Donnerstag, 19. September 2013

Adieu Mini-Missen!


(Bild: mini-miss.fr)

Nicht alles ist Gold, was in den USA glänzt. Dazu gehören sicher die Miss-Wahlen der Kleinsten. Frankreich tut jetzt etwas gegen diesen fragwürdigen Import.

Der französische Senat hat diese Woche im Rahmen des neuen Gleichstellungsgesetzes die Mini-Miss-Wahlen verboten, wie auf  lemonde.fr zu lesen war. Dazu gehören alle Anlässe, die Kinder unter 16 Jahren miteinbeziehen. Wem das jetzt mehr als nur logisch erscheint, dass man in einem zivilisierten Land solche Arten der Schönheits-Glorifizierung Minderjähriger veruteilt, irrt sich. Das Verbot wurde nämlich nur knapp angenommen, mit 196 gegen 146 Stimmen der Senatoren. Dafür sind die Strafen für das Durchführen eines solchen Events umso drakonischer: Zwei Jahre Gefängnis und 30'000 Euro Busse blühen einem Organisator.

Unter das Gleichstellungsgesetz fällt das Verbot, weil es sich bei solchen Wahlen immer «ausschliesslich um Mädchen handelt», wie die Initiantin des Verbotes, Chantal Jouanno, erklärte. «Wir dürfen unsere Mädchen nicht glauben lassen, dass ihr Aussehen sie definiert. Wir dürfen nicht zulassen, dass wirtschaftliche Interessen soziale Interessen übersteigen», betonte die ehemalige Sarkozy-Beraterin und Sportministerin den Schutz der Kinder in ihrer Rede vor dem Senat.  Interessanterweise waren es die Sozialisten, die sich gegen das Verbot aussprachen, weil ihnen die Strafen zu hart erschienen.

Obwohl «das Phänomen der Hypersexualisierung gerade an solchen Anlässen exzessiv zum Zuge kommen», wie Jouanno bereits im Februar betonte, lehnte der Senat ein ebenfalls verlangtes Verbot von Kindermodels ab. Nun lesen wir überall von Pädophilen, fragen uns, was man dagegen tun kann und machen uns Gedanken, ob wir Fotos von unseren Kindern auf Facebook posten sollen oder ob wir sie damit in Gefahr bringen. Da kann es doch tatsächlich nicht sein, dass man sein Kind – seine Tochter – freiwillig einem Prozedere aussetzt, bei der sie bis zur Unkenntlichkeit «aufgepimpt» wird, um dann vor gruseligen Jury-Mitgliedern zu tanzen, singen oder was immer dann gefragt ist! Schaut man sich nämlich Internet-Seiten für solche Mini-Miss-Wahlen an, ist der Vergleich mit einer Pädophilen-Seite (zumindest stelle ich mir diese so vor) nicht mehr weit.

Was in Amerika gang und gäbe ist, soll in Europa also nicht Fuss fassen können. Gut, meine ich. Oder würdet ihr euer Kind an einen solchen Wettbewerb schicken? Und sollten nicht auch Kindermodels verboten werden? Was meint ihr? (Über solche Wettbewerbe in der Schweiz konnte ich nichts finden, Hinweise darauf nehme ich aber gerne entgegen.)
 

Dienstag, 17. September 2013

Du sollst stillen

 
Anlässlich der Weltstillwoche: Wieso Stillen zwar toll ist, aber nicht erzwungen werden soll.

«Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich glaube, dass sich das Mutterbild in eine falsche Richtung entwickelt», sagte die Feministin Elisabeth Badinter 2010, als ihr Buch «Der Konflikt» in Frankreich erschien. «Ich wollte mich zu Wort melden, bevor es zu spät ist. Auslöser war für mich eine Gesetzesänderung, die der Gesundheitsminister Bernard Kouchner im Jahr 1998 veranlasst hat.

