Samstag, 30. März 2013

Vaterliebe



Ein Vater entdeckt, dass sein Sohn schwul ist. Und schreibt ihm einen Brief. 

Wir haben uns vielleicht alle schon mal gefragt, was es für uns bedeuten würde, wenn unsere Kinder homosexuell wären. Grundsätzlich werden die meisten behaupten, es mache ihnen gar nichts, heimlich stimmt das vielleicht nicht ganz. Ich kenne Eltern, die ihre Kinder nach ihrem Coming-Out jahrelang nicht sprechen wollten, solche, die ihnen das austreiben wollten und weitere, die täglich beten, damit es wieder weg geht... 

In unseren Breitengraden dürfte man doch annehmen, dass wir unsere Kinder – ob schwul oder lesbisch – immer lieben, egal was passiert. Vielleicht hätte ich als Mutter das Gefühl, meinen Sohn, meine Tochter, noch mehr beschützen zu wollen, weil es bekanntlich (leider auch in unseren Breitegraden) immer noch viele intolerante, dumme und ignorante Menschen gibt, die in der sexuellen Neigung eines Menschen etwas Schlechtes sehen. Aber abgesehen davon, würde ein Coming-Out nichts ändern. Ob ich meine Liebe aber so schön in Worte fassen könnte wie dieser Vater bleibt fraglich.
Er hörte nämlich zufällig ein Telefongespräch seines Sohnes mit (dessen Alter leider nicht ersichtlich ist), der mit einem Freund sein geplantes Coming-Out und die damit verbundenen Ängste zum Thema hatte. Worauf ihm sein Dad folgenden Brief schrieb:

Nate,
I overheard your phone conversation with Mike last night about your plans to come out to me. The only thing I need you to plan is bring home OJ and bread after class.
We are out, like you now.
I’ve known you were gay since you were six—I’ve loved you since you were born
-Dad
PS: Your mother and I think you and Mike make a cute couple.

(Nate, ich hörte dein Telefongespräch mit Mike gestern Abend über dein geplantes Coming-Out. Das Einzige, was du zu planen brauchst, ist Orangensaft und Brot zu kaufen, wenn du von der Schule nach Hause kommst. Wir sind draussen, wie du jetzt auch. Ich wusste, dass du schwul bist, seit du sechs Jahre alt bist – Ich liebe dich, seit du geboren wurdest. – Dad P.S. Deine Mutter und ich finden, du und Mike seid ein süsses Paar.) 

Die sexuelle Orientierung unserer Kinder sollte eigentlich kein «schlimmeres» Thema sein als ihr Kleidergeschmack. Und mit einem Gruftie oder einer Barbie hätte ich definitiv mehr Mühe als mit einem homosexuellen Kind!

Donnerstag, 21. März 2013

Sonnengruss und Händchenhalten

 

Yoga und Liebe gehören für religiöse Eltern nicht in die Schule. Also wird dagegen gekämpft.

Eltern mischen sich ein. Wenn Kinder spielen, wenn Grosseltern hüten und wenn Lehrer lehren. Es sind schliesslich unsere Kinder, und wir wollen nur das Beste für sie. Und uns. Doch manchen geht die Einmischung zu weit, vermehrt beklagen Lehrer, dass sich Eltern bisweilen über Sachen aufregen, die im Lehrplan enthalten und somit Pflicht sind. Dabei geht es keinesfalls um die Ausbildung an sich, da sind sich Eltern meist einig, dass die so gut wie nur möglich ausfallen muss. Vielmehr scheint die Religion immer öfter eine zentrale Rolle in der Erziehung zu spielen und das, obwohl sich die meisten nach neusten Erkenntnissen als nicht religiös bezeichnen. Die zahlreichen Turn- und Schwimmlektions-Debatten, bei denen (meist) muslimische Eltern den Besuch der Stunden unterbinden wollten,  zeigen eine Seite des Problems. Vielleicht erinnern Sie sich auch noch an die Geschichte des Lehrers, der bezichtigt wurde, an einer Zürcher Kantonsschule pornographische Literatur zu lehren (u.a. der Klassiker «Frühlingserwachen» von Frank Wedekind) und heute nicht mehr als Lehrer arbeiten darf. Das Problem ist aber längst nicht nur bei Angehörigen der islamischen Religion angesiedelt.


