Freitag, 28. Juni 2013

Die Tassen im Schrank



Oder vor dem Objektiv. Der neuste Trend aus der Instagram-Welt.

Erinnern Sie sich ans «Planking»? Oder ans «Owling? Diese Trends – inspiriert von der Foto-App Instagram – , die darin bestanden, sich wie ein Brett hinzulegen (Planking) oder wie eine Eule hinzukauern (Owling)? Die Pose gehörte natürlich abgelichtet und auf Soziale Netzwerke publiziert. Die Zielgruppe dieser – zugegeben, meist witzigen – Bilder war eher jünger, trendy, urban. Nun möchten wir Ihnen den neusten Trend natürlich nicht vorenthalten, der wiederum offenbar mehr gelangweilte Eltern anspricht, die sich in den Wickel- und Fütter-Intervallen die Zeit vertreiben wollen: das Baby-Mugging.
Das Baby im Bild, eine Tasse zwischen ihm und Ihrem Objektiv und schon haben sie einen perfekten Baby-Mug (Mug steht für Tasse). Sollten Sie das Foto per Instagram teilen, wird es wohl – wie viele andere – sehr schnell eine Weltreise machen. Das virale Phänomen hat natürlich nicht bei Eltern halt gemacht. Auch grosse Kinder finden Spass daran, sich hinter einer grossen Kaffeetasse abzulichten.
Werden Sie es auch mal ausprobieren? Schon irgendwie verlockend, oder nicht?

Freitag, 21. Juni 2013

Der Feind in meinem Bett

(Bild: Realmendonthitwomen.tumblr.com)

Die erste systematische Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation zum Thema zeigt: Mehr als jede dritte Frau leidet unter Gewalt. Und der Täter ist selten ein Fremder.

Weltweit erleiden etwa 35 Prozent aller Frauen - das sind mehr als jede Dritte - Prügel, Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen oder andere Taten, wie aus der ersten systematische Datenerhebung der Weltgesundheitsorganisation (WHO)zu diesem Problem hervorgeht.

«Gewalt gegen Frauen ist ein globales Gesundheitsproblem von epidemischem Ausmaß», erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan zu dem Report gestern in Genf. Die Daten für den umfangreichen Bericht wurden von Experten der WHO sowie der London School of Hygiene and Tropical Medicine und des South African Medical Research Council zusammengetragen. Befragt wurden ca. 24'000 Frauen.
«Zugleich sehen wir, dass das Gesundheitswesen mehr für Frauen, die Gewalt erfahren, tun kann und tun muss», sagte Chan weiter. Ein beunruhigendes Ergebnis der weltweiten Studie ist, dass die Ehemänner weit öfter an den sexuellen und anderen Brutalitäten beteiligt sind als fremde Vergewaltiger. «Gewalt innerhalb von Beziehungen ist die am meisten verbreitete Gewalt gegen Frauen, betroffen sind 30 Prozent aller Frauen weltweit», so die WHO. Zudem sei bei 38 Prozent aller weiblichen Mord-Opfer der aktuelle oder ehemalige Partner der Täter.
Die WHO veröffentlichte zugleich eine umfangreiche Handreichung für Kliniken und medizinisches Personal zur besseren Erkennung von Hinweisen auf Vergewaltigungen und andere Formen körperlicher Gewalt. Viele der Frauen würden aus Angst vor Stigmatisierung oder Scham die Ursachen von Verletzungen oder auch von psychischen Leiden verschleiern. Das erschwere die medizinische Hilfe.
Unter den Folgen der Gewalt gegen Frauen nennt die WHO Depressionen und Alkoholprobleme. Vergewaltigte Frauen würden 1,5 Mal öfter mit Geschlechtskrankheiten infiziert als andere. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit für eine Abtreibung bei Gewaltopfern doppelt so gross wie bei anderen Frauen.
Die Definitionen für die vielfach dokumentierten Brutalitäten in der Studie lesen sich wie ein Folterhandbuch: Ohrfeigen, Werfen von Gegenständen, massive Faustschläge, Fußtritte, Würge und Verbrennungen bis zur Bedrohung mit vorgehaltener Schusswaffe. Sexuelle Gewalt erfasst neben erzwungenem Verkehr auch mit Drohungen oder Gewaltanwendung erreichte sexuelle Praktiken, die die betroffenen Frauen sonst nicht mitmachen würden.
Die Datensammlung macht deutlich, dass Gewalt gegen Frauen in allen Ländern, Kulturen und Gesellschaftsschichten vorkommt. Der Zusammenhang zum Wohlstandsgefälle auf der Welt kann aber ebenfalls nicht ignoriert werden. In Wohlstandgebieten wie  Nordamerika, Westeuropa, Australien und Japan  sind 23,2 Prozent, im restlichen Europa 25,4 Prozent der Frauen Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt durch Beziehungspartner. In Südostasien seien es 37,7 Prozent und in Afrika 36,6 Prozent.
Auch altersmässig unterscheiden sich die Opfer: Am häufigsten sind Frauen zwischen 40 und 44 Jahren Opfer von Gewalt in Beziehungen (37,8 Prozent), am wenigsten zwischen 50 und 59 Jahren (15,1 Prozent). Bei Seniorinnen verzeichnen die Autoren der Studie wieder einen Anstieg: 19,6 Prozent der Frauen zwischen 60 und 64 Jahren sowie 22,2 Prozent der 65- bis 69-Jährigen - höhere Lebensalter wurden nicht untersucht. Bei den 15- bis 19-Jährigen sind es 29,4 Prozent. Für die Studie wurde eine untere Altersgrenze von 15 Jahren angesetzt. Doch diese Ergebnisse lassen vermuten, dass auch Jüngere nicht davor gefeit sind, mindestens einmal in ihrem Leben mit Gewalt in der Beziehung konfrontiert zu werden.

