Donnerstag, 19. Juni 2014

Wenn Papa für Mama bezahlen muss



Der Bundesrat berät diese Woche das neue Unterhaltsrecht, welches regelt, wer nach einer Scheidung oder Trennung wie viel zahlen muss. So weit, so nötig.

Das Problem dabei ist, dass unser Bundesrat nicht gerade viel modernen Zeitgeist zeigt. So legt er dem Parlament einen Entwurf vor, der die traditionelle Rollenverteilung gerade zu zementiert: Papa arbeitet, Mama kümmert sich um die Kinder. Das soll auch bei Unverheirateten gelten. Der getrennt lebende Vater soll also nicht die Kinder, sondern auch die Ex finanziell unterstützen. Das Argument? Jedem Kind, unabhängig davon, ob es unehelich oder nicht zur Welt kam, soll «die Gewährleistung der bestmöglichen Betreuungsverhältnisse ermöglicht werden».
Mein Problem dabei? Verschiedene:
  1. Wieso pochen wir immer noch darauf, dass Mama die Einzige ist, die ihre Kinder richtig betreuen kann und so unterschwellig vermitteln, dass es den Kindern in einer Krippe schlechter geht?
  2. Was soll daran so gerecht sein, wenn Papa 100% (oder noch mehr) ausser Haus und Mama 100% (und meist noch mehr, aber ohne Lohn) zu Hause schuften muss?
  3. Wieso nicht vereinbaren, dass beide Teilzeit arbeiten und die Kinder so von beiden betreut werden können?
  4. Wichtig wäre doch vor allem, dass niemand auf dem Existenzminimum landet, weder Papa noch Mama. Aber jeder muss tun, was er kann.
Gerade zu Punkt 4 kenne ich einfach viele Mütter, die nicht mehr arbeiten wollen, auch wenn sie könnten! Papa soll halt zahlen! Verstehen Sie mich nicht falsch. Je nach Situation ist es durchaus angebracht, beispielsweise wenn er jahrelang auf ihre Kosten (will heissen, sie hat ihm den Rücken freigehalten) studiert und Karriere gemacht hat, ist es nur fair, wenn er dies auf diese Art «zurückzahlt». Aber unter «normalen» Umständen?
Die Vorlage sagt natürlich nicht, dass ausschliesslich Papa für Mama zahlen muss, so wie die Dinge aber heute stehen, läuft es darauf hinaus. Und ich gebe zu, dass dies auch (noch) der Realität entspricht, aber müsste der Bundesrat nicht mithelfen, die Gesellschaft zu verändern?
Was meinen Sie? Ist das gerecht oder hinterwäldlerisch?

Kommentare:

Der Oe. hat gesagt…

Alleine Dein Punkt 1 zeigt m.E bereits eines der Hauptprobleme auf: Er vermittelt, dass es keine dritte Möglichkeit - den Papa - als Betreuungsmöglichkeit gibt. (jaja, ich weiss, dass der weiter unten dann erwähnt wird. Aber nicht mit der Mama an erster Stelle zu stehen, reicht eigentlich schon :) )

Es ist halt so, dass selbst aufgeklärte, eigentlich modern funktionierende Menschen, in Verhaltens- und Denkmustern gefangen sind, ohne dass sie das realisieren...

Hinzu kommt, dass - falls es denn zum Einschalten von Behörden kommt - sich Entscheidungsträger auf Neuland begeben, wenn sie Mann und Frau wirklich (!) gleich behandeln. Und da verlässt man sich lieber auf die bereits gut ausgetretenen Pfade. Da macht man sicher nichts falsch....