Die jüngsten Beispiele in der Schweiz zeigen, dass auch die Katholiken – die bezeichnenderweise einen erzkonservativen neuen Papst kriegen – auch nicht ohne sind.
So hat das Bundesgericht kürzlich entschieden, Yoga sei keine hinduistische Praxis und gab somit den Eltern Unrecht, die ihr Kind aus dem Kindergarten nehmen wollten, weil sich die Klasse nach der Turnstunde mit Yoga entspannte. Abgesehen davon, dass Yoga bei uns kaum mehr etwas mit der ursprünglichen Lehre zu tun hat (siehe Power-Yoga und So.), so mutet es erst recht seltsam an, dass ein Kind aus «religiösen» Gründen die Klasse wechseln soll, nur weil es dreimal 5 Minuten pro Woche den Sonnengruss übt, um sich zu entspannen. Finde ich. Aber ich bin nicht religiös und habe wohl keine Ahnung, welche negativen Gefühle dies in Eltern auslösen kann, die es sind. Dennoch glaube ich, dass man seine Religion auch unbesorgt leben kann, während der Spross mit seinen Gschpönli «Ohmmm» macht.


Ein anderes Beispiel kann ich ebenso wenig nachvollziehen, weil es Kinder vor der Realität bewahren soll. Vorpubertierende Kinder. Der Stein des Anstosses? Der Roman «Ben liebt Anna» von Peter Härtling, bereits 1979 erschienen und noch immer nicht für alle akzeptabel, wie es scheint. In dem – von den Kindern heisst geliebten – Buch geht es um zwei Neunjährige, die sich näherkommen.  Und von der Klasse verspottet wird. Wie im echten Leben halt. Die «Zeit» beschrieb den Roman damals so: «Peter Härtling versucht hier jenen Bereich der schwer fassbaren Emotionen, der zwischenmenschlichen Schwingungen, des Vertrautseins und Vertrauens zu beschreiben, ohne den Kindern mit platten Allerweltsfloskeln zu kommen. Und dies gelingt ihm vor allem durch präzise Sprache, einfache, genaue Sätze, die Situationen so kennzeichnen, dass der Lehrer und nicht nur Gleichaltrige – diese Liebesgeschichte als die natürlichste Sache der Welt nimmt.»  Ausser, man lebt streng religiös und möchte nicht, dass der Spross weiss, was natürlich ist.

Denn an einer Schule in der Agglomeration Zürich gehen Eltern zurzeit gegen das Lesen dieses Buchs vor, mittels Unterschriftensammlung und Telefonaten an andere Eltern. Ob sie damit Erfolg haben werden, lesen Sie dann hier. Welche Auswirkungen ihr Kampf auf ihre Kinder haben wird auch.

Was meinen Sie? Inwiefern dürfen wir uns aus religiösen Gründen in den Lehrplan einmischen, wenn den Kindern Praktiken/Literatur/Wissen beigebracht werden, die mit unserem Glauben nicht einhergehen? Hat Religion überhaupt noch ihren Platz an Schulen? Gibt es etwas, das Sie verbieten würden?

Montag, 18. März 2013

Mami kann auch «Brumm-Brumm»



Mütter verstehen ihre Söhne nicht. Das meint zumindest ein Spielzeughersteller und schafft Abhilfe.

Als Bloggerin wird man manchmal zu sogenannten Blogger-Events eingeladen. Während ein SPA-Wochenende zur Lancierung eines Produktes immer sehr willkommen ist, wird der Besuch einer Kläranlage zur Propagierung von Stoffwindeln weniger gerne wahrgenommen. Ihr wisst schon. 

«Mattel», der Spielzeughersteller von «Barbie» und «Hot Wheels», hat letzte Woche aber etwas ganz Neues lanciert: Den Mommy-Blogger-Event in New York, um Mütter von Söhnen beizubringen, wieso Spielzeugautos (in diesem Fall «Hot Wheels») so unglaublich cool sind. Denn Mutti versteht einfach nicht, wieso Sohnemann lieber Brumm-Brumm-Geräusche mit seinem Autöli macht, als dass er mit der Barbie der Schwester spielt. Schliesslich könne man (und jetzt zitiere ich eine Mami-Bloggerin, die am Event war) «eine Barbie an- und ausziehen und mit ihr machen, was man will». Dagegen sei ein Auto für sie sehr unspannend. Bis zu diesem Event, an dem «Mattel» ihr die Augen für die männliche Begeisterung für Auto geöffnet habe. 

Als nächstes kommt dann wohl der «Barbie-An-Und-Auszieh-Blogger-Event» für Väter. Zumindest für die, die bis anhin nicht verstanden, was daran so toll sein soll, eine überirdisch gutaussehende Plastikfrau zu entkleiden und «mit ihr zu machen, was man will».

Auch denkbar wären Mommy-Blogger-Events mit Themen wie «Schau-Mami-Das-Ist-Ein-Stock». Oder «Wenn-Es-Rund-Ist-Ist-Es-Ein-Ball». Ach, und nicht zu vergessen: «Werkzeuge-Sind-Zum-Flicken-Von-Kaputten-Sachen». 

