Donnerstag, 31. Januar 2013

«Das Vitamin D gebe ich ihm jeden Tag!»



Der Besuch beim Kinderarzt ist manchmal nervenaufreibend. Ein bisschen flunkern kann helfen!

Eine Freundin gestand mir vor Kurzem, sie hätte ihren Kinderarzt angelogen. Sie war mit ihrer 7 Monate alten Tochter bei ihm und als er sie fragte, ob sie die Kleine viel rumtrage, antwortete sie: «Eigentlich nicht, zu Hause ist sie ganz zufrieden». Währenddessen hielt sie die Kleine in der Praxis im Arm, da diese nicht aufhören wollte zu weinen. Mir gegenüber erklärte sie indes verzweifelt, sie trage ihr Baby eigentlich den ganzen Tag herum, kaum lege sie sie hin, da schreie sie wie am Spiess. «Und wieso hast du ihm das nicht gesagt?» fragte ich sie. Doch eigentlich wusste ich die Antwort schon. «Er machte mich nervös und ich fühlte mich verurteilt. Als wäre ich irgendwie unfähig.»

Da kamen bei mir natürlich Erinnerungen hoch. Nicht, dass ich den Kinderarzt heute nicht mehr anflunkern würde, aber bei Säuglingen kommt das weitaus öfter vor. Was auch daran liegt, dass man alle paar Wochen zum Arzt muss.

Was habe ich unseren Doktor angelogen! Im Nachhinein klingt es vielleicht lächerlich, aber damals fühlte ich mich etwas weniger schlecht, fast so, als würde ich selber glauben, was ich ihm da erzähle.

«Das Vitamin D? Klar gebe ich ihm das jeden Tag. Nein, ich habe es noch nie vergessen!»

«Mehr als 10 Minuten verbringt er nie in der Lauflernhilfe. Das wäre ja nicht gesund für seinen Rücken!»

«Ich koche den Babybrei selbst. Immer. Süsses hatte er noch nie und wenn er vom Tisch isst, kriegt er nur Gemüse.»

«Nein, ich nehme ihn nicht umgehend aus dem Bettchen, wenn er nachts aufwacht, wo denken Sie hin? Auch gestillt wird er erst, wenn er wirklich Hunger hat!»

«Zu Hause hatte er über 40°C Fieber, ehrlich!» (Das war einmal in der Notaufnahme, als sie uns ganz schief anschauten, weil Junior quietschfidel rumrannte. Aber zu Hause hatte er echt schlecht ausgesehen!)

«Ich habe das Impfbüchlein bereit gelegt, aber der Kleine hat es in die Hände gekriegt und jetzt ist es verschwunden. Schon wieder.»

«Fernsehen? Nur selten und wenn, dann nur kurz.»

«Nein, ich gehe diese seltene Krankheit, die mein Kleiner vielleicht haben könnte, nicht googeln. Auf keinen Fall! Lieber vertraue ich Ihrer zweiminütigen Erklärung und ihren beruhigenden Worten, dass da bestimmt nichts ist....»

Lügen Sie Ihren Kinderarzt auch manchmal an? Oder sind meine Bekannte und ich etwa die Einzigen?

Montag, 28. Januar 2013

Männer können jetzt auch Wehen haben



Doch wissen sie deshalb, wie sich eine Geburt anfühlt?

Männer haben keine Ahnung! Trotz Emanzipation und Feminismus gibt es eine letzte Bastion, in der uns Männer das Wasser nicht reichen können: Wir kriegen die Babys. Und das tut weh. Extrem sogar.

Wenn alle Stricke reissen, konnten wir unseren Männern immer noch diese eine Tatsache vorhalten: Was weisst du schon? Doch damit ist jetzt Schluss! Nein, Männer können nicht plötzlich selber Babys gebären, schön wär’s! Doch nachvollziehen, wie schmerzhaft eine Geburt ist, das geht jetzt, Wissenschaft und Fernsehen seien Dank.