Und daran scheitert dann wohl auch Dein Anspruch an den Bundesrat, die Gesellschaft zu verändern. Solange neutral formulierte Regelungen geschlechterspezifisch gehandhabt werden, müssen wir - wohl oder übel - damit leben (oder aber immer und immer wieder aufs Neue den Finger drauf halten. Aber das kostet Energie und schafft nicht nur Freunde :) )

Nathalie Sassine-Hauptmann hat gesagt…

Einen Vater habe ich in Punkt 1. nicht erwähnt, weil es ja genau darum geht, dass der Bundesrat, die Gesellschaft, die Verfasser des Textes auch immer davon ausgehen, dass es Mamas Job ist. Von Vätern spricht ja leider niemand! Wer sagt denn, dass Papa nicht zu hause beim Kind bleiben möchte, während Mama Alimente zahlt?

Mit allem anderen hast du leider Recht. Ausserdem müssen sich in der Schweiz ja auch immer alle einig sein. Nebst sehr guten Nebeneffekten dieser Art, Politik zu betreiben, läuft es aber auch immer darauf hinaus, dass Veränderungen nur sehr laaangsam vorangehen. Aber hey, vielleicht machen es unsere Kinder mal besser!

Olga hat gesagt…

Habe gehört ,dass unverheiratete Väter nicht nur für das Kind zahlen müssen;ist O.k. auch die Expartnerin muss unterhalten werden.Wird damit enden ,dass sich die Boys zur absoluten Verhütung entschliessen werden.Vasektomie.Sperma kann vorher eingefroren werden(Kinderwunschzentrum).Einige meiner Kollegen sind sterilisiert.Sie wollen keine Alimente zahlen.Dies werden die Folgen sein eines dummen Gesetzes!

Lorelai hat gesagt…

Hmm... ich glaube es steht in Niemandes Ermessen zu urteilen, wie gerecht es ist, wie sich Eltern Ihre Berufstätigkeit aufteilen. Wir gehen mal davon aus, dass dies vor der Geburt des Kindes besprochen wurde. Meist ist dies ein einfacher, finanzieller Entscheid. Wer mehr verdient, arbeitet mehr. Zumal ist der Vorschlag, dass beide Teilzeit arbeiten sollen, einer, der heutzutage ja leider noch jedem ein müdes Lächeln abbringt. Männer und Teilzeit? Da gibt es noch zahlreiche Baustellen. Je nach Position ist das fast unmöglich. Oder es heisst dann eben 80% und das ist dann zusammen mit den Überstunden (und der Heimarbeit) nun wirklich nicht mehr als Teilzeit zu verstehen. 80% ist ein Hohn: Weniger Lohn, gleiches Arbeitspensum. Und die Sache, wie es Kindern in der Kita geht... das ist bei mir so eine Herzsache. Meine Kinder gehen an zwei Halbtagen in die Kita und sie sind nie gerne gegangen. Sie sind lieber zuhause und ich kann das sehr gut nachvollziehen. Ich war in dem Alter auch lieber bei Mama. Oder eben Papa. Oder vlt noch Oma... ich finde, dass ein Kind halt in den ersten Jahren hauptsächlich im engsten Familienkreis betreut werden sollte, oder vlt noch bei einer sehr guten Tagesmutter... da mag die Kita noch so gut sein. Anderen mag die Kita gut tun, es ist halt auch individuell. Aber eins steht für mich persönlich fest: Würde mein Mann mich verlassen, würde ich keinesfalls wollen, dass die Kinder noch öfter in die Kita müssen damit ich mehr arbeiten müsste. Und ich denke dass mein Mann das auch nicht wollen würde... aber das Thema ist sicher kein einfaches und ich denke dass es in der Praxis doch sehr individuelle Lösungen geht und individuell auf jedes Scheidungspaar und dessen Kinder eingegangen wird...

Sandro hat gesagt…

Als Mann bist Du nur sicher mit der 100% Verhütung.Du hast nur 2 Möglichkeiten zu Verhüten.Kondome und die Vasektomie.Ich habe die Sterilisation.Keine Alimente,kein Betrug z.b.habe die Pille vergessen etc.Ich werde nie zur Kasse gebeten.Werde auch nicht heiraten.Wieso auch.
Will der Mann sicher sein=Keine Heirat & Sterilisation.

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