Weitere Event-Ideen? Wir bleiben dran.

Donnerstag, 7. März 2013

Bis zum Umfallen



Frau, Mutter und mehr als 2 Tage die Woche erwerbstätig? Die Schweiz ist davon noch weit entfernt. 


So sehr der Familienartikel im Vorfeld der Abstimmung diskutiert wurde, so sang und klanglos verschwand er aus den Medien. Bis heute.

Morgen ist internationaler Frauentag und in vielen Ländern steht es schlecht um die weibliche Hälfte der Menschheit. Viele Länder sehen Frauen nicht als vollwertige Menschen, Vergewaltigung und sexuelle Belästigung sind vielereorts an der Tagesordnung, fundamentale Rechte werden ihnen abgesprochen und immer noch verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen. Aber wir leben ja in einer Demokratie, wo die gleichen Rechte und Pflichten für alle Menschen gelten, richtig? Falsch! Nicht, weil der Staat das verhindert, sondern weil wir selber Fehler machen. So wie Sabine R., Mathematikerin und Mutter zweier Kinder dies heute im «Tages Anzeiger» beschreibt.

Ihr Leben nach dem Studium hatte sie sich anders vorgestellt, die Abmachungen mit ihrem Mann waren klar: Er wollte Kinder, sie nicht unbedingt, aber er versprach ihr, sich die Aufgaben mit ihr zu teilen. Er arbeitet 100% ausser haus, sie 80%. Doch die Aufgaben werden nicht lange geteilt, schliesslich hat er einen wichtigen Posten. Nach zehn Jahren Doppelbelastung gibt Sabine R. ihren geliebten Job erschöpft auf und warnt junge Frauen davor, in die Frauenfalle zu tappen.

«Ausgerechnet sie, die als Frau in einer Männerdomäne nie Diskriminierung erfahren hatte, musste irgendwann feststellen, dass die Geschlechter mitnichten als gleichwertig wahrgenommen werden: «Gleichberechtigung war für mich selbstverständlich, ich kannte es nicht anders. Sobald ich Mutter wurde, verstand ich, dass dem nicht so ist. Mit einem Mal spielte meine Biologie eine Rolle. Mit einem Mal stand fest, dass ich für gewisse Aufgaben zuständig sein sollte, und nicht mein Mann. Es wurde von mir ganz allgemein mehr Verzicht, mehr Verständnis, mehr Grosszügigkeit und mehr Anpassung gefordert, nicht nur von meinem Mann, sondern auch von meinem Umfeld.» So war das nicht geplant gewesen.»

Bis sie permanent am Limit lief und heute jungen Frauen erklärt: «Macht euch keine Illusionen. Für Mütter gelten andere Regeln als für Väter.» Am Ende bleiben die kleinen Sächelchen, die es zu erledigen gibt, nämlich immer an den Müttern hängen. Wenn man sein Leben nicht mit diskutieren und verhandeln verbringen wolle, laufe es immer darauf hinaus, dass Frau alles selber macht, auch weil es schneller geht, als Papa zu erklären, wo er die Mädchenunterhosen für die Tochter kaufen soll und in welcher Grösse. Kommt Ihnen das bekannt vor? Mir auch.

In der Tat sind die wenigen 80 bis 100% erwerbstätigen Frauen, die ich kenne, oft am Anschlag. Sie kommen abends erschöpft nach hause und dann gilt es noch eine vollwertige Mahlzeit auf den Tisch zu stellen, den Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte zu lesen und sie ins Bett zu bringen. Danach wird oft noch weitergearbeitet, schliesslich hat man das Büro «bereits» um 18.00 Uhr verlassen und möchte nicht, dass die Kollegen die Nase rümpfen, wenn ein Mail nicht beantwortet wurde. Und was macht Papa derweil? Nach hause kommen, essen, hinsetzen und ebenfalls weiterarbeiten. (Mütterlichen Aussagen zufolge bringt Mama die Kinder ins Bett, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen, weil sie tagsüber nicht da war. Papa scheint dieses Problem nicht zu haben.) Klingt nach Fünfzigerjahren? Ich weiss, aber es entspricht leider meinen Beobachtungen.

Desillusionierend ist der Bericht auch deswegen, weil Sabine R. nach zehn Jahren «aufgibt». Denn ich dachte immer, mit dem höheren Alter der Kinder gäbe es auch immer weniger zu tun, so dass sich Mama wieder vermehrt auf ihren Beruf konzentrieren kann. Doch bis dahin ist bei vielen offenbar die Batterie leer.