 Der holländische Fernsehsender BNN hat zwei Versuchskaninchen angeheuert, um in ihrer gleichnamigen Sendung «Proefkonijnen» den männlichen Horizont zu erweitern. Die Herren wurden während zwei Stunden an Elektroden angeschlossen, die ihnen immer stärkere Stromstösse verpassten. Die so verursachten Schmerzen seien ähnlich denen von Wehen, so die Macher vor Ort. Die Jungs fanden das erst ganz witzig, nach zwei Stunden war ihnen das Lachen dann aber definitiv vergangen. Sie krümmten sich und schrien und wussten nicht mehr, welche Haltung sie einnehmen sollten. Wie echte Schwangere halt.

Heisst, das, Männer hätten jetzt eine Ahnung davon, was es heisst, Wehen zu haben? Vielleicht. Aber sind wir ehrlich: Welche Geburt dauert nur gerade zwei Stunden? Also können wir weiterhin getrost behaupten: Männer haben keine Ahnung!

Donnerstag, 24. Januar 2013

Das A und O der Mathematik



Auf dem Feld stehen 26 Schafe und 10 Ziegen. Wie alt ist der Bauer? 

Kinder, die schematisch lernen, antworten bei dieser Aufgabe wie aus der Pistole geschossen «36!». Was natürlich Quatsch ist, aber gerade ein Fach wie Mathe verleitet dazu, Automatismen zu entwickeln.

Meinem Sohn passiert beispielsweise immer wieder, dass er eine ganze Seite lang Additionen rechnet statt Minus-Rechnungen, bloss weil er das auf der vorherigen Seite auch getan hat. Automatisch.

Wenn es Ihnen nun nicht so geht, dass die Hausaufgaben im Rechnen zur Nerven-Zerreissprobe nach dem Zvieri werden, dann brauchen Sie gar nicht erst weiterzulesen. Ihr Kind scheint hoch motiviert oder einfach ein Mathegenie zu sein. Für alle anderen: Mathematik hat nichts mit Intelligenz zu tun. Sage nicht ich, sagt eine Langzeitstudie mit 3500 bayrischen Schülern. Die zum Schluss kam, dass jene Kinder den höchsten Leistungszuwachs erzielen, die besonders motiviert sind. Die Intelligenz der Schüler spiele dabei keine Rolle.

Ha! Das hören meine mütterlichen Ohren gerne! Es geht also nicht darum, dass er möglichst viel von alleine begreift oder gar auswendig lernt. Vielmehr muss es ihm Spass machen! Die sogenannte intrinsische Motivation wirkt lange nach, während die extrinsische – also das Lernen für gute Noten – nur kurzfristig Erfolge bringt. Die Studie folgert, dass Tigermoms nicht das Richtige sind für Kinder, die mit Mathe Mühe haben.

Was kommt denn jetzt? Die Clown-Mom? Ich fände es nämlich wunderbar, wenn mein Sohn Spass an Mathe hätte, nur: Wie um Himmels willen motivieren wir ihn dazu? Darauf weiss die Studie keine Antwort. Auch nicht auf die Frage, warum manche Kinder von Zahlen fasziniert und andere genervt sind.

Wie handhaben Sie die Motivation Ihrer Kinder für Mathe? Oder auch ein anderes Fach? Erhalten Sie Hilfe von der Schule? Oder haben Sie ein Geheimrezept?

Montag, 21. Januar 2013

Sponsored Video: Was es bedeutet, eine Familie zu sein






Sponsored by Coca-Cola


Von wegen Frauenthema: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie betrifft Mütter UND Väter.