Für Hilfe in der Schweiz: frauengegengewalt.ch

 

Donnerstag, 20. Juni 2013

«Mami, lass mich bitte in die Krippe gehen»



Oder ich kann für nichts mehr garantieren...
Liebes Mami

Du weisst, dass ich dich liebe, das ist nicht das Problem, aber es geht um meine intellektuelle und soziale Integrität. Die Tage sind lang, nur zu zweit innerhalb unserer vier Wände, findest du nicht? Von morgens bis abends muss ich für dich da sein, meine Mal-Kunstwerke unterbrechen, wenn du es sagst, den Faden meines Lieblings-Kaspers verlieren und so weiter... Wie soll ich es sagen? Ich möchte einfach etwas Zeit für mich haben, nicht mehr nur dein Anhang sein... Du musst zugeben, dass es unserem – selbstverständlich liebevolles – Tête-à-Tête etwas an gleicher Wellenlänge fehlt. Unser Holz ist nun mal nicht auf derselben Bühne, Mami. Denn wenn du es satt hast, kannst du eine Freundin anrufen. Oder das Grosi. Das tut dir gut. Denn du brauchst ab und zu ein erwachsenes Gespräch, das verstehe ich.

Aber was du hingegen verstehen musst, ist, dass ich auch gerne mit Meinesgleichen verkehren würde. Nur habe ich kein Telefon! Bloss einen Teddy, der mir aber nur dann antwortet, wenn ich ihm meine Stimme gebe... Sicher, das Grosi hütet mich manchmal, aber auch ihr Holz ist auf einer anderen Bühne, du weisst schon. Und dann sind da noch die Babysitter, die sind in der Tat sehr nett, aber die Stunts mit meinen Matchbox-Autos nehmen auch sie nicht wirklich ernst, weisst du? Es ist wohl eine Generationenfrage. Platz den Jungen!

Deshalb meine Bitte an dich: Darf ich in eine Spielgruppe, Krippe oder sonst wohin, wo ich regelmässig mit Meinesgleichen spielen, malen, singen, essen darf? Kurz, mit Menschen, die mich nicht immer nur beschützen wollen? Altersgenossen halt!