Auf Druck der Weltgesundheitsorganisation wurde in Brüssel beschlossen, dass alle EU-Staaten eine Politik umsetzen sollen, welche die Frauen dazu anhält, ihren Neugeborenen die Brust zu geben. Auch in Frankreich wurde die Erhöhung der Stillquote zur politischen Doktrin erhoben. Kouchner veranlasste, dass Frauen, die in der Geburtsklinik ihre Kinder nicht stillen, keinen Anspruch mehr auf Milchpulver haben. Heute muss eine Frau, die in der Klinik nicht stillen kann oder nicht stillen will, für das Milchpulver bezahlen. Ich fand diesen Beschluss so skandalös, dass ich mir vornahm, die Angelegenheit genauer zu verfolgen.»

Zur Erinnerung: In der Schweiz läuft es nicht ganz so, aber Apotheken dürfen beispielsweise keine Milchpulver-Muster abgeben. Ich muss, wenn ich noch nicht weiss, welche Pulvermilch mein Kind vertragen wird, eine ganze Büchse kaufen. Eine finanzielle Benachteiligung kennen also auch frischgebackene Mütter in der Schweiz.

Zurück zu Badinter: Sie ist überzeugt, dass die Neubewertung des Stillens veranschaulicht, wie sich das Frauenbild verschoben hat. Propagiert wird das Stillen unter anderem von der amerikanischen Leche League, die heute in über siebzig Ländern, darunter auch in der Schweiz, präsent ist. Diese will Frauen von den Segnungen der Muttermilch überzeugen. Badinter vermutet dahinter jedoch eine ganze Koalition konservativer Kräfte: Für sie passt die neue Präferenz für das Stillen zu einem ökologischen Bewusstsein, das technischem Fortschritt skeptisch gegenübersteht. Denn was – so die Argumentation der Still-Befürworter – könnte natürlicher sein als Muttermilch? Ist es nicht verdächtig, ein Neugeborenes mit künstlicher Nahrung zu traktieren, welche auch noch von internationalen Nahrungsmittelkonzernen hergestellt und vertrieben wird? Der Zeitgeist ist schnell bereit, diese Frage mit Ja zu beantworten.

Alles Rabenmütter?
Badinter hält dagegen, dass es keine empirischen Beweise dafür gebe, dass das Stillen der Gesundheit eines Kleinkindes in signifikantem Masse zugute komme. Im Gegenteil: Sie zitiert mehrere Studien, die keine Korrelation zwischen Entwicklungsfähigkeit des Kindes und Stillzeit feststellen können. Die aufwendigste Untersuchung, sagt die Feministin, sei erst nach der Drucklegung ihres Buches veröffentlicht worden. Sie wurde vom kanadischen Kinderarzt Michael Kramer durchgeführt, der die Entwicklung von 16 000 Kleinkindern in Weissrussland untersuchte. Kramer kommt zum Ergebnis, dass es keinen statistischen Zusammenhang zwischen Muttermilch und Schutz vor Allergien und Asthma gebe – eine häufige Behauptung. Allerdings stellte Kramer einen schwachen, aber statistisch bedeutenden Einfluss auf den IQ der Kinder fest – er ist deshalb weiterhin vom Nutzen des Stillens überzeugt.

«Es bestreitet doch auch niemand, dass Stillen eine wunderbare Sache ist», sagt Badinter. «Man weiss, dass die Milch den Bedürfnissen des Babys angepasst ist und dass das Stillen Hormone erzeugt, die es der Mutter leichter machen können, zum Kind eine enge Bindung aufzubauen. Wenn eine Frau sich beim Stillen glücklich und erfüllt fühlt: grossartig. Ich sage nur, dass es sehr wohl möglich ist, sein Kind zu lieben, ohne ihm die Brust zu geben. In den Siebzigerjahren hat nur eine kleine Minderheit von Frauen gestillt – trotzdem glaube ich nicht, dass damals eine ganze Generation aus Rabenmüttern bestand. Die menschliche Psyche ist ein klein wenig komplizierter als die Biologie des Säugetiers.»

Klar ist, dass die aktuelle Wertschätzung der Muttermilch nur schwer mit der Berufstätigkeit von Frauen zu verbinden ist. In den meisten Fällen ist es schwierig für eine Mutter, ins Berufsleben zurückzukehren, solange sie noch stillt. Auch die Betreuung des Säuglings durch den Vater ist während der Stillzeit nur begrenzt möglich. Die Wiederentdeckung des Mutterinstinktes fördert damit die berufliche Gleichberechtigung nicht gerade. Denn propagiert wird das Stillen über mindestens sechs Monate. In der Regel ist deshalb nur, wer langen Mutterschaftsurlaub nehmen kann, auch in der Lage, seinen Säugling lange zu stillen — oder aber die Mütter steigen gleich ganz aus ihrem Beruf aus.