Ridley Scott («Thelma & Louise» und «The Gladiator») hat eigens für Coca-Cola einen Kurzfilm mit der legendären Eisbärenfamilie gedreht. Darin sieht man die Markenikonen, wie sie herumtollen und Spass haben. Als Familie. Nicht nur Coca-Cola will mit der neuen Kampagne das Bewusstsein für Familien stärken. Denn, obwohl die Eisbären zuckersüss sind und ich mir das Leben mit Kindern genau so vorgestellt hatte (herumtollen und viel schmusen), weiss ich heute, dass der Alltag – zu grossen Teilen - anders ist. Anstrengender, stressiger, aber auch vielfältiger. Und es geht mit Sicherheit nicht nur mir so.



Weshalb es umso unverständlicher ist, dass  - im Gegensatz zum Cola-Spot - eine Initiative wie die der der CVP «JA zur Familie» so wenig Beachtung erhält. Jeder dritte Schweizer Bürger (damit meine ich natürlich auch Bürgerinnen) lebt in einer Familie und dennoch scheinen sich wenige für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu interessieren. Über die Abzockerinitiative wurde in letzter Zeit fünfmal soviel wie über die Familieninitiative geschrieben. Dabei ist es schon lange kein reines Frauenthema mehr (was normalerweise den Grund für die geringe Beachtung darstellt).



Doch bei dieser Initiative geht es nicht nur darum, möglichst vielen Frauen eine Karriere zu ermöglichen. Schliesslich weiss man heute, dass es sich zur Zeit für Mütter nur lohnt, zu arbeiten, wenn das Pensum – und somit der Lohn – nicht zu hoch ist. Sonst geht alles für Kinderbetreuung und Steuern drauf. Also arbeitet Mami Teilzeit und lässt ihre Karriere den Bach runter gehen.



Doch wer am 3. März 2013 «Ja für Familien» stimmt, gibt auch Männern eine Chance, mehr Zeit mit ihren Kindern und deren Mütter zu verbringen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist auch für Väter zentral geworden, wie die Studie «Was Männer wollen» aufgezeigt hat: 9 von 10 Männern gestehen darin, ihre Erwerbstätgikeit eigentlich reduzieren zu wollen und dafür auch eine Lohneinbusse in Kauf zu nehmen.



Bei der Abstimmung geht es also weder um Macho-Mütter noch um Softie-Väter. Es geht um Wahlfreiheit. So, wie uns niemand sagen kann, WO wir zu leben haben, sollte uns auch die Politik nicht vorschreiben können, WIE wir unsere Familie organisieren wollen.



Ich weiss ja nicht, wie es euch geht, aber die schönsten Momente als Familie sind doch die, die man zusammen verbringt. Und damit meine ich nicht die halbe Stunde beim Abendessen, bevor die Kids ins Bett müssen. Nicht nur Coca-Cola möchte «Familienmomente feiern und die Wichtigkeit aufzeigen, viel Zeit mit der Familie zu verbringen.» Ich auch. Und deshalb stimme ich am 3. März «JA zur Familie.»



Und ihr?

Freitag, 18. Januar 2013

Familie, vergebt mir, denn ich habe gesündigt.



Statt gute Vorsätze zu fassen, möchte ich dieses Jahr lieber meine Sünden beichten.