Ich weiss, die langen Wartelisten nerven (ich krieg auch schon rote Füdlibacken davon, auch wenn du meinst, die kämen vom Zahnen), aber ich glaube, es täte dir wirklich gut, wieder ausser Haus zu arbeiten. Du mochtest deinen Job doch, oder? Ausserden solltest du nicht so abhängig sein von Papis Taschengeld, meinst du nicht? Und, na ja, dass es deinen intellektuellen Fähigkeiten nicht bekommt, nur mit mir zu verkehren, zeigt sich daran, dass deine Sätze immer mehr den meinen ähneln (man sagt nämlich nicht «Bin ich gewesen draussen», weisst du?) Auch habe ich dich gestern beobachtet, wie du dir dein eigenes Steak in ganz kleine Stücke geschnitten hast...

Also bitte, Mami, sag den Politikern unseres Landes, sie sollten ihre Füdlis (die sicherlich nicht so sehr jucken wie meines) endlich bewegen und mit den Betreuungsplätzen vorwärts machen! Sonst schreie ich!!!!

Dein dich liebender Sohn (ach ja, meine Windeln würden wiedermal einen Wechsel vertragen. Danke, Mami.)
Frei nach «Causette»...

Dienstag, 18. Juni 2013

233 Millionen ohne Verhütung

 

 

Die Anti-Baby-Pille gibt weltweit zu reden. Wenn auch nicht überall aus denselben Gründen.

Über 50 Jahre nach ihrer Einführung gibt die Anti-Baby-Pille immer noch zu reden. So wurde letzte Woche in Amerika nach langjährigem Widerstand des weissen Hausses und vieler – meist religiösen – Gruppierungen die rezeptfreie «Pille danach» für Amerikanerinnen freigegeben, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Als Vergleich: In der Schweiz erhalten Frauen diese bereits seit 2002 ohne vorher den Arzt besucht zu haben. Soweit zum Thema in der «zivilisierten» Welt.

Denn, während wir in Europa und vor allem in der Schweiz die mangelnden Geburten beklagen, veröffentlichte das medizinische Fachmagazin «The Lancet» eine alarmierende Studie: Demnach würden 2015 233 Millionen Frauen keinen Zugang zu modernen Empfängnisverhütungsmethoden haben, obwohl sie sich dies wünschten. Dies die Eintschätzung der Forscher vom «Department of Economic and Social Affairs» der Vereinten Nationen und der «National University of Singapore». Sie werteten die Daten über die Häufigkeit von Verhütungsmethoden und den ungedeckten Bedarf bei Kontrazeptiva in 194 Ländern weltweit zwischen 1990 und 2010 aus.

Afrika 2050
Die Wissenschaftler untersuchten die Verwendung von Verhütungsmitteln bei verheirateten Frauen im gebärfähigen Alter und stellten fest, dass diese von 55 Prozent 1990 auf 63 Prozent 2010 gestiegen ist. Indes sank der ungedeckte Bedarf der Pille und anderen empfängnisverhütenden Mitteln im selben Zeitraum von 15 auf zwölf Prozent. Das Bevölkerungswachstum und der weltweit zunehmende Wunsch nach moderner Familienplanung ergeben diese erhöhte Diskrepanz und gleichzeitig eine steigende Nachfrage nach Verhütungsmitteln.

Bereits vor drei Jahren wurde die Frage untersucht und festgestellt, dass 20 Prozent der verheirateten Frauen in Ost-, Zentral- und Westafrika gerne Verhütungsmittel angewendet hätten. Das Fehlen ebendieser hat gerade auf dem afrikanische Kontinent Konsequenzen: Die Wissenschaftler befürchten eine Verdreifachung der Bevölkerung in der Sahelzone bis 2050 und warnen vor den ökologischen Konsequenzen dieses ohnehin sehr fragilen Systems. Nun hoffen die Autoren, mit ihrer Studie die bessere Verteilung von Verhütungsmitteln zu forcieren.

Freitag, 14. Juni 2013

«Lächeln Sie!»