Die Weltstillwoche steht dieses Jahr in der Schweiz unter dem Motto «Platz dem Stillen» und findet vom 14. bis zum 21. September 2013 statt. Mit der Kampagne will die Schweizerische Stiftung zur Förderung des Stillens darauf aufmerksam machen, dass Stillen nichts mit Ideologie zu tun hat und Unterstützung verdient. Es sei aus nach wie vor wünschenswert und dringend, das Stillen in der Schweiz zu erleichtern und zu fördern. Ob Stillräume und -pausen am Arbeitsplatz den erwünschten Erfolg bringen und mehr Mütter stillen werden, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht wird einfach nur der Druck grösser zu stillen, auch wenn man das eigentlich nicht möchte. Wenn jetzt schon in Yogastellung gestillt wird (siehe Bild), kann es ja nicht so schwer sein, so der Tenor.

Was meint ihr?

Montag, 9. September 2013

Wie ist das eigentlich so als Mutter?



Die Frau, die nie auf ihr Muttersein reduziert werden wollte, schreibt jetzt genau darüber ein Buch. Michèle Roten erklärt, «Wie Mutter sein» geht. Ein Streifzug durch ein witziges und aufklärendes Werk.

Wie so manche Journalisten-Frau hatte sich auch die «Magazin»-Kolumnistin Michèle Roten während ihrer Schwangerschaft vorgenommen, NICHT über's Muttersein zu schreiben. Nie. Wie sie mittlerweile selber festgestellt hat, sollte man nie «nie» sagen. Denn es kommt immer anders. Auch hier.

Was mir an «Wie Mutter sein» nicht gefällt gleich zu Anfang:
  1. Die Diskussion – welche Roten übrigens schon bei ihrer Buchvernissage zu «Wie Frau sein» mit Julia Onken ausgiebig besprach –, wieso es besser ist, sein Kind in die Krippe zu geben als beispielsweise zur Grossmutter. Die Krippenkinder sind angeblich schlauer, sozialisierter etc. Meine Kinder waren in der Krippe, und es war gut. Für andere ist es aber vielleicht nicht die beste Lösung, schon gar nicht die billigste. Michèle Roten ruft in ihrem Buch die Frauen zwar dazu auf, sich nicht gegenseitig zu kritisieren, tut aber mit der Krippengeschichte selber genau das.
  2. Pampers sind NICHT um Welten besser als andere Windeln, das ist Quatsch.
Aber das ist eigentlich schon alles. Denn das Buch ist sonst sehr unterhaltsam und im typischen «Magazin»-Kolumnen-Stil geschrieben. Die zahlreichen Interviews werden vor allem werdenden Müttern eine Hilfe sein. Rezensieren werde ich das Buch an dieser Stelle nicht, ich begnüge mich damit, meine Lieblingspassagen zu zitieren. Denn niemand beschreibt so schön, wie es ist «Wie Mutter» zu sein:
  
Wir werden grosse Fortschritte gemacht haben, wenn mal gesagt wird: «Oh wie schön, ist heute Mamitag?

Daneben, dass ein Kind einem Erfüllung und Lebenssinn und so schenkt, ist es auch die beste aller Ausreden für jegliche Verabredungen, auf die man grad keine Lust hat.

Die beste Antwort auf die recht indiskrete Frage, ob man ein weiteres Kind wolle, ist eigentlich: Lieb von dir, aber ich muss leider ablehnen. 

Die Binden, die man nach der Geburt trägt, sind so gross wie Hotdogs.

Und da gibt es eine grosse Baustelle, die Veränderungen auf ziemlich allen Ebenen des Systems zur Folge hätte: unser Verhältnis zu Teilzeitarbeit. Solange das gängige Modell weiterhin, und wir haben zweitausendtam­midreizehn, so aussieht, dass der Vater Vollzeit arbeitet und die Mutter, wenn überhaupt, «weiterarbeitet, aber reduziert» oder gar etwas «dazuverdient», bleiben wir genau da stehen, wo wir sind. 

