Donnerstag, 23. Januar 2014

Mami ist der Chef!



Wer glaubt, die meisten Frauen würden nach dem ersten Kind zum Muttertier mutieren, täuscht sich. Sie machen sich nämlich immer häufiger selbstständig. Kein Wunder!

Die Gratiszeitung «20 Minuten» entdeckte vor kurzem Amerika. Oder besser gesagt, das Amerika, welches viele Mütter schon länger zu ihrem Alltag zählen: den Begriff «Mompreneur». Die Kombination aus Mom und Entrepreneur gibt es in unserem Sprachgebrauch schon länger, wieso also dieser Artikel? Was ist daran spannend, dass sich Frauen nach der Geburt ihrer Kinder lieber selbstständig machen, als zu ihre alten Arbeitgeber zurückzukehren? Alles! Denn Mompreneurs rocken! 

1. Mompreneurs sind mutig
Eine neue Studie der Gründerplattform Startups.ch. 2013 zeigt, dass jedes vierte Unternehmen vom weiblichen Geschlecht ins Leben gerufen wird. Zum Vergleich: 1993 waren es noch lediglich 5 Prozent. «Rund die Hälfte davon sind auf Mütter zurückzuführen, die sich selbstständig machen», schätzt Startups.ch-CEO Michele Blasucci im «20 Minuten». (Lesen Sie dazu «Selbst ist die Frau»)

2. Mompreneurs sind flexibel (sie haben ja keine Wahl)
Clivia Koch, Präsidentin des Verbands Wirtschaftsfrauen Schweiz, weiss auch, wieso: «Viele Unternehmen bieten Müttern zu wenig Flexibilität». Wir haben nämlich alle keine Lust mehr, Bemerkungen zu hören, wenn die Kinder krank sind und wir zu Hause bleiben müssen. Auch haben wir es satt, dass Sitzungen um 18.00 Uhr oder an unserem freien Tag abgehalten werden. Und dieses Gefühl, nie gut genug zu sein, weder zu Hause, noch im Job... schrecklich! Ausserdem können wir uns keine Fremdbetreuung leisten!

3. Mompreneurs erfinden die Teilzeitstelle neu
Das Bundesamt für Statistik hat die Zahlen: Nach der Geburt eines Kindes steckt meist die Mutter beruflich zurück. Während 88 Prozent der Väter Vollzeit arbeiten, sind es bei den Müttern lediglich 17 Prozent. 61 Prozent der Mütter arbeiten Teilzeit. Doch Teilzeitarbeit ist nicht überall möglich, gerade besser qualifizierte Frauen haben es oft schwer, eine 20- bis 60-Prozent-Stelle zu finden. «In der Schweiz gibt es zu wenig Firmen, die Teilzeitstellen anbieten», so Judith Baumberger, Präsidentin des Business & Professional Women (BPW) Clubs Zürich im «20 Minuten». Auch Job-Sharing, wo sich beispielsweise zwei Mütter eine 100-Prozent-Stelle teilen, sei mit einem grossen organisatorischen Aufwand verbunden und deshalb für Unternehmen wenig attraktiv.

4. Mompreneurs tun, was ihnen gefällt
Besonders beliebt bei Mompreneurs sind laut Startups.ch die Bereiche Beauty, Marketing, Kommunikation und Personalvermittlung. Wie ein Aufruf auf Facebook zeigt, haben Mompreneurs aber noch viele andere Asse im Ärmel.

Deshalb möchten wir ab sofort jede Woche ein Unternehmen vorstellen, dass von einer oder mehreren Schweizer Müttern gegründet wurde. Freut euch auf ganz viel Mütter-Power!

Donnerstag, 16. Januar 2014

Oops, they did it again...



Es ist das dritte Mal, dass der Windelhersteller uns dankt. Und das nervt langsam.

London 2012 und Vancouver 2010: Procter & Gamble, Partner der olympischen Winterspiele auch dieses Jahr in Sotschi, bedankte sich tränendrüsend-strapazierend bei uns Müttern. «Thank you, Mom» heisst auch dieses Jahr die Kampagne. Zum dritten Mal sieht man darin Mütter, die hingebungsvoll ihre Kinder betütteln – für Russland wählten sie das Thema «Fallen und wieder aufstehen». Das vibrierende «Danke, Mami» bezieht sich auf die mütterliche Nachwuchsförderung olympischer Medaillen-Gewinnern.

Trotz heftiger Kritiken in den letzten Jahren, scheinen die Marketing-Gurus des Windelherstellers irgendwie nicht zu begreifen, dass ihre ewige Verherrlichung der Mutter langsam nervt. Nicht nur, weil dieselbe Firma auch Putz- und Waschmittel herstellt, aber auch. Vor allem geht mir die pathetische Bildsprache auf die Nerven, denn darin kommt kein einziger Vater vor! (Eine halbe Bildeinstellung lang schon, aber der kleine Hosenscheisser rennt natürlich zu Mutti.)
Die Kampagne sagt nämlich folgendes: «Für das Wohlbefinden und die Zukunft des Kindes müssen die Mütter beim ersten Schritt, beim ersten Fall, beim ersten Eishockeymatch präsent sein. Die Väter können abwesend sein, alles ist gut.»