Vorsätze für das neue Jahr mache ich schon lange nicht mehr. Schliesslich rauche ich kaum noch (ehrlich!), ein Fitnessabo habe ich (und gehe sogar manchmal hin) und damit ich in Zukunft cool bleibe, nehme ich ein Vitamin-B-Präparat, das soll gut für die Nerven sein. Was also könnte ich mir noch vornehmen? Eben!
Wenn ich mir aber das letzte Jahr so anschaue, gäbe es schon ein paar Sächelchen, die besser laufen könnten. Es gab da ein paar Momente, an denen ich am liebsten a) im Erdboden verschwunden oder b) etwas fieser als erlaubt war.
Anstatt vieler Vorsätze mache ich es dieses Jahr wie die Katholiken: Ich beichte meine Sünden. Hier also die ultimative Mami-Beichte. Ergänzungen willkommen!
Peinlich, peinlich
  • Als ich mich bei einem neuen Arzt anmelden wollte, fragte mich Frau Doktor, ob ich regelmässigen Geschlechtsverkehr hätte. Was ich bejahte. Dann fragte sie mich, was ich denn mache. «Na, normal, also vaginal. Auch oral» war meine etwas peinlich berührte Antwort. Sie meinte beruflich...
  • In der letzten Schulwoche hole ich meinen Grossen in der Schule ab, der mir ganz stolz sein selbst gebasteltes Weihnachtsgeschenk hinhält. Ich inspiziere die Flüssigkeit und frage ihn: «Kann man das trinken?» Als er verneint, seufze ich bedauernd und sage (etwas zu laut) «Schade, ein Schnäpschen wäre in der Vorweihnachtszeit das perfekte Geschenk für eine Mutter.» Den entrüsteten Blick, den ich von der Lehrerin erhielt, sprach Bände...
  • Als ich mir Haselnusscrème direkt aus dem Glas genehmigte und mich meine kleine Tochter dabei erwischte, sagte ich ihr, das sei Gaggi und sie solle wieder ins Bett. Seither erzählt sie überall rum, Mami esse Gaggi aus einem Glas. Na ja, gelohnt hat es sich trotzdem!
Fiese Momente
  • Dem jungen Paar, das mich im Supermarkt so vorwurfsvoll ansah, als meine Kleine einen Trotzanfall kriegte, musste ich einfach zurufen: «Gratis Verhütung. Gern geschehen!»
  •  Der Familie, die meiner Tochter zum Geburtstag Knetmasse und Fingerfarben geschenkt hat, drohte ich: «Besten Dank! Das nächste Mal bringe ich euren Teenage-Töchtern eine Maxi-Schachtel Kondome mit!»
  • Ich bat meine Kinder, ein trauriges Gesicht zu machen, fotografierte sie und schickte das Foto an die Grossmutter mit dem Text: «Wir vermissen dich sooo sehr!». Eigentlich wollte ich nur, dass sie hütet, denn ich brauchte unbedingt wiedermal einen kinderfreien Tag.
  • Kennen Sie das Buch «Go the fuck to sleep»? Ich schreibe eine Fortsetzung: «Leave me the fuck alone and go play with your toys!» 
  • Wenn ich meinen Mann ärgern will, dann ändere ich seinen Klingelton auf «I’m sexy and I know it». Bis er das wieder ändern kann, haben bestimmt schon 10 Leute angerufen!
  • Manchmal lasse ich mich von den Kindern «gefangen nehmen» und ins «Gefängnis» sperren, nur damit ich ein kurzes Power-Nickerchen halten kann...
Und, wer möchte hier sonst noch Beichte ablegen? Es bleibt ja unter uns...

Dienstag, 15. Januar 2013

Wie nennt man jemanden mit dunkler Hautfarbe?



Einen Menschen. (Oder was dachtet ihr?) Ausnahme: Alte Kinderbücher.

«Im Karton, der in Lummerland ankam, lag ein kleines N****baby.» Von Jim Knopf über Pippi Langstrumpfs Vater bis zu den Gastgebern beim Chaschperli: Kinder werden bis heute mit dem N-Wort für schwarze Menschen konfrontiert, manchmal ohne unser Zutun. «Auch ohne böse Absicht können Worte ja Schaden anrichten.» So Kristiina Schröder in einem kürzlich erschienenen Interview mit der «Zeit». Sie würde in einer Kindergeschichte den Ausdruck einfach ersetzen, die Hautfarbe spiele schliesslich keine Rolle. Soweit wird ihr wohl kaum jemand widersprechen. Irrtum!