Wenn mein Sohn wüsste, dass ich mich, sobald er abends im Bett ist, mit Schokolade, Guetzli, Gummibärchen, Chips und überhaupt allem, was er liebt, aber nur in Massen bekommt, vollstopfe! 

Ich bin absolut für die Frauenquote. Aber genau genommen bräuchten wir eine Mütterquote, damit sich wirklich etwas verändert. 

Ich hab irgendwie ein Problem mit dem Wort «Mama»....
«Ich bin jetzt eine Mama», das ist nicht der gleiche Satz wie
«Ich bin jetzt Mutter» oder
«Ich habe jetzt ein Kind».
Wenn man mal eine Mama ist, ist man sonst nicht mehr viel.

Ihre diversen Aufrufe an uns Frauen:
  • Frauen: Gekaufter Babybrei ist in Ordnung! Euer Kind wird nicht glücklicher, klüger, hübscher, braver oder gesün­ der mit selbst gemachtem Babybrei! Euer Kind wird sehr bald schon Kaugummis vom Boden kratzen und essen!
  • Frauen: Kinder entwickeln sich tipptopp auch ohne Baby­schwimmkurs und Krabbellernkurs und pränatalen Mozart und Babymassagekurs und MuKi­Yoga!
  • Frauen: Hört auf, immer die Schuld bei euch zu suchen, wenn irgendwas mit dem Kind nicht superoptimal ist! Das machen schon die anderen!
  • Frauen, sagt es laut: Ich bin eine Gutgenugistin!
  • Irgendwann versteht man, was alle meinten, wenn sie sagten: Geniess es, solange es noch so klein ist!

    Warum Mutter keinen Sex will 5 (es gibt noch ein paar weitere Gründe): Sie ist wütend auf Vater, weil dessen Leben sich kaum verändert hat und er doch so tut, als wär er der Überpapi, bloss weil er weiss, was eine Windel ist, und auch mal mit dem Kind spielt.
Könnte man einen Fötus fragen, ich bin ziemlich sicher, er würde einen Kaiserschnitt wählen.

Aber ein Kind ist vor allen Dingen einfach sehr, sehr lustig.

Wir werden dafür be­straft, Körper zu haben, die Babys herstellen können!

Und nicht zuletzt muss man das Interview mit wir eltern-Blogger Nils Pickert gelesen und die «Wer ist Chef-Baby-Checkliste» mit Fragen wie «Wer sass schon öfter mit dem Kind auf dem Schoss auf dem Klo?» abgehakt haben. Der oder die, welche die meisten Fragen mit «Ja» beantworten kann, gilt als Chef Baby. Alles klar? Nach der Lektüre von Rotens Buch, das Sie ja eigentlich nie schreiben wollte, weiss man definitiv, wie es ist, «Wie Mutter» zu sein. Auch wenn viele das bestreiten werden.

Freitag, 6. September 2013

"Hochbegabt? Ich? Hoffentlich nicht!"


Was soll eine Frau mit einem hohen IQ schon anfangen? Sie finden die Frage sexistisch? Das ist sie. Aber auch realistisch.

«Ich mag es nicht, wenn Leute zu mir sagen, ich sei so gescheit oder mit mir darüber reden wollen, dass ich zwei Klassen übersprungen habe. Ich möchte dann lieber das Thema wechseln.» Im Mamablog ein Mädchen anfangs Jahr, sie fühle sich weder aussergewöhnlich klug noch hochbegabt. Doch sie ist es. Deshalb besucht die Zehnjährige seit drei Jahren die Zürcher Schule für Hochbegabte «Talenta», welche dafür sorgt, dass sie in der regulären Volksschule nicht zu kurz kommt.
Ja, auch die Schweiz ist in den letzten Jahren aus ihrem Dornröschen-Schlaf erwacht und fördert hochbegabte Kinder mit einem IQ von über 130 (dieser trifft für geschätzte 2 Prozent der Bevölkerung zu). Es gibt vermehrt Programme, Stiftungen und Schulen, die diese in ihren Begabungen unterstützen, damit sie ihr Potential voll ausschöpfen können. Denn es gibt kaum etwas Schlimmeres für ein Kind, als sich in der Schule zu langweilen.
Das sei vor allem für die Mädchen wichtig, da diese nicht automatisch von den Eltern gefördert würden, so Wolfgang Schmidbauer, Autor von «Kassandras Schleier. Das Drama der hochbegabten Frau.». Darin zitiert er unter anderem Ulrike Grote, bildungspolitische Sprecherin der Grünen in Bayern. Diese hat in diversen Projekten festgestellt, dass in sieben der insgesamt acht Hochbegabten-Klassen doppelt so viele Jungen wie Mädchen gefördert werden. Angesichts der – auch für die Schweiz repräsentativen – Statistiken, wonach mehr Mädchen den Übertritt ins Gymnasium schaffen und bessere Matura-Noten erzielen, ist dieses Verhältnis rätselhaft.