Eine Frau zu sein gestaltet sich heute schwer. Deshalb braucht es einen Ratgeber für alle Lebenslagen.

Kennen Sie «Das Handbuch für die gute Ehefrau» von 1955, das vor ein paar Jahren die Runde im Web gemacht hat? Das Retro-Ding war doch zum Totlachen, nicht? Jetzt kommt die Neuauflage: Mit ihrem «Ratgeber für die perfekte Frau» geht Marie Amrhein im «Cicero» noch einen Schritt weiter. Denn Sie sind ja nicht nur Ehefrau (falls überhaupt). Sie sind ja auch noch Mutter, Tochter, Schwiegertochter und ja, irgendwann mal Ex-Frau. Statistisch gesehen in einem von zwei Fällen.

In einer Welt, in der frau gleich nach der Schwangerschaft wieder so auszusehen hat wie vorher und deren Vorbilder so erreichbar sind wie der Weltmeistertitel für die Schweizer Fussballmannschaft, sind wir froh um Rat. Denn das Leben ist eine Abfolge von Etappen, die Sie am besten so gestalten (habe mich so frei gefühlt und Amrheins Liste etwas ergänzt).

Zu Beginn der Beziehung sollten Sie

-   verliebt
-   selbstsicher / selbständig
-   glücklich
-   unverkrampft sein
-   NIE von Kindern reden
-   warten, bis die biologische Uhr Ihres Geliebten von selber      anfängt zu ticken. Und das wird sie.
-   Lächeln Sie!

Sobald das der Fall ist, werden die Schwiegereltern auf Sie aufmerksam:
-   Setzen Sie die Pille ab.
-   Seien Sie fruchtbar!
-   Gebären Sie!
-   Lächeln Sie!

Als Mutter:

-   Fitten Sie Ihren Körper wieder so hin, dass Sie nicht wie eine «Mutter» aussehen! (Plastische Chirurgie nicht ausgeschlossen)

-   Seien Sie feurig, begehrenswert, sexy (NACHDEM Sie die Kinder ins Bett gebracht, die Küche aufgeräumt, die Geburtstagsparty organisiert und Ihre Business-Mails verschickt haben)

-   Nehmen Sie jeden Rat an, v.a. wenn er von den Grosseltern kommt, die wissen es es schliesslich besser!

-   Bleiben Sie interessant, gebildet, geistreich!

-   Geben Sie Ihren Job auf, damit Sie sich voll und ganz der Familie widmen können.

-   Seien Sie glücklich und zufrieden.
-   Nörgeln Sie nicht.
-   Lächeln Sie!

Sollte dennoch etwas schief laufen und Sie trennen sich:


-   Seien Sie eine glückliche und zufriedene Ex-Ehefrau.
-   Machen Sie keinen Ärger.
-   Erwarten Sie keine Zuwendungen von Ihrem Ex; weder finanziell, noch emotional.

-   Kümmern Sie sich um die Kinder.
-   Kümmern Sie sich um die Finanzen.
-   Kümmern Sie sich um das Besuchsrecht der Schwiegereltern.
-   Suchen Sie die Fehler bei sich.
-   Seien Sie selbstlos.
-   Beglückwünschen Sie Ihren Ex zu seiner hübschen Freundin (auch wenn sie 15 Jahre jünger ist als er).

-   Lächeln Sie!!!


Weitere Ratschläge bitte im Kommentar!

Donnerstag, 6. Juni 2013

«Würdest du das wirklich wollen?»



Die Rede ist vom Rollentausch. Wäre die Schweiz bereit dazu? Ich habe da so meine Zweifel.

Während wir in der Schweiz noch diskutieren, ob eine gute Mutter bei den Kindern bleibt oder erwerbstätig sein soll (die Diskussion findet natürlich nur bei denen statt, die die Wahl haben. Aber die anderen haben auch kaum Zeit, einen Blog zu lesen...), hat Amerika gerade eine neue Statistik publiziert: In den USA sind Mütter in 40 Prozent aller Haushalte mit Kindern die Hauptverdiener!
 