Die empörten Reaktionen vieler Kommentatoren und Journalisten auf diese Aussage zeigen, wie heikel das Thema entgegen aller Erwartungen ist. (Die Chaschperli-Produzenten haben ihre N-Wörter immerhin ausgewechselt und waren ihrer Zeit offenbar voraus.) Ja, wir leben in demokratischen Ländern mit Meinungsäusserungsfreiheiten und ja, Zensur ist undemokratisch und freiheitsberaubend. Doch liegt ein meilenweiter Unterschied zwischen dem Verbot der «Pussy Riots» und Kinderbüchern, in denen Menschen afrikanischer Abstammung als wahlweise «arm» (im materiellen wie auch im übertragenenen Sinn), «herzig» oder gar primitiv dargestellt werden?

Früher nannte man ein Kind, das von unverheirateten Eltern abstammt, einen Bastard. Würde man das seinen Kindern heute so vorlesen wollen? Oder wenn man den Vergleich der Blogger von «Fuckermothers» zitieren möchte: «Viele Eltern lesen den ‘Struwwelpeter’ nicht mehr vor. Denn sie wollen ihren Kindern nicht beibringen, dass sie sterben müssen, wenn sie keine Suppe mehr essen. Und dass ihnen nicht die Finger abgeschnitten werden, wenn sie ihre Haare nicht frisieren. Statt dem Ausdruck ‘Weib’ sagen wir heute ‘Frau’. Statt ‘gefallenes Mädchen’ sagen wir ‘alleinerziehende Mutter’. So etwas bezeichnet man gemeinhin als Fortschritt.» Und Fortschritt in Sachen Diskriminierung ist etwas Gutes, liebe Kritiker.
Gerade in Deutschland, wo Neonazis wieder politischen Aufwind erleben und rassistische Gewaltverbrechen vermehrt an der Tagesordnung sind, lässt dieser Sturm an Kritik gegen die Verwendung des N-Wortes in Kinderbüchern aufhorchen. Kann es wirklich sein, dass es Eltern nicht stört, wenn ihre Kinder solche Ausdrücke benutzen? Schliesslich hören es die wenigsten gern, wenn das eigene Kind flucht, aber N**** soll dann in Ordnung sein? Oder ist die Diskussion eine rein philosophisch intellektuelle? Dann ist sie nämlich schlicht überflüssig und für den Papierkorb.

Denn worüber gar nicht gesprochen wird, sind die Betroffenen: Was ist mit den Gefühlen der Kinder afrikanischer Abstammung? Wie die sich wohl fühlen, wenn in der Schule Jim Knopf gelesen und da ganz offen vom «N-Baby» geredet wird? Ist es so schwer, sich in ein solches Kind zu versetzen und zu verstehen, dass es ganz und gar nicht o.k. ist, heute noch solche Ausdrücke zu benutzen? Ausser, man regt damit eine  Diskussion an, um den Kindern klarzumachen, dass das nicht geht. DAS wäre ein gutes Thema für den Lehrplan!

Wie handhabt ihr das? Haltet ihr die Streichung des «N-Meitlis» beim Chaschperli für Zensur oder für notwendig? Darf man Astrid Lindgrens berühmtesten N-König «Südseekönig» nennen, wie Schröder das im Interview vorschlägt? Oder ist die Hautfarbe überhaupt kein Thema?

Montag, 14. Januar 2013

Es gibt Skiferien. Und Skiferien.




Ein Muss, wenn man in der Schweiz lebt. Doch wer kann sich Skiferien überhaupt noch leisten?





Gehört ihr auch zur Generation Rollschuhe, Kassettenrekorder und Plastikohrringe? Geboren in den Siebzigern? Ich schon. Abgesehen von der schrecklichen Mode und Frisuren, die unsere jungen Jahre in den Achtzigern prägte, empfand ich das Skifahren immer als besonders typisch für uns, die wir jetzt fast vierzig (oder schon älter) sind. Oder gibt es jemanden unter euch, der wirklich noch nie auf den Skiern stand? Eben.