Angst, keinen Mann zu finden
So sieht es auch Jean-Jacques Bertschi, ehemaliger Politiker und Präsident der Hochbegabten-Schule «Talenta». In seiner Schule sitzen gerade mal ein Drittel Mädchen und dieses Verhältnis scheine sich weltweit zu bestätigen. «Für ein Mädchen ist ein hoher IQ immer noch etwas, das bereits im Elternhaus als Hindernis angesehen wird.» Generell sind die allgemeinen Gefühle gegenüber Hochbegabten eher negativ, bei Mädchen potenziere sich dieser Eindruck noch. Fragen wie «Was soll eine Frau schon mit soviel Intelligenz anfangen?» und die Angst, «keinen Mann zu finden» muten zwar sehr altmodisch an, sind aber auch heute noch in vielen Köpfen verankert. Das ist aber nur einer der Gründe, wieso Mädchen weniger gefördert werden.
Sowohl Schmidbauer wie auch Bertschi erklären es sich weiter hiermit: Die mit der Hochbegabung einhergehende Langeweile in der Regelklasse zeigt sich bei Mädchen nämlich nicht im Rumtoben und nicht stillsitzen können, wie das eher bei Jungs der Fall ist. «Jungs...langweilen sich deutlicher und stören den Unterricht. So wird ihre Begabung öfter erkannt und sie werden gefördert. Mädchen langweilen sich ebenso, wollen aber nicht auffallen und vermeiden es, sich bemerkbar zu machen.» Eine allfällige Hochbegabung läuft aus diesem Grund Gefahr, unterzugehen und nicht erkannt zu werden.
Das Elternhaus spielt auch hier eine grosse Rolle. Wenn ein Kind bemerkt, dass es anders ist, kann es dieses Anderssein als Gefahr erleben. Zur menschlichen Entwicklung gehört «eine lang dauernde und verwundbare Kindheit, in der Menschen bereit sind, sich zu verbiegen, um sich den Schutz der Eltern zu erhalten.» so Schmidbauer. Denn Eltern sind narzisstisch. Ihre Kinder sollen es zwar mal besser haben als sie. Sie dürfen – und sollen – durchaus auch schlauer sein, um ihre Ziele zu erreichen. Solange die Ziele dem entsprechen, was wir uns für sie vorstellen. Darüber hinaus wird es gerade für Mädchen kompliziert.

Keine Macht den Frauen
Das stellte Alice Rowe bereits vor 15 Jahren in ihrem Buch «Where have all the smart women gone?» mit Erstaunen fest. Um die Joan-Baez-inspirierte Frage «Sag mir, wo die schlauen Frauen sind» beantworten zu können, sprach sie damals mit vielen hochbegabten Frauen und kam zu dem Schluss, sie seien umgezogen. In ein Land namens Dilemma. Dem Dilemma zwischen den eigenen Träumen und der Realität, in der es meist keine Vorbilder gibt, um diese zu realisieren. «Ich wollte Atom-Wissenschaftlerin werden, aber ich konnte mir nicht vorstellen, eine Krawatte zu tragen.» wird eine Teilnehmerin zitiert. Hinzu kommt das Dilemma des Schlau-Seins, sich aber dumm stellen zu wollen/müssen, weil Anders-Sein unsexy wirkt. Wie bereits Marilyn Monroe in «Some like it hot» bemerkte, scheint auch heute noch die Maxime zu gelten «Männer mögen es nicht, wenn Frauen intelligenter sind als sie». Viele Frauen befürchten, soziale Ablehnung zu erfahren, wenn sie Einblicke in ihre grauen Zellen gewähren.
Intelligenz bedeutet Macht. Und welcher Mann möchte schon eine Frau, die mächtiger ist als er? Nicht sehr viele, wie auch der «Shriver-Report: A Woman’s Nation» des «Center for American Progress» und der Kennedy-Nichte und Ex-Frau von Arnold Schwarzenegger Maria Shriver 2009 feststellte: 69 Prozent der Frauen glauben, Männer nähmen ihnen zu viel Intelligenz übel. Nur knapp die Hälfte der befragten Männer stimmten dem zu. Wer nun richtig liegt, bleibt ein Rätsel. Doch die Erfahrung zeigt, dass die Frauen vermutlich Recht haben - und die Männer Mühe damit, dies zuzugeben. Mal sehen, ob die Kleine aus dem Mamablog in 15 Jahren «einen Mann gefunden hat». Und ob sie das überhaupt will.