Als Vergleich: In der Schweiz trifft das auf 8 Prozent der Familien zu. Weshalb es nicht erstaunen dürfte, wenn ich allen Ernstes gefragt werde: «Würdest du das wirklich wollen?», sobald ich in einer Runde das Thema anspreche. Unsere Familie entspricht der Schweizer Norm: Papi arbeitet voll, verdient den Löwenanteil des Geldes. Mami arbeitet in Teilzeit und steuert auch etwas bei. Vorwiegend für Ferien und Luxus. 

Doch kaum diskutiert man mit anderen Müttern und Vätern den umgekehrten Fall, macht sich Unbehagen breit. «Würdest du das wirklich wollen?» Was? Mehr verdienen? Ja, klar! Mehr arbeiten? Ja, gerne! Doch die Frage, ob es auch o.k. ist, wenn ich mehr Geld nach Hause bringe als mein Mann, die geht offenbar zu weit. Rollentausch scheint in der Schweiz Zukunftsmusik. Aber die Art Musik, deren Harmonien in den Ohren schmerzen. 

«Und wer kümmert sich um die Kinder?» Na wer wohl? Schliesslich sprechen wir von Rollentausch. Der Vater natürlich! Er übernimmt meine, ich seine Rolle. Die skeptischen Blicke sind mir sicher. Denn immer noch – und das nicht nur bei der Nonna – herrscht die allgemeine Annahme, ein Vater könne sich eben doch nicht ganz so gut um den Nachwuchs kümmern wie eine Mutter. (In unserem Fall trifft das Gegenteil zu.) 

Amerikanische Frauen verdienen die Brötchen, weil sie müssen. Weil die Krise die USA und die meisten Länder viel härter getroffen hat als unsere kleine Finanz-Insel. In der Schweiz haben wir die Wahl. War das nicht das Ziel? Die Wahl zu haben, ob man zu Hause bleiben, Teilzeit oder voll arbeiten will? Wieso also die Skepsis? 

Wie ist das bei euch? Würden Sie einem Rollentausch zustimmen? Temporär? Oder glaubt ihr auch, dass die Kinder bei der Mutter am Ende eben doch besser aufgehoben sind?

Dienstag, 4. Juni 2013

Die Treue-Pille

Eine Pille, die die Libido steigert und Frauen dennoch daran hindern soll, fremd zu gehen? Das soll es schon bald geben.

Männer gehen fremd. Das war schon immer so und eine Änderung ist nicht ins Sicht. Dennoch hat nie ein Pharmaunternehmen je erwogen, eine Pille dagegen herzustellen. Vielmehr erfand man in einigen Fällen ein neues Wort dafür: sexsüchtig. Doch seit in den letzten Jahren die – für manche erstaunliche – Erkenntnis entstand, Frauen seien ebenso untreu wie ihre Partner, herrscht allgemeine Besorgnis. Was, wenn nicht nur Männer ihre genialen Gene verbreiten wollen, sondern auch ihre Ehefrauen auf den sexy Gärtner schielen? Die Monogamie ist in Gefahr!

Eine Lösung scheint in Sichtweite zu rücken: Die erste weibliche Libido-Pille wird – wenn alles gut geht – in drei Jahren auf den Markt kommen; auch die hiesigen Medien berichteten. Anders als das bekannte und erprobte Viagra wird «Lybrido», wie die Pille heissen wird, nicht nur physisch, sondern vor allem psychisch wirken. Schliesslich ist allgemein bekannt, dass Frauen Sex auch im Kopf haben und nicht nur in den Lenden. Kurz: Das Mittel wird die Produktion von impulsivem, lustvollem Dopamin anregen und das beruhigende, manchmal gar hemmende Serotonin unterdrücken. Also kein Vergleich zu «Viagra», das bei Männern lediglich «die Mechanik ankurbelt, um gleichzeitig Nerven und Gefühle anzuregen», wie Daniel Bergner in einem Artikel in der «New York Times» erklärt (übrigens wird von Bergner in einem Monat ein neues Buch erscheinen mit dem Titel «What Do Women Want? Adventures in the Science of Female Desire»). Männer wollen schliesslich immer.

