Dienstag, 25. März 2014

Mami! Peinlich!



Von der weltbesten Mutter zum peinlichsten aller Erdbewohner. So schnell kann’s gehen.

Wie meist in solchen Fällen, kann man den Tag, an dem es passierte, nicht nennen. Es passiert einfach. Schnell. Kurz und schmerzhaft. An einem Tag bis du noch «die beste Mami aller Zeiten», weil du gut kochen, Velo fahren oder Geschenke machen kannst. Am nächsten bist du schon so peinlich, dass es nicht auszuhalten ist mit dir. Beispielsweise, wenn du dem Kumpel deines Zehnjährigen sagst, du fändest sein AC/DC-Shirt noch cool. GEHT. GAR. NICHT! Oder noch schlimmer, du kommst an der Schule vorbei und möchtest deinem Sohn «Hallo» sagen. Und weil es zu Hause auch so ist, küsst du ihn auch noch vor all seinen fussballspielenden, testosteron-schwitzenden Kollegen (Gspönli ist imfall auch totaaal peinlich!) mitten auf die Stirn! 

Und dann kommt der Tag, an dem dein Kind einfach vergisst, wie peinlich du in Wirklichkeit bist und heult sich bei dir aus, weil seine Freunde einfach nur Idioten sind, die ihn nerven und er lieber bei dir zu Hause sitzt und ein Spiel spielt. Macht das aus mir eine schlechte Mutter, wenn ich mich darüber freue und mir vor Rührung fast die Tränen kommen? Ich glaube schon. Aber schlecht ist ja immer noch besser als peinlich, oder nicht?

Dienstag, 18. März 2014

Mami krank. Kind krank.



Es gibt da ein paar Unterschiede.

Die Grippezeit war schon praktisch vorbei, als es mich doch noch erwischte. So richtig. Mit allem drum und dran, Fieber, Hals-, Kopf-, Gliederschmerzen, das volle Programm. «Cool!», meinte mein Sohn, «dann brauchst du nicht zu arbeiten und kannst zu Hause rumhängen!».

Süss, nicht? Denn für ihn ist krank sein eben nicht nur mühsam. Für ein Kind bedeutet krank sein auch ein wenig Ferien. So bleibt in seiner Erinnerung wohl vor allem der letzte fieberfreie Tag hängen, an dem er ausnahmsweise gamen oder fernsehen darf und seine Schwester los ist, weil diese in der Schule sitzt.

Für uns Mütter sieht das etwas anders aus. Die Unterschiede zwischen einer Mutter und ihren Kindern, was das Kranksein betrifft, sind mannigfaltig:

Als Kind: Du merkst, dass du krank wirst und freust dich, heute nicht in die Schule zu müssen. Was ist schon ein Schnupfen und Halsschmerzen verglichen mit einem Mathe-Test?

Als Mutter: Du wachst auf, fühlst dich, wie wenn du unter einem Lastwagen geschlafen hättest, und eine leise Panik steigt auf. Denn heute hast du Abgabetermine, eine wichtige Sitzung, Elternabend und dein Mann ist im Ausland.

Als Kind: Du hast jemanden, der sich um dich kümmert.

Als Mutter: Du kümmerst dich selber um dich und fühlst dich sooo alleine!

Als Kind: Jemand fährt dich zum Arzt, der dir am Ende auch noch ein Zückerchen gibt und Mami ist immer da und hält deine Hand.

Als Mutter: Du schiebst den Arztbesuch vor dich hin, bis du so krank bist, dass du am Wochenende in die Notaufnahme musst und Antibiotika brauchst. Dies ganz alleine, jemand muss ja auf die Kinder aufpassen!

Als Kind: Mami für sich haben, Ruhe geniessen, alleine im Zimmer spielen oder lesen. Me-Time halt!

Als Mutter: Frühstück machen, Kinder in die Schule schicken, arbeiten, Wäsche waschen, Mittagessen kochen. Ein ganz normaler Tag. Mit 39° Fieber und kaum aufrecht gehend. Mist-Time!

Als Kind: Medizin ist der einzige Haken am ganzen, diese Kindersirups sind eine Zumutung und bei jedem Schluck kehrt sich dir der Magen um.

Als Mutter: Du nimmst etwas. IRGEND ETWAS damit es dir besser geht!

Als Kind: Bist du total melodramatisch und glaubst, langsam abzunippeln.

Als Mutter: Bist du total melodramatisch und bist überzeugt, langsam abzunippeln.

Meine Mutter sagte mal zu mir: «Du wirst sehen, als Mutter ist man einfach nicht krank.» Leider stimmt das nur an 360 Tagen im Jahr. Diese anderen 5 Tage sind die Hölle. Bis nächstes Jahr!

Donnerstag, 13. März 2014

Friede. Freude. Eltern sein.





Die Misere der kinderzentrierten Erziehung. Oder wieso niemand weiss, wie man diesen Job richtig macht.

Eigentlich wollte ich das Buch gar nicht lesen. Bitte keinen weiteren Ratgeber, der uns Eltern sagt, was wir alles falsch machen und bei dem während 300 Seiten die unausgesprochene Frage im Raum steht «Wieso tun sie das bloss?». Nein, das wollte ich mir ersparen.
Wir Eltern sind nämlich offenbar total verrückt. Und unglücklich. Ja, vor allem unglücklich. Zahlreiche Studien belegen, dass Kinder haben alles andere als glücklich macht. Eltern sind ausgepumpt, ängstlich, haben keinen Sex und sind immer müde. Und sie bloggen auch noch darüber. Kurz: Wir Eltern sind die totalen Spassbremsen. Wieso sollte man sich also ein Buch antun wollen, dessen Titel genauso keine Besserung verspricht?

«All Joy and No Fun» klingt deprimierend. Ist es aber nicht, wie sich bei der Lektüre – denn natürlich musste ich ein Buch mit einem solchen Titel lesen – herausstellte. Das Buch, welches aus einem Artikel von 2010 entstand, ist weder polemisch noch anklagend. Es untersucht Elternschaft zwar unter dem Mikroskop, doch Jenifer Senior,  Redaktorin des «New York Magazines», dreht den Spiess der Ratgeberliteratur um: Es geht um die Rolle, die Kinder im Leben ihrer Eltern spielen und nicht darum, welche Rolle die Eltern übernehmen. 

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(Text: Nathalie Sassine-Hauptmann)
 

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