwortungsaufteilungWer arbeitet ausser Haus, zu wie viel Prozenten? Wer betreut die Kinder: Oma, Krippe, Nanny? (Lesen Sie dazu: «Krippe, Tagesmutter oder Grosi?»)Und nicht vergessen: Das kann sich immer wieder ändern, je nach Alter des Kindes und Jobsituation der Eltern. Egal, wie viel abgemacht wurde, man muss flexibel bleiben.
  9. Familienbett
    Unbedingt ausfechten, ob und wie lange das Kind im Ehebett schlafen darf! Oder im Gästezimmer eine gute Matratze bereithalten.

  10. SexAuch das sollte vor der Geburt schon besprochen werden. Denn in den meisten Fällen schwindet das Interesse daran, wenn das Baby erst einmal da ist. Darauf kann man sich vorbereiten, damit die intimen Momente nicht von unausgesprochenen, negativen Gefühlen ausgefüllt werden. Und so darauf hinarbeiten, dass das Verlangen wieder kommt.
Was würden Sie werdenden Eltern zudem empfehlen, was vorher diskutiert werden muss?

Montag, 3. Dezember 2012

Teilzeitmann? Rabenvater?





Für Väter liest man vermehrt Begriffe, die einen falschen Eindruck vermitteln oder gar vollkommen sinnfrei sind. Ein Überblick.


Rund um die Diskussion zur Rolle der «Neuen Väter», die letzte Woche auch im «Club» diskutiert wurde, stolpert man in letzter Zeit über fragwürdige Begriffe, die man mir wirklich einmal erklären sollte. Ob ein Mann mehr oder weniger arbeitet, mehr oder weniger Zeit mit den Kindern verbringt, ob er den Haushalt macht oder nicht, oder eben lieber am Wochenende nur Zeitung liest, das alles macht aus einem Mann doch keinen anderen Mann. Aus einem Vater wird doch nicht ein anderer Vater. Was also bedeuten folgende Begriffe:

Teilzeitmann
Dieser ist so bezeichnend, wenn man die heute herrschenden Verhältnisse anschaut: Ein Mann, der «nur» Teilzeit erwerbstätig ist, ist eben auch nur teilweise ein Mann. Ein weiterer Kommentar erübrigt sich hier.

Teilzeitvater
Was unterscheidet ihn vom Vollzeitvater? Die Scheidung? Der Job? Ist ein Vater, der 60 Prozent seiner Zeit nicht bei den Kindern verbringt, nur noch ein 40-prozentiger Vater? Ist er denn im Büro kein Vater mehr, denkt er etwa nie an die Kinder oder geht ans Telefon, wenn es zu Hause brennt? Diese Frage stellt man sich bei den Müttern übrigens genauso. Welche Mutter würde sich selber als Teilzeitmutter bezeichnen?

Wochentagspapi
Das ist mein Lieblings-Begriff. So bezeichnen sich Väter, die nicht nur am Wochenende zu Hause sind, sondern während der Woche auch einen «Papi-Tag» haben. Oder mehrere. Das sind dann die Super-Helden. Sind Sie auch ein Wochentagsmami? Und brüsten Sie sich damit? Eben.

Hausmann
Der berühmteste unter ihnen macht es vor: Er ist gar nicht «nur» Hausmann. Er ist nämlich Journalist, ein Beruf, den man eben auch von zu Hause aus ausüben kann. Etwas, was vielen Hausfrauen nicht möglich ist, was der Bezeichnung «Hausfrau» nun mal eine ganz andere Note gibt als dem Bänz Friedli. Selber kenne ich keinen richtigen Hausmann, leider. Doch für mich ist klar: Ein waschechter Hausmann ist nur dann einer, wenn er die gesamte Palette an Langeweile, Sisiphus und Glücksmomenten kennenlernt wie all die Hausfrauen, die diesem Land regelrecht dienen. Sonst ist und bleibt es eben eine schöne Bezeichnung für einen Mann, der ausnahmsweise mehr Hausarbeit übernimmt als die Frau. Mehr nicht.

Familienvater
Was denn sonst? Ein Vater kann doch nichts anderes sein als ein Familienvater. Ohne Familie, kein Vater. Einer, der sich gar nicht um die Kids kümmert oder markant zu wenig, ist kein Vater. Ein Erzeuger vielleicht, wenn ich ganz schlecht drauf bin, ein Samenspender. Mit Vater sein hat das aber nichts zu tun.

Rabenvater
Der musste ja kommen. Wo Rabenmütter sind, folgen auch die Rabenväter, zumindest sprachlich. Ähnlich der Rabenmutter, ist ein Rabenvater ein karrieregeiler Erzeuger. Sage nicht ich, sagt die Gesellschaft. Da gilt aber natürlich dasselbe wie für Vollzeit arbeitenden Mütter: Bloss, weil ein Vater fünf Tage die Woche finanziell für seine Familie sorgt und «nur» am Wochenende zu Hause ist, macht das aus ihm noch lange keinen karrieregeilen Rabenvater. Sondern einen verantwortungsbewussten Familienmenschen, der seinen Liebsten einen gewissen Wohlstand ermöglichen möchte. Und nicht zu vergessen, dass die meisten gar keine Wahl haben, nicht alle sind Journalisten oder haben sonst einen Beruf, den sie Teilzeit ausüben können. Ganz zu schweigen vom fehlenden Geld.

Das haben sogar feministische Organisationen verstanden, wie der Auftakt zu den diesjährigen «16 Tagen»* zeigt: «Wo sind die karrieregeilen Rabenväter?» lautete der Slogan in Bern.

Ja, wo sind sie nun? Überall oder nirgends? Was haltet ihr  von solchen Begriffen?

*Während 16 Tagen werden diverse Themen rund um Rollenbilder besprochen. Die einzelnen Veranstaltungen sehen Sie hier.

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