Dieser Artikel erschien gestern erstmals auf clack.ch und tagesanzeiger.ch 

Donnerstag, 5. September 2013

Die egoistische Mutter

Bild: screenshot paradisi.de


Was macht sie aus? Ein belauschtes Gespräch.

Neulich sass ich in einem Zürcher Restaurant und obwohl ich etwas zu lesen dabei hatte, kam ich nicht drum rum, zwei Frauen zu belauschen, die am nächsten Tisch sassen. Die eine erzählte von einer Bekannten mit drei Kindern (6, 4, 2 Jahre), die als Hausfrau und Mutter kurz vor einem Burnout den Arzt aufsuchte. Dieser empfahl ihr, wieder arbeiten zu gehen. Ich dachte noch für mich, was das für ein cooler Arzt ist, schliesslich weiss jede erwerbstätige Mutter, dass der Job wie Ferien sein kann. Erst recht bei drei Kindern, überlegte ich mir. Diese Frau fing also wieder drei Tage die Woche zu arbeiten an. Die Frau am Nebentisch erklärte deren Wochenablauf, der meines Erachtens extrem gut organisiert war. An den zwei freien Tagen, ginge diese Bekannte morgens ins Fitness, nachmittags habe sie die nicht schulpflichtigen Kinder bei sich.
So weit, so gut. Ein Leben, wie es viele von uns kennen. Einige geniessen es, anderen ist es zu stressig. Nichts Ungewöhnliches. Doch nicht für die Erzählerin. Sie fand es unerhört, dass «man  drei Kinder in die Welt setzt, um sie dann nie zu sehen!» Zwei Nachmittage in der Woche seien bei drei Kindern doch einfach viel zu wenig und wenn die Frau lieber auf ihre Figur achte und ins Fitness wolle, dann hätte sie keine Kinder haben brauchen. «Egoistin» war das vernichtende Urteil.
Ihre Freundin widersprach ihr vehement. Sie fände auch keine besondere Erfüllung darin, jeden Nachmittag mit den Kids auf dem Spielplatz zu verbringen, und sei deshalb froh zu arbeiten. Erstere verstand das nun wiederum gar nicht und fragte sie, wieso sie denn Kinder habe, wenn sie ja lieber nichts mit ihnen machen wolle. «Zumindest nicht, um immer mit ihnen zusammen zu sein. Ich will, dass sie sich entfalten und dazu gebe ich ihnen ein Zuhause und Wurzeln. Sie brauchen mich aber nicht dauernd um sich.»  Die Empörung gegenüber war deutlich zu spüren. Und bald auch zu hören. «Ich finde das schlimm, was du da sagst.» Gefragt, wieso sie denn so viel Zeit mit ihrem (Einzel-, wie sich herausstellte) Kind verbringe, antwortete sie «Weil es für mich das Schönste ist!»
«Und findest du das nicht auch egoistisch? Du machst es ja offenbar für dich. Ist es für dein Kind auch das Schönste? Ist es nicht dasselbe, dass du möglichst viel Zeit mit deinem Kind verbringen willst, weil DU das magst, wie für diese andere Mutter ins Fitness zu gehen, weil sie sich gerne etwas Gutes tut?» Schweigen. Wie so oft bei solchen Müttergesprächen, wechselten sie bald das Thema, wohl um ihre Freundschaft nicht zu gefährden.
Abgesehen davon, dass ich es immer noch traurig finde, das wir Mütter offenbar oft das Bedürfnis haben, über andere urteilen, statt sie ihr Leben so leben zu lassen, wie es für sie und ihre Familie stimmt, kam bei mir eben diese Frage auf:
Ist eine Mutter egoistisch, wenn sie ihre Kinder abgibt, um zu arbeiten, ins Fitness zu gehen oder ein gutes Buch zu lesen?