In unserer Kindheit gehörte es doch unbedingt dazu. Die Schulferien im Februar bezeichnete man deshalb auch als Ski- und nicht wie heute als Sportferien. Wer es sich leisten konnte, verbrachte sie in einer Ferienwohnung oder einem Hotel in den Bergen. Alle anderen gingen ins Skilager. Ich hatte das grosse Glück, beides geniessen zu dürfen. Falls man beim Skilager wirklich von Genuss reden konnte. Denn ausser den Brettern hatten die beiden Ferienarten nichts miteinander gemein.



Skiferien mit meinen Eltern:

-   Ausschlafen

-   Gemütlich frühstücken

-   Bei Sonnenschein und klaren Sichtverhältnissen auf den Berg (Keine Sonne = Schlechtwetterprogramm, bspw. Hallenbad)

-   Nach zwei Fahrten in die Beiz für eine feine Bratwurst mit Zwiebelsauce und Rösti

-   Nach weiteren zwei bis drei Fahrten zum Zvieri in die nächste Bergbeiz

-   Talfahrt und Après-Ski

-   Feines Abendessen im Dorf



Wobei ich erwähnen muss, das lediglich mein Vater mit auf den Berg kam. Meine Mutter fuhr nicht Ski und langweilte sich indessen den ganzen Tag im Dorf, was mitunter auch dazu führte, dass sie sich eines Tages beim Spazieren im Wald verirrte und wir einen Suchtrupp losschicken mussten. Wir fanden sie, bevor die Wölfe sie entdeckten...



Im Skilager wehte indes ein vollkommen anderer Wind:



-   7.00 Uhr Tagwach

-   7.15 Uhr Frühstück

-   8.00 Uhr mit dem ersten Bähnli auf die Piste, bei JEDEM Wetter

-   Skischule: x Mal rauf- und runterfahren

-   Mittagessen: Sandwich und Lindenblütentee. Draussen. Ausser bei extremem Hudelwetter, da durften wir ausnahmsweise in die warme Beiz mit unserem Sandwich.

-   Nachmittag: weitere gefühlte 100 Male die Piste runter.

-   Der Après-Ski bestand darin, die diversen Kuhnagel-geplagten Zehen aufzutauen.

-   Abendessen: Irgendwas mit brauner Sauce. Oder Riz Casimir.



Und soll ich euch was sagen? Ich habe es geliebt, das Skilager! Die anderen Kinder (ich bin ein Einzelkind), die Skischule, die gemeinsamen Abende im Massenschlag, die heimlichen Besuche des Bubenschlafraums, wenn die Lehrer schliefen...

Heute hat die Generation unserer Kinder offenbar immer seltener Gelegenheit, das Skilager zu besuchen, da dieses vielerorts aus finanziellen Gründen abgeschafft wurde. Schade.



Die Abschaffung der Skilager ist umso trauriger, als dass sich immer weniger Familien die teuren «normalen» Skiferien in unseren schönen Schweizer Bergen leisten können.



Deshalb sind Angebote, wie es die Ferienregion «Engadin Scuol Samnaun» dieses Jahr anbietet, für viele ein Segen. «Skifree for kids» lädt Kinder von 3-12 Jahren zu kostenlosen Skilektionen ein. Die Skischule, die Miete der Ausrüstung, die Benützung des Liftes und des Kinderparadieses sind im Angebot inbegriffen.



Die Eltern bezahlen natürlich den normalen Preis. Doch die müssen ja auch nicht auf die Piste. Nehmt einfach eine Karte mit, wenn ihr stattdessen spazieren geht...



Mehr Infos und Termine findet ihr hier.

Donnerstag, 10. Januar 2013

Das ewige Räuber und Poli-Spiel







Wozu hortet ein Familienvater ein Waffenarsenal in seinem Keller?