Morgen ist internationaler Frauentag. Auch in der Schweiz. Und die ist noch weit davon entfernt, Frauen und Männer gleich zu behandeln.

Welche Erfahrungen machen Sie mit Doppelbelastung und Aufgabenteilung? 50:50? oder doch 80:20?

Montag, 4. März 2013

Es lebe das Home Office!



Arbeitet man zu Hause schlechter als im Büro? Nur, wenn man diese Regeln nicht befolgt.

Irgendwie scheint es keine gute Woche für erwerbstätige Eltern zu sein. Erst wird der Familienartikel vom Ständerat versenkt. Und dann stellt sich Vorzeige CEO von Yahoo, Maryssa Mayer ihnen auch noch in den Weg. Die Mutter eines Babies hat letzte Woche angeordert, Heimarbeit sei ab sofort untersagt. Entgegen aller modernen Ansichten und Kommunikationsmöglichkeiten ist Frau Mayer nämlich überzeugt, das Home Office unproduktiver sei, als im Büro anwesend zu sein.
Die Begründung: Zu Hause sei man abgelenkt, nicht zuletzt von den Kindern, dem Haushalt und – Achtung, Vorurteil – vom Fernseher. Im Büro hingegen konzentriere sich der  Mitarbeiter, die Mitarbeiterin viel mehr auf ihre Arbeit. Ausserdem fände da ein Austausch statt, der im Home Office vollkommen verloren gehe, die besten Ideen würden schliesslich eher an der Kaffeemaschine im Gespräch mit Kollegen als im stillen Kämmerlein entwickelt.
Klingt einleuchtend? Schon. An der Argumentation stören mich aber diverse Dinge:
  • Frau Mayer hat selbst ein Kind, wobei sie selbstverständlich nicht auf Heimarbeit angewiesen ist, um sich um das Kleine zu kümmern. Nanny und Co. werden dies sicher gerne übernehmen.
  • Man erhofft sich von einer weiblichen CEO etwas mehr Solidarität anderen Müttern gegenüber, auch wenn das naiv ist. Doch wenn nicht einmal eine Mutter Bedingungen schafft, um der Familie das Leben etwas zu erleichtern, an wen sollen wir uns denn sonst richten?
  • Maryssa Mayer zeigt, wie wenig sie ihren Mitarbeitern vertraut. Als Motivator schlecht geeignet.
Ausserdem kann man die Ablenkungen im Home Office sehr gut umgehen, wenn man auf ein paar Dinge achtet:
  • Am besten richtet man sich ein Büro in einem separaten Raum ein, dessen Tür geschlossen werden kann. So läuft man nicht Gefahr, dem Kühlschrank, dem Wäschehaufen oder dem Staubsauger zum Opfer zu fallen. Das «Bügelzimmer» eignet sich also nur bedingt.
  • Sollte kein separater Raum vorhanden sein, muss der Esstisch genügen. Auch das geht, wenn man sich so platziert, dass man bspw. gegen eine Wand schaut oder noch besser zum Fenster raus. Der Esstisch sollte dabei Brösmeli-frei und aufgeräumt sein.
  • Falls die Kinder anwesend sind, müssen sie halt beschäftigt werden. Wie, ist jedem selber überlassen. Ich hatte immer das Glück, dass meine – ab einem gewissen Alter – sich ziemlich gut selber beschäftigen konnten. Oder ich nutze die Zeit, in der sie bei Freunden sind. Aber wenn’s pressiert, darf es auch mal der Fernseher oder sonst ein Bildschirm sein.
  • Für die Wochenplanung sollte man sich fixe Tage für den Haushalt einplanen und NUR an diesen Tagen putzen, waschen, bügeln etc. Sonst verzettelt man sich und da gerade Frauen oft den Drang zum Multitasking haben, wird nichts richtig fertiggemacht, womit Frau Mayer mit der Unproduktivität Recht hätte.
  • Fakt ist: Home Office ist eine einsame Angelegenheit. Der Austausch leidet in der Tat. Das Rezept ist also die Abwechslung, immer mal wieder ins Büro gehen, um Kollegen zu sehen, zu plaudern und Ideen auszutauschen. Die dann zu Hause perfektioniert werden können!
Yahoos CEO macht sich keine Freunde unter den Eltern, die jetzt um ihren Seelenfrieden bangen. Ich glaube nämlich nicht, dass gestresste Eltern die besseren, also produktiveren Mitarbeiter sind als Väter und Mütter, die ihre Arbeit in Ruhe halt manchmal auch nach der Gute-Nacht-Geschichte erledigen.
Wie handhaben Sie das leidige Thema Home Office? Gibt es das in Ihrer Firma überhaupt? Haben Sie weitere Tipps für’s gute Gelingen?

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