Und ist es nicht genauso egoistisch, möglichst viel Zeit mit dem eigenen Kind zu verbringen, weil es mir selber so gefällt? Geht es beim Mutter sein – auf die Väter komme ich ein andermal zurück – darum, möglichst viel um die Kinder zu sein oder ist eine Mutter eine Erziehungsberechtigte, die erziehen und bei Bedarf für ihre Kinder da sein soll?

Was meint ihr? Wer hat Recht?

Dienstag, 3. September 2013

Wieviel Smartphone braucht ein Kind?



Diese Frage stellte sich mir, als ich die neuste Studie über das Online-Verhalten von Kindern und Jugendlichen las. 

«Gefangen im Netz» heisst die Schlagzeile passenderweise im «Tages Anzeiger» von letzter Woche. Der Artikel legt die «besorgniserregende» Studie dar, wonach viele Kinder und Jugenliche sich täglich und «exzessiv» im Internet bewegen.
So gibt es offenbar solche, die nicht nur tagsüber am Smartphone- und Computerbildschirm kleben, sondern auch nachts. Doch, Sie haben richtig gelesen. So wird von einer Melina berichtet, die ihre zwei (!) Smartphones nachts neben ihrem Kopfkissen liegen hat. Das eine für Facebook, das andere für Whatsapp (wieso nicht beides auf demselben?), damit sie keine neue Nachricht verpasst.

«Erhält Melina neue Nachrichten, vibrieren die Geräte. Die junge Frau erwacht aus dem Dämmerschlaf, ist sofort hellwach. Sie schreibt zurück und fühlt sich gut. Ein paar Minuten lang wartet sie, ob jemand auf ihr Posting antwortet. Dann gleitet sie zurück in den Halbschlaf.»

Auch wenn das ein extremes Beispiel ist, gilt es offenbar nicht als ungewöhnlich, so der zitierte Experte Joachim Zahn, Projektleiter des gemeinnützigen Vereins «Zischtig.ch». Nun denke ich bei solchen Studien zugegebenermassen immer, das gehe uns ja eigentlich nichts an, wir haben ja alles im Griff. (Seien Sie ehrlich, Sie auch!) Schliesslich hat unser 9-Jähriger «erst» einen selbst zusammen gesparten iPod und ein altes Macbook, auf dem er ab und zu ein paar Matheübungen macht und eine Art eigenes «Greg's Tagebuch» schreibt. Was Internet genau ist, weiss er nicht, obwohl seine Eltern beide im Online-Business tätig sind und eigentlich täglich vor der Kiste sitzen. Ausser gamen und ab und zu mit seinem Grossvater skypen, macht er mit seinem iPod nicht viel. Ein Smartphone ist für uns deshalb GAR KEIN Thema zurzeit.

Nun lese ich aber in besagtem Artikel weiter, «ab der Mittelstufe sei ein Prepaid-Handy oder Smartphone angebracht, allerdings nur mit WLAN (für den Internetzugang)». Die Mittelstufe bezeichnet nota bene die 4. bis 6. Primarstufe! Sind wir also vollkommen hinter dem Mond und konservativ? Braucht ein Zehn- bis Zwölfjähriger wirklich schon ein Telefon? Wofür? Was genau muss ein vorpubertierendes Kind online tun? Oder liege ich vollkommen daneben? Wie immer lasse ich mich gerne eines Besseren belehren, schliesslich dachte ich als Mutter eines Säuglings auch noch, es würde nur mit Holzspielsachen spielen wollen...

Wie haltet ihr es mit Smartphone und Co.?

rabenmutter.ch abonnieren