Waffen. Heisse Eisen, immer wieder. Sie waren mir schon immer etwas unheimlich, das muss ich gestehen. Wie alles, was damit zusammenhängt. So besass ich nie eine Militärhose oder kaufte meinen Kindern welche, auch als diese «in» waren. Meine erste Petition, die ich mit 18 unterschrieb, war die der «GSoA» für eine Schweiz ohne Armee. Es fällt mir bis heute jedes Mal schwer, nicht in eine gewisse Hysterie zu verfallen, wenn (meist in den USA) wieder einer Amok gelaufen und unschuldige Menschen getötet hat. Wenn diese auch noch kleine Kinder sind, dann fehlen mir die Worte. Deshalb habe ich das Drama von Newton auch nicht kommentiert, nachdem es passiert ist.

Doch das Walliser Drama, sozusagen vor unserer Haustüre, hat einmal mehr bewiesen, dass das Problem des Waffenbesitzes eben auch ein schweizerisches ist. So titelte der «Tages-Anzeiger» anfangs Woche in einer Carte Blanche «Amerikanisierung der Schweizer Waffenkultur». Der Autor, Josef Lang, Vizepräsident der Grünen. (Ja, es sind nie die Rechten, immer die linken Netten, die gegen Waffengewalt sind. Warum das so ist, muss ein andermal beantwortet werden, das ginge hier zu weit.) Er beschreibt darin die Parallelen, die es zwischen amerikanischen und schweizerischen Waffeninhabern gibt. Diese hören aber eben genau da auf, wo das Problem anfängt: bei der Selbstverteidigung.

In der Schweiz brauchen wir keine Waffen zur Selbstverteidigung. Oder wie der Quotenmann im Online-Magazin «clack.ch» es ausdrückt: «Wir erschiessen keine Einbrecher mit den Millionen Waffen in unseren Haushalten. Das ist empirisch bewiesen. Waffenbesitz bietet in etwa gleich viel Schutz wie lautes Pfeifen im dunklen Wald. In den letzten dreissig Jahren wurde wahrscheinlich nicht ein einziges Mal eine Straftat durch eine private Schusswaffe verhindert. Dafür wurden jede Menge Straftaten mit Schusswaffen verübt. Und wir haben keine faschistische Regierung, die es nötig macht, uns mit der Waffe in der Hand zu wehren.» Dem kann kaum jemand widersprechen oder von wie vielen «Heldentaten» haben Sie gelesen, in denen jemand von einem Hobby-Schützen vor einem Raubmord gerettet wurde? Ich keinen einzigen, lasse mich allenfalls aber gerne belehren.

Was ich aber kenne, sind Familienväter, die ein ziemlich ansehnliches Waffenarsenal im Keller horten und diesen Besitz vehement verteidigen, wenn man sie darauf anspricht. «Nicht Waffen töten Menschen. Menschen töten Menschen.» Das internationale Credo der Waffenbesitzer. Die Waffe im Keller tötet allein in der Tat niemanden. Natürlich will ich nicht behaupten, dass diese Väter (waffennärrische Mütter kenne ich keine, lasse mich aber auch hier belehren) etwas Böses im Schilde führen. Aber Waffen sind offenbar cool, das kann ich irgendwie sogar nachvollziehen. Eine Waffe zu zücken, hat gerade für mich als Frau etwas von «Lara Croft» und die ist doch cool. Oder doch nicht?

Was also geht in diesen Männern vor? Durften sie als Kind nicht Räuber und Poli spielen und müssen das nachholen? Oder haben sie als Kind eben gerade dauernd mit Spielzeugpistolen gespielt und können nicht mehr anders? Den Schutz der Familie kann ich als Motivation nämlich einfach nicht gelten lassen. Der nächtliche Einbrecher wartet schliesslich kaum darauf, dass Papa sein Gewehr aus dem Keller holt, um ihn zu verjagen.

Wer kann mir erklären, wofür ein Vater nicht nur eine, sondern mehrere Waffen zu Hause horten muss? Der Quotenmann geht übrigens so weit, dass er sämtliche Männer, die eine Waffe besitzen, aus seinem Freundkreis ausschliessen möchte. Was ist haltet ihr davon?

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