Mittwoch, 18. Mai 2016

Mutterglück

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Wieso ich mein Glück nicht von meiner Familie abhängig mache.
Oft werde ich angefeindet, ich wolle zu viel. Ich würde arbeiten, um einen gewissen Wohlstand zu haben. Und entsprechend meine Kinder vernachlässigen, um diesen Lebensstandard zu halten. Man könne aber eben nicht alles haben, als Mutter müsse man verzichten.

Macht denn Geld glücklich? Die meisten von uns würden wohl mit einem klaren «Nein!» aus dem Bauch heraus antworten. So auch ich. Geld macht höchstens sorglos, zumindest finanziell. Geld hilft, kleine Glücksmomente zu ergattern, indem ich beispielsweise etwas lang ersehntes kaufe, das mich glücklich macht. Wir alle wissen aber, dass es nicht lange dauert, bis dieses etwas bald nicht mehr so speziell ist, ergo der Glücksmoment bald vergeht.
Solche Glücksinseln braucht jeder Mensch. Dass diese nichts mit Wohlstand zu tun haben, ist klar. Ein Picknick mit der Familie macht glücklich, eine Umarmung im richtigen Moment. Ein geteiltes Glacé in der Badi. (Wobei dieses ja auch nicht gratis ist.)

Doch wie verschaffe ich mir langfristiges Glück? Ich kann ja nur von mir persönlich sprechen und meine Faktoren zum Glück sind meine Familie, mein Mann, mein Beruf, meine Freunde, Zeit für mich. Je nach Tag in einer anderen Reihenfolge. Und da haben wir es eben. Die Familie kommt bei mir nicht immer an erster Stelle. Es gibt Tage, da würde ich lieber arbeiten, als das x-te UNO mit den Kids zu spielen oder für sie zu kochen. An anderen Tagen – wie beispielsweise an meinem nächsten Geburtstag – gehe ich lieber mit meinen besten Freundinnen aus, als mit meinem Mann, einfach weil es schon lange her ist. Wieder an anderen Tagen bin ich gerne alleine und lese ein Buch, während andere im Europapark rumflitzen. Diese Balance macht mich langfristig glücklich.
Und das scheint genau das Problem zu sein. Als Mutter wird von dir nun mal erwartet, dass die Familie an erster Stelle kommt. Immer. Die Kinder sollen dich glücklich machen. Abgesehen von einer Portion Egoismus meinerseits, finde ich auch, dass da ein enormer Druck auf den Kindern lastet. Sie sollen dafür verantwortlich sein, dass Mama glücklich ist? Ich habe schon zu oft erlebt, dass Mütter ihr Glück von der Familie abhängig machen. Und wenn dann was schief läuft – eine Trennung zum Beispiel – haben sie wenig anderes, worauf sie sich freuen können. Mir würde das schlicht Angst einjagen, alles auf eine Karte zu setzen. Auch war ich eines dieser Kinder und würde dies meinen eigenen nicht antun wollen.
Deshalb brauche ich meine anderen Inseln, auch wenn mir das schon Adoptionsangebote für meine Kinder eingebracht hat, weil ich sie offenbar vernachlässige. Denn Erfolg im Job macht mich sehr glücklich. Bauchschmerzen vor Lachen mit einer Freundin auch. Ein Wochenende am Meer alleine mit meinem Mann sowieso. Und einen ganzen Sonntagnachmittag ein Buch lesen zu können ebenso.
Egoistisch? Vielleicht. Glücklich? Auf jeden Fall. Und die Kinder? Denen möchte ich vermitteln, dass auch sie ihr Glück nich von anderen abhängig machen können.

Dieser Blogpost erschien zum ersten Mal auf wireltern.ch

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