Donnerstag, 22. Mai 2014

Unterbezahlte Kindererzieher



Der Kanton Zürich hat zu wenig Kindergärtnerinnen. Wer will den unterbezahlten Job schon, bei dem die Kunden rumschreien und sich die Schuhe nicht selber binden können? 

1000 Kinder werden im Kanton Zürich nach den Sommerferien neu eingeschult. Das gibt in vielen Schulhäusern mindestens eine neue Klasse, wie der «Tages-Anzeiger» letzte Woche schrieb. Nun ist der Lehrermangel bekannt, bei den Kindergärtner und -innen ist die Wüste noch trockener:
Laut Brigitte Fleuti, Präsidentin des Verbandes Kindergarten Zürich, hat sich schon lange abgezeichnet, dass bald mehr Kinder eingeschult und entsprechend mehr Lehrpersonen auf Kindergartenstufe gebraucht werden. Dass es nun doch zu einem Lehrermangel gekommen ist, erklärt sie mit den hohen Anforderungen, die eine Kindergärtnerin erfüllen muss, ohne angemessen entlöhnt zu werden. So gelte es, Kinder mit Sprachschwierigkeiten und speziellen Bedürfnissen zu integrieren und jedes Kind einzeln zu fördern. Die Kinder seien immer jünger, viele hinkten in ihrer Entwicklung hinterher. Viele Kindergärten seien in zu kleinen Räumen mit schlechter Schalldämpfung untergebracht. Der Lärmpegel sei entsprechend hoch, was für die Lehrperson stressig sei.
Oder anders gesagt: Nein, danke! Eine Kindergärtnerin ist voll ausgebildet und erhält dennoch nur 87% ihrer Lohnstufe! Immer noch nicht ganz ernst genommen, verlangen auch wir Eltern viel von den Kindergartenlehrer/innen: Die Kinder sind immer jünger, viele – aus diversen erziehungstechnischen Gründen – dem Schulalltag noch nicht gewachsen und von vielen Eltern werden ganze Erziehungsprogramme verlangt. Wer badet das aus? Die Frauen und Männer, die sich tagaus, tagein mit unseren Kindern beschäftigen, ihnen Tolles beibringen, sie trösten und fördern. Aber weniger Lohn erhalten als Primarschullehrer!
Wieso? Welche Begründung gibt es dafür? Gerade der Kindergarten ist doch der wichtigste Schritt in Richtung Schule. Wenn hier keine motivierten Menschen sind, wird den Kleinen der Einstieg in die Schule doch vermiest, oder nicht? Sind diese – meist sehr kinderliebenden – Lehrer/innen wirklich weniger wichtig und ernst zu nehmen, als die späteren? Ich glaube nicht.
Der Mangel führte jetzt dazu, dass man neue Kindergärtner/innen kurzfristig ausbildet, und zwar in ganzen 3 Tagen! Ich gehe davon aus, dass sowieso nur kinderliebende Menschen diesen Job machen wollen, aber dennoch: Schnellbleiche? Kindergärtnerin light? Der Frust ist bei den bereits Ausgebildeten vorprogrammiert.
Was meinen Sie? Sollte man den Berufsstand aufwerten oder sind Kindergarten-LehrerInnen wirklich nicht so wichtig?

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