Natürlich tun Mütter viel für ihre Kinder. Sogar sportlich betrachtet, sind viele Mütter unabdingbar, bedenkt man, dass es meist sie sind, die ihre Sprösslinge ins Training fahren und wieder abholen. Doch darf man deshalb die Väter vollkommen ignorieren? Sollte man nicht endlich – obwohl unsereins wohl bald arbeitslos wäre – das Thema Mütter, Väter, Eltern etwas moderner behandeln? Väter sind lange nicht mehr so abwesend wie früher. Und gerade was den Sport betrifft, sind es doch gerade die Väter, die sich dafür interessieren. (Meiner Erfahrung nach sind die Mütter nur die Chauffeusen und am Turnier wird mit anderen Chauffeusen gequatscht. Überspitzt gesagt.)

Wenn Procter & Gamble wirklich der "Stolzer Sponsor für Mütter" wäre, wie sich die Marke ja selber beschreibt, müsste sie aktiv für gleichen Lohn lobbiieren, für Mutterschaftsurlaub, bezahlbare Kinderkrippen, flexible Arbeitszeiten und sie würden keine Produkte mehr herstellen, die bei eben diesen Müttern Krebs verursachen!

Was mich aber noch viel mehr stört, ist, dass wieder einmal implizit gesagt wird, dass nur wir Mütter für das Wohlbefinden der Kinder zuständig sind. Denn die Väter können's nicht. Anders gesagt: Wenn Sie nicht an jeden Match Ihres Kindes gehen, bringen Sie die Mutter-Kind-Beziehung in Gefahr. Wenn der Nachwuchs versagt, ist es dann eben die Schuld der Mutter.

Es ist vielleicht nicht die Aufgabe eines globalen Unternehmens, die Thematik neu anzugehen. Aber eigentlich schon. Wir wissen doch alle, wie viel Einfluss die Werbung auf unser tägliches Leben nimmt. Wenn die Marketing-Abteilungen dieser Welt etwas weniger plakativ agieren würden, gäbe es schnellere Veränderungen, davon bin ich überzeugt. Oder kaufen Sie jetzt mehr Pampers als vorher?

Mittwoch, 15. Januar 2014

An alle Bubenmütter!



Habt ihr sich schon einmal vorgestellt, wie es wird, wenn euer Sohn mit Frauen ausgeht? Old Spice zeigt euch, wie sich das anfühlt. Zum Schreien!

Montag, 6. Januar 2014

Der Kurs für mehr Anstand



Weiss Ihr Kind, was sich gehört? Wenn nicht, melden Sie es zum Knigge-Kurs an. 

Wie waren die Tischmanieren Ihrer Kinder dieses Jahr an Weihnachten? Wie viel Fondue-Chinoise-Sauce musste der Hund vom Boden lecken? Wurde für den Crevetten-Cocktail das richtige Gäbeli gewählt? Nicht? Dann können wir helfen!

«Die Knigge-Kurse für Kinder boomen. Die Nachfrage nach Benimmkursen für Kinder und Jugendliche steigt», so der «Tages-Anzeiger» während der Festtage. Offenbar sind viele Kinder  nicht mehr in der Lage, richtig mit Messer und Gabel umzugehen. Damit sind nicht dreijährige Hosenscheisser gemeint, die am liebsten ihr Essen über den Tisch verschmieren. Die Zürcher Knigge-Expertin Katrin Künzle bietet vielmehr Programme für Kinder von 8 bis 12 und Jugendliche von 13 bis 17 Jahren an. Die Kurse sind sehr gefragt, Geschenkgutscheine werden vor allem von Grossmüttern gekauft.

Ich stelle mir das wunderbar vor: Anstatt dauernd die Augen zu verdrehen und missbilligend zu schauen, schenken die Grossmütter ihren Schwiegertöchtern – die die lieben Enkel ja sowieso falsch erziehen – direkt einen Gutschein für bessere Kindererziehung. Frohe Weihnachten!

Schlechtes Benehmen sorgt nicht nur für peinliche Eltern-Momente – es gilt auch als Karrierekiller für die Kinder, wenn die Karriere zum Thema wird. «Der Chef achtet darauf, ob der Jugendliche das Gespräch in Gang halten kann oder seine Zeit bloss absitzt. Und ob er sich gleich den besten Platz am Tisch schnappt», sagt Susanne Abplanalp von der Firma Knigge Today zum Tagi. Beim guten Benehmen gehe es «um Wertschätzung im Umgang miteinander.» Soweit, so logisch. Sofern der Chef überhaupt selber Manieren hat. Soll es ja auch geben...

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bestehe darauf, dass meine Kinder anständig essen, trinken und sich zu Tisch benehmen können. Was mich bei der Sache stört, ist, wenn man die Kids dafür in einen Kurs schicken muss. Ich glaube nämlich nicht, dass Knigge-Kurse bei Kids mehr bewirken als Vorbilder. Ist es nicht unsere Aufgabe, unseren Kindern Manieren beizubringen? Will heissen: Essen Sie gefälligst selber anständig, damit Ihre Kinder von Ihnen lernen. Sabbern Sie nicht, reden Sie nicht mit vollem Mund, fangen Sie nicht an, bevor alle am Tisch sitzen, kriechen Sie nicht unter den Tisch (!) und stehen Sie nicht auf, bevor alle fertig sind. Ob die Kinder dann das richtige Gäbeli benutzen oder nicht, ist dann ehrlich gesagt nicht mehr so schlimm. Oder was meinen Sie?

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