Rettet die Monogamie
Bei den Frauen ist es allerdings ein wenig differenzierter. Frauen wollen einen neuen Mann. Ob mit oder ohne Pillen, ein neuer Partner birgt für Frauen automatisch auch neues Lustpotenzial. Dies wissen die Wissenschaftler aus älteren Studien aus Holland und Kanada, bei denen Teilnehmerinnen wenig Interesse an Wiederholungen von pornografischen Sequenzen zeigten. Kaum sahen sie jedoch eine Sex-Szene zum ersten Mal, stieg die Erregung sichtlich.
Ausserdem war das Interesse an Sex mit Unbekannten markant grösser als an Sex mit Freunden. Ein weiterer Hinweis auf die Fremdgeh-Neigung von Frauen zeigte sich auch in einer deutschen Langzeitstudie: Da fiel der Grad an sexuellem Verlangen bei Frauen in einer Beziehung schneller steil ab als bei Männern. Bei allein Lebenden hingegen, die nicht mit ihrem festen Freund wohnten, blieb der Sex-Drive mehr oder weniger konstant. Worauf die Wissenschaftler schlossen: Das Problem der Unlust ist die Monogamie selber. Frauen haben keine Libido-Probleme, ihr ewig gleicher Partner ist das Problem. In der «Times» fragt sich deshalb auch Lori Brotto von der University of British Colombia, die diverse Studien mit Patienten, deren Libido zu wünschen übrig liess, durchgeführt hat, ob ein Syndrom wie das HSDD (Hypoactive Sexual Desire Desorder) weniger mit der Lust als vielmehr mit Langeweile zu tun hat.

Lust und Langeweile
Angela Dellatorre, Sexualtherapeutin in Zürich und seit acht Jahren verheiratet, stellt ebenfalls fest: «Langeweile würde ich es nicht nennen, es sind vielmehr das Gewohnte und Altbekannte, eine geringe Risikobereitschaft und Hemmungen, die die Libido eines Paares dämpfen.» Was natürlich erklären würde, wieso Frauen ihre Lust erst beim Fremdgehen wiederentdecken.
Fragt man Frauen in langjährigen Beziehungen, ob sie immer noch Lust auf ihren Partner haben, kommt nicht selten ein achselzuckendes «nicht mehr so wie früher», dicht gefolgt von «seit die Kinder da sind, sowieso nicht mehr...» Doch letztere haben – so alle genannten Studien – mit dem Sex-Drive langfristig rein gar nichts zu tun.
«Das Problem ist vielmehr, dass Paare ihr Sexleben aus Liebe zueinander auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bringen. Fantasien, Berührungen, die dem anderen nicht 100 Prozent gefallen, werden nicht mehr gewagt. Und das wird mit der Zeit eben langweilig. Eine Pille kann helfen, aber langfristig braucht es eine eigene sexuelle Kultur des Paares», ist Angela Della Torre überzeugt. Die Missionarsstellung hat langfristig eine Wirkung von Valium. Nicht von Viagra.

Staatliche Angst vor Nymphomaninnen
Ist diese Lustpille nun die Lösung, damit Frauen schön da bleiben, wo sie hingehören? Nämlich zu Mann, Kind und Heim? Die Frage ist berechtigt, wie Daniel Bergner dem erwähnten Artikel schreibt. So habe mehr als ein Pharmaunternehmen in der Vergangenheit von der amerikanischen «Food and Drug Administration» (FDA) hören müssen, sobald die Rede von «Viagra für die Frau» war, man wolle keinesfalls, «dass Frauen plötzlich zu Exzessen getrieben werden, untreu werden und die Gesellschaft spalten». 

Sexuell aggressive Frauen machen Angst. Aber eine Pille, die Ehefrauen daran hindern würde, den Pool-Boy zu vernaschen, hat tasächlich gute Chancen, den Markt zu